Ausführlicher Reisebericht: Roadtrip USA (Las Vegas & einige Nationalparks im Südwesten bis Denver)

Reisezeitraum: 23. Mai 2026 bis 7. Juni 2026

Teil I:

Vorbemerkungen & Buchung

Ich habe mich entschieden, dieses Mal einen ausführlichen Reisebericht hier in das Forum zu stellen, der nicht nur Photos beinhaltet, sondern auch viel Text. Dabei geht es nicht nur um die Sehenswürdigkeiten auf der Reise, sondern auch um alltägliche Erfahrungen in den USA und viel persönliche Erlebnisse. Dem einen oder anderen mag dies zuviel des Guten sein. Daher an dieser Stelle eine kleine Vorwarnung. Niemand muss das alles hier lesen. Vielleicht langt es vielen auch, die schönen Bilder als Inspiration sich anzuschauen.

Ich bin seit vielen Jahren großer USA-Fan und bin in der Regel mindestens einmal im Jahr für den Urlaub in die Staaten geflogen – auch, weil ich dort Verwandtschaft habe. Aufgrund von unserem Nachwuchs, den ich nicht den Stress eines Langstreckenfluges als Kleinkind antun wollte und der anschließenden Corona-Pandemie legte ich jedoch zwischen 2015 und 2022 eine mehrjährige USA-Pause ein.

Bereits 2013 hatte ich mit meiner Frau einen ähnlichen Roadtrip von Denver nach Las Vegas (ohne Kalifornien) und zurück unternommen. Die einzigartigen Landschaften des Südwestens hatten mich schon damals so fasziniert, dass ich unbedingt noch einmal dorthin wollte. Ein weiterer wichtiger Grund war, dass ich diese beeindruckende Natur mit ihren vielfältigen Formen und Farben und dem roten Sandstein nun auch meinem mittlerweile 10-jährigen Sohn zeigen wollte.

Die Flugbuchung gestaltete sich aufgrund der Schulpflicht unseres Sohnes und den damit verbundenen starren Ferienzeiten als kleine Herausforderung. Den Hinflug habe ich bereits im Mai 2025 gebucht – noch vor der großen Miles & More Systemumstellung. Aufgrund der maximalen Vorbuchungsfrist bei Lufthansa konnte ich zu diesem Zeitpunkt allerdings nur den Hinflug sichern. Der Rückflug lag im Zeitfenster nach der Systemumstellung und ließ sich vorab nicht kombinieren.

Gebucht wurde der Hinflug als Miles & More Prämienticket im alten, heute leider nicht mehr existierenden „Flex Plus“-Tarif, bei dem man gegen den Einsatz von mehr Meilen die Zuzahlungen drastisch senken konnte. Pro Erwachsenen-Ticket wurden ca. 78.000 Meilen und lediglich rund 30 Schweizer Franken an Zuzahlungen fällig; für das Kinderticket fielen entsprechend weniger Meilen an. Von so geringen Zuzahlungen für einen USA-Flug in der Business Class kann man heute bei Miles & More nur noch träumen.

Der Hinflug: Zürich (ZRH) – Las Vegas (LAS) mit Edelweiss Air

Der Hinflug erfolgte als Direktflug in der Business Class mit Edelweiss Air von Zürich nach Las Vegas. Am Abflugtag herrschte in Zürich bestes Reisewetter mit strahlend blauem Himmel. Zum Einsatz kam ein Airbus A350. Hierbei handelt es sich um eine Maschine, die früher für LATAM flog, danach fünf Jahre auf dem Flugzeugfriedhof in Teruel (Spanien) geparkt war und schließlich von Edelweiss übernommen wurde. Die Kabine ist in der für die Lufthansa-Group typischen 2-2-2 Bestuhlung konfiguriert. Der Service an Bord sowie das Essen und die Auswahl waren absolut gut, da gab es nichts zu beanstanden.

Leider startete der Flug mit einer Stunde Verspätung. Nach dem planmäßigen Boarding und dem Schließen der Flugzeugtüren mussten zwei Passagiere die Maschine wieder verlassen. Bei einer genaueren Überprüfung hatte es offenbar Probleme mit deren ESTA-Einreisegenehmigung für die USA gegeben. Die Passagiere mussten von Bord gehen und ihr Gepäck wieder ausgeladen werden, was zu der einstündigen Verzögerung führte.

Als kleine Besonderheit am Rande: Im Business-Class-Bereich flog ein echter Promi mit – der frühere österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz. Hierbei war deutlich zu merken, dass es einen gewissen „Promi-Bonus“ gibt. Niemand sonst wurde so oft nach weiteren Wünschen gefragt, und er bekam sein Essen mit erheblichem zeitlichen Vorsprung vor allen anderen Passagieren serviert. Das sind dann wohl die Vorzüge des Prominentenstatus. Der Flug selbst verlief ansonsten unspektakulär und ruhig bei gutem Wetter. Kurz vor der Landung konnten wir noch schöne Ausblicke auf den Lake Mead und schließlich auf Las Vegas genießen.


Lake Mead

Einreise in Las Vegas (LAS) & Global Entry Experience

Die Einreise in Las Vegas verlief im Turbogang, da in den Abfertigungshallen extrem wenig Betrieb war. Da wir alle drei Mitglieder bei Global Entry sind, konnten wir direkt den entsprechenden Zugang wählen. Dort gab es keinerlei Warteschlange und wir kamen sofort an die Reihe.

Direkt am Eingang lief ein Mitarbeiter auf uns zu, um zu überprüfen, ob wir auch wirklich Global Entry hätten, da nur dann dieser Durchgang genutzt werden darf. Nach unserem „Ja“ schauten wir alle drei nacheinander in den elektronischen Kiosk – und dachten glücklicherweise daran, vorher die Brillen abzunehmen. Trotz des grünen Bestätigungsvierecks im Bildschirm mussten wir alle beim Grenzbeamten noch einmal unsere Reisepässe vorzeigen.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren wurden wir bei einer Einreise mit Global Entry wieder mit den klassischen Fragen konfrontiert:

  • Was ist der Zweck Ihrer Reise? (Urlaub)
  • Wie lange bleiben Sie?
  • Haben Sie schon ein Hotel für die erste Nacht und wo befindet sich dieses?
  • Wie viel Bargeld führen Sie mit sich?

Bei der Bargeldfrage musste ich kurz überlegen. Wir hatten lediglich etwa 200 Dollar dabei. In den USA läuft das meiste mittlerweile über Kreditkarte, und der Bedarf an Bargeld wird von Urlaub zu Urlaub geringer. Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass ich auf der gesamten Reise gerade einmal 7 Dollar in bar ausgegeben habe – und das ausschließlich für Trinkgelder. Alles andere wurde mit Kreditkarte bezahlt. Es ist wirklich kaum noch notwendig, größere Mengen Bargeld mitzunehmen; jene Orte oder Automaten, die keine Kreditkarte oder nur Münzen akzeptieren, werden definitiv immer seltener.

Trotz der Befragung durch den Officer ging die Einreise sehr schnell. Es wurden Fotos gemacht, auf die Fingerabdrücke wurde diesmal verzichtet, und so waren wir nach insgesamt knapp fünf Minuten offiziell in die USA eingereist.

Mietwagenabholung & Servicequalität

Nach der Einreise steuerten wir den zentralen Shuttlebus zum Mietwagenzentrum an. In Las Vegas gibt es einen einheitlichen Shuttle-Service, der alle Passagiere zum externen Rental Car Terminal bringt. Vor Ort angekommen hatten wir erneut Glück: Keine Schlange bei unserem Anbieter Hertz, wir kamen sofort an die Reihe.

Allerdings erwischten wir eine Mitarbeiterin, die offensichtlich extrem schlecht gelaunt war. Obwohl am Schalter absolut nichts los war, war ihr Gesichtsausdruck alles andere als einladend. Als ich mir nach der Vorlage von Reisepass, Führerschein und Kreditkarte erlaubte anzumerken, dass meine Frau als Zweitfahrer eingetragen werden sollte (da dies im gebuchten ADAC-Tarif inkludiert war), entgegnete sie mir in einem ziemlich harschen Ton, dass sie erst einmal das Fahrzeug erfassen müsse. Einen zweiten Fahrer könne sie jetzt aktuell nicht eintragen, das käme erst später. Der Tonfall war wirklich unterirdisch und man merkte deutlich, dass sie genervt war, weil ich sie in ihrem Ablauf unterbrochen hatte – obwohl mein Hinweis absolut ruhig und sachlich vorgetragen wurde.

Es ist schade, wenn man auf Angestellte trifft, die offensichtlich keinen Spaß an ihrem Job haben. Leider ist das eine Erfahrung, die sich bei uns in den letzten Jahren in den USA häuft und die wir von früher so nicht kannten. Damals waren wir im Vergleich zu Deutschland immer von der ausgeprägten Freundlichkeit im Service begeistert. Diese Serviceorientierung hat in den letzten Jahren in den USA spürbar nachgelassen. Wirklich freundlich wird man oft nur noch dort bedient, wo es direkt um das Trinkgeld geht – wie im Restaurant. An Hotelrezeptionen oder eben bei der Autovermietung trifft man leider immer öfter auf wenig motivierte Mitarbeiter, von denen man kaum noch begrüßt wird. Das war hier leider ein weiteres treffendes Beispiel.

Mietwagenübernahme & Fahrt zum Strip

Ansonsten gestaltete sich die Übernahme des Mietwagens unkompliziert. Leider gab es vor Ort keine Choice Line, sodass wir keine freie Auswahl hatten, sondern uns fest ein Fahrzeug zugeteilt wurde. Gebucht hatten wir einen Midsize SUV und erhielten einen Jeep. Der Zustand war absolut in Ordnung, auch wenn der Wagen zum Zeitpunkt der Übergabe schon rund 32.000 Meilen auf dem Tacho hatte.

Das Wichtigste: Diesmal hatten wir keinen platten Reifen! In den letzten Jahren hatten wir fast bei jedem Mietwagen – egal ob in den USA, im Oman oder in Portugal – das Pech, dass irgendwann die Reifendruck-Warnleuchte anging. Das führte in der Vergangenheit entweder dazu, dass wir das Fahrzeug komplett tauschen mussten, oder dass wir im Urlaub regelmäßig die Tankstelle zum Nachfüllen ansteuern mussten. Da der Druckverlust zum Glück immer minimal war, konnte man zwar problemlos weiterfahren, aber nervig ist es allemal. Diesmal blieb uns das erspart.

Auf dem Weg vom Flughafen in die Innenstadt kommt man zwangsläufig am berühmten „Welcome to Fabulous Las Vegas“-Schild vorbei. Trotz der leisen Bedenken meiner Frau entschied ich mich für einen kurzen Zwischenstopp, obwohl wir dort schon beim letzten Urlaub Fotos gemacht hatten. Die Warteschlange sah auf den ersten Blick gar nicht so lang aus – unter normalen Umständen wären die etwa 25 Personen vor uns in 10 Minuten durch gewesen.

Allerdings hatten wir die Rechnung ohne die „Generation Instagram“ vor uns gemacht. Es wurde nicht einfach nur kurz ein Foto geknipst; stattdessen wurden unendlich viele Bilder aus sämtlichen Perspektiven geschossen, die zwischendurch akribisch auf dem Handy überprüft wurden. Es wurden Outfits gewechselt, jede Person einzeln abgelichtet, dann wieder Gruppenfotos in allen erdenklichen Kombinationen gemacht. Das Ende vom Lied: Wir standen fast eine Stunde vor diesem Schild. Meine Frau war verständlicherweise irgendwann ziemlich stinkig und die Stimmung erst einmal im Keller. Es ist wirklich erstaunlich, dass in der gesamten Schlange niemand auch nur einen Ton sagt oder diese ausschweifenden Fotosessions kommentiert. Die Geduld der Leute ist bemerkenswert. Als Deutscher fällt es einem an dieser Stelle extrem schwer, sich zurückzuhalten und nicht mal ein dezentes „Muss das jetzt wirklich sein?“ einzubringen. Mit etwas mehr Rücksicht wäre man in Nullkommanichts durch gewesen.

Hotel in Las Vegas: Luxus-Gegenwert dank Kreditkarten-Bonus


New New York am Las Vegas Strip

Die Unterkunft für die erste Nacht hatte ich über eine Hilton Honors Punkte gebucht, die ich als Willkommensbonus über meine kostenlose US Hilton-Kreditkarte erhalten hatte.
In Las Vegas hatten wir dieses Mal doppeltes „Pech“ mit den Rahmenbedingungen: Zum einen mussten wir ferienbedingt an einem Samstag anreisen – ohnehin der teuerste Wochentag in Las Vegas. Bei früheren Besuchen haben wir immer darauf geachtet, unter der Woche in der Stadt zu sein, da die Hotelpreise dann deutlich günstiger sind. Zum anderen war der darauffolgende Montag ein Feiertag (Memorial Day Weekend), weshalb Las Vegas wegen des verlängerten Wochenendes extrem gut besucht war. Ich hatte die Preise bis einen Tag vor Anreise beobachtet, um eventuell noch kostenlos zu stornieren, aber es gab kurzfristig keinerlei bessere Raten mehr. Die Auslastung der Hotels war enorm hoch, was sich abends auch auf dem Strip deutlich bemerkte.

Die erste Nacht verbrachten wir im Waldorf Astoria Las Vegas. Hätten wir diese Nacht bar bezahlt, wären rund 800 US-Dollar für uns drei fällig gewesen (natürlich ohne Frühstück). Durch den Einsatz der Hilton-Punkte (über 2 Cent pro Punkt) war der Gegenwert für uns natürlich hervorragend.

Wer jetzt meint, wir hätten es nur krachen lassen im Urlaub: Wir waren auch im Best Western für 99 USD. Nur auf Super 8 und Motel 6 haben wir trotz nostalgischer Erinnerungen an früher, dieses Mal ausgelassen… :joy:

Beim Parken haben wir gespart und das Auto in einem Parkhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite abgestellt. Den Stellplatz hatte ich vorab über die App Spot Hero reserviert, die ich schon im Vorjahr in Miami Beach erfolgreich genutzt hatte. Das funktioniert super: Man kann die Preise vergleichen und den Platz im Vorfeld fest buchen. Was man in Las Vegas allerdings beachten muss: Selbst wenn das Parkhaus direkt gegenüber liegt, hat man immer noch den Strip dazwischen. Mal eben schnell die Straßenseite wechseln ist nicht, da es auf Höhe des Hotels keine Ampel gibt. Wir mussten also erst zur nächsten Fußgängerbrücke laufen, dort den Strip überqueren und auf der anderen Seite wieder zurück zum Hotel laufen. Mit etwa 7 bis 8 Minuten Fußweg war das aber völlig im Rahmen – und mit gerade einmal 20 Dollar für die Nacht deutlich günstiger als das Valet Parking im Hotel, das mit mindestens 50 Dollar zu Buche geschlagen hätte.

Abendprogramm auf dem Strip & Jetlag

Abends stürzten wir uns dann auf den Strip. Es war wirklich brechend voll und es herrschte viel Gedränge. Was mir im Vergleich zu früheren Las-Vegas-Besuchen leider sehr negativ aufgefallen ist: Es stinkt an allen Ecken und Enden. Als Nichtraucher muss ich das so deutlich sagen – überall wird „Gras“ geraucht und man läuft gefühlt von einer dichten Geruchswolke in die nächste. Das war mir letztes Jahr schon in Key West unangenehm aufgefallen, aber auf dem Strip in Vegas ist es mittlerweile wirklich extrem und absolut gang und gäbe.

Ein großer Vorteil war, dass wir auf dem Hinweg im Flugzeug etwas schlafen konnten. Trotz der Zeitverschiebung hielten wir gut durch und sind noch gut vier Stunden über den Strip gelaufen. Unser Weg führte uns vom Hotel aus nach Norden bis zum The Venetian. Das Hotel ist mit seinen Indoor-Gondeln und dem künstlichen Himmel, der einem auch mitten in der Nacht strahlenden Tag vorgaukelt, immer wieder ein Erlebnis.


Gegen 22:00 Uhr war dann aber endgültig „Schicht im Schacht“. Wir sind todmüde zurück ins Hotel und sofort eingeschlafen. Der Jetlag lässt sich eben doch nicht ganz austricksen: Gegen 3:00 oder 4:00 Uhr morgens waren wir alle einmal kurz wach, konnten uns dann aber noch einmal bis halb sieben herumdrehen. Länger hielt es uns dann aber nicht mehr in den Betten – der Morgen war da und ein neuer Tag des Roadtrips konnte beginnen.

Abschied von Vegas, Kreditkarten-Kuriositäten und das Abenteuer Zion National Park

Letzte Runden in Las Vegas & Abschied von der Stadt

Der nächste Tag begann entspannt mit einer Runde im hoteleigenen Pool auf dem Dachgeschoss des Waldorf Astoria. Nach dem Checkout holten wir unser Auto aus dem Parkhaus und steuerten eine echte US-Urlaubstradition in unserer Familie an: Ein Frühstück bei IHOP (=International Haus of Pancakes). Die kalorienreduzierte Kost (siehe Foto) haben wir uns schmecken lassen.

Bevor es endgültig in die Natur ging, machten wir noch zwei kurze Stopps. Zuerst ging es zum neuen Wahrzeichen, der Sphere. Kleiner Tipp: Man sollte sie unbedingt im Dunkeln fotografieren. Tagsüber im Hellen wirkt das Ganze gar nicht so beeindruckend – und je näher man herankommt, desto mehr verliert sich der Effekt. Sie wirkt eigentlich nur aus der Entfernung richtig gut. Danach ging es noch kurz in die Fremont Street, um das alte Las Vegas aufzusaugen. Dank der Überdachung ließ es sich dort trotz der morgendlichen Hitze von bereits rund 30 Grad sehr gut laufen.

Schließlich hatten wir es geschafft: Raus aus der Stadt! Ich kenne viele Roadtripper, die sagen: „Bloß schnell weg aus den Städten und direkt in die Natur.“ Ich bin da etwas zweigeteilt und finde, die Städte gehören irgendwie dazu. Allerdings bin ich als Kleinstadt-Bewohner jedes Mal heilfroh, wenn man die vollen Autobahnen und den dichten Verkehr hinter sich lässt – das verursacht bei mir doch immer leichte Stresswallungen. Vor der endgültigen Abfahrt versuchten wir noch unser Glück im Las Vegas Outlet, aber das war aufgrund des Feiertagswochenendes völlig überlaufen. Nach 10 Minuten Stop-and-go-Schlange im Parkhaus traten wir unverrichteter Dinge die Fahrt zu unserem ersten großen Natur-Highlight an: dem Zion National Park.

Reisephilosophie im Wandel & Hotelbuchung

Alle Hotels für diesen Trip hatte ich komplett im Vorfeld gebucht. Früher – als wir noch kinderlos und außerhalb der Schulferien unterwegs waren – haben wir das nie gemacht. Da wurden traditionell nur Flug und Mietwagen sowie das Hotel für die erste Nacht gebucht, der Rest wurde spontan vor Ort entschieden. Diese Freiheit, einfach dort zu bleiben, wo es einem gefällt, haben wir immer sehr genossen. Wenn man aber in den sozialen Medien die Bilder von den Menschenmassen und kilometerlangen Schlangen an den Nationalpark-Eingängen sieht, wird schnell klar: Spontanität ist heute in der Hauptsaison kaum noch möglich.

Auch unsere Reisephilosophie hat sich verändert. Früher haben wir versucht, in der Kürze der Zeit so viele Sehenswürdigkeiten wie möglich abzuklappern. Das führte dazu, dass man überall nur kurz war und viel Zeit im Auto verbrachte. Heute reduzieren wir das Programm bewusst, bleiben zwei oder drei Nächte an einem Ort, um mehr Zeit für ausgiebige Wanderungen zu haben. Den Grand Canyon haben wir diesmal beispielsweise komplett weggelassen – den hatte ich schon mal gesehen, das reichte. Kleiner Spoiler vorweg: Die Zeit war trotzdem wieder viel zu kurz, um alles zu schaffen, was ich mir vorgenommen hatte.

Kreditkarten-Frust bei Walmart und Hyatt

Bevor es in die Wüste ging, brauchten wir Flüssigkeit. Also steuerten wir den nächsten Walmart an, um uns mit 40 Flaschen à 0,5 Liter Wasser einzudecken.

Wir lieben es, in den USA im Supermarkt auf Entdeckungsreise zu gehen, ob es dort neue Produkte gibt, die es noch nicht nach Europa geschafft haben. Dieses Mal haben wir Nutella Peanut entdeckt (4,89 USD). Wer wissen will, wie es schmeckt: Ganz einfach selber nachmachen. Ein Brot mit Peanut Butter streichen, dann normales Nutella oben drauf. Schon hat man Nutella Peanut selbstgemacht! :drooling_face:

An der Kasse folgte dann die erste handfeste Überraschung für mich als Tech- und Kreditkarten-Fan: Kein „Tap to Pay“ bei Walmart!

Ich hatte mein Portemonnaie im Auto gelassen und wollte bequem mit dem Smartphone via Google Pay bezahlen. Fehlanzeige. Man musste die physische Karte in das Gerät einführen oder durch den Schlitz ziehen. Ausgerechnet die größte Supermarktkette der USA unterstützt anscheinend flächendeckend kein kontaktloses Bezahlen mit dem Handy – wie ich später feststellte, war das kein Einzelfall in dieser Filiale, sondern Standard bei Walmart.

Das sollte aber nicht die einzige Kreditkarten-Überraschung des Tages bleiben. Abends beim Check-in im Hotel in Springdale (dem Vorort zum Zion National Park) das exakt gleiche Phänomen: Kontaktlos ging nicht, ich musste die originale Kreditkarte vorlegen. Aber statt sie in das Chip-Lesegerät zu stecken, bat mich der Mitarbeiter, die Karte zu swipen – also den Magnetstreifen durchzuziehen. Ein Relikt, das man in Europa seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr gemacht hat. Auf meinen amüsierten Kommentar „Old fashion style hier“ lachte der Rezeptionist und meinte, das sei bei Hyatt-Häusern gar nicht so unüblich.

Unterkunft-Tipp: Hyatt Place Springdale / Zion National Park

Untergebracht waren wir im Hyatt Place Springdale. Es war für mich die erste Erfahrung mit dieser Hotelkette, und ich muss sagen: Es war eines der schönsten Hotels des gesamten Urlaubs. Besonders das Frühstück hat uns für amerikanische Verhältnisse komplett überrascht. Statt der üblichen Pappteller und Plastikbecher gab es echtes Mehrweggeschirr. Dazu frischen Obstsalat und eine gute Auswahl. Einziges Manko: Der Kaffee aus der Warmhaltekanne war so dünn, dass man problemlos den Boden der Tasse sehen konnte – klassischer „Bodenseekaffee“, der ging gar nicht.

Ein riesiger Vorteil der Hotels in Springdale ist die Logistik: Man kann das Auto kostenlos am Hotel stehen lassen. Auf der Hauptstraße durch den Ort verkehrt alle 15 bis 20 Minuten ein kostenloser Shuttle-Bus, der einen direkt zum Haupteingang des Zion National Parks bringt. Dort passiert man den Eingang und steigt in die parkinternen Busse um. Das lief absolut reibungslos und entspannt.

Tag 1 im Zion: Wanderungen & Feiertags-Überraschung

Da am Montag der Feiertag (Memorial Day) war, hatten wir uns mental auf das absolute Chaos eingestellt – schließlich haben da alle Amerikaner frei und die Parks sind eigentlich überlaufen. Zu unserer großen Überraschung passierte das Gegenteil: Wir waren innerhalb von fünf Minuten durch den Eingang und mussten an keiner Shuttle-Station warten. Die Massen, vor denen in Instagram-Videos oft gewarnt wird, waren wohl alle am Samstag und Sonntag im Park und traten am Montag bereits wieder die Heimreise an.

An diesem ersten Tag absolvierten wir folgendes Programm:

  • Shuttle bis zum Temple of Sinawava
  • Wanderung vom Temple of Sinawava bis zum Beginn der berühmten Narrows (den River-Walk im Wasser haben wir allerdings ausgelassen, da ich kein Fan von nassen Füßen bin).


The Narrows

  • Anschließend sind wir den Emerald Pool Trail bis hinauf zum Upper Pool gewandert (ca. 1,5 Stunden).

  • Zum Abschluss ging es noch für etwa 2 Stunden auf die Wanderwege unten am Fluss.

Gegen 16:00 Uhr verlangte unser Sohn dann verständlicherweise sein Anrecht auf den Hotel-Swimmingpool, sodass wir den erfolgreichen ersten Wandertag dort gemütlich ausklingen ließen.

Tag 2 im Zion: Die Mutprobe „Angels Landing“ – Eine Grenzerfahrung

Dort oben auf den Felsen geht es vom Tal hinauf.

Für den zweiten Tag stand die berühmt-berüchtigte Wanderung zu Angels Landing auf dem Plan. Um die Massen auf dem extrem schmalen Grat zu regulieren, benötigt man hierfür mittlerweile eine Genehmigung (Permit), die über eine Online-Lotterie (6 Dollar Teilnahmegebühr) verlost wird. Jeder Gewinner darf bis zu sechs Personen mitnehmen. Bei uns hatte unser 10-jähriger Sohn das Losglück – er hat uns also dankenswerterweise mitgenommen, denn der Permit-Inhaber muss beim Ranger-Check am Beginn des Grat-Abschnitts persönlich anwesend sein und sich ausweisen. Die Permits sind strikt nicht übertragbar.

Auf YouTube wird der Weg gerne als „America’s deadliest trail“ bezeichnet. Der erste Teil des Weges führt vom Tal aus in vielen steilen Serpentinen am Fels entlang nach oben zu einem Aussichtspunkt.

Bis dorthin ist der Weg mit normaler Kondition absolut machbar. Das dicke Ende kommt danach: Die sogenannte Chain Section (Ketten-Sektion). Ab hier ist der Weg teilweise nur noch fußbreit, während es links und rechts 500 Meter steil in den Abgrund geht. Man hangelt sich an installierten Eisenketten vorwärts.

Ich habe zwar keine direkte Höhenangst, aber ab einer gewissen Höhe doch enormen Respekt. Ich kannte die Videos im Netz, bei denen einem schon vom Zuschauen schwindelig wird, und sah das Ganze für mich als persönliche Mutprobe. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass meine Frau und mein Sohn sofort abwinken würden – aber Überraschung: Beide wollten den Weg unbedingt gehen.

Am Tag selbst hatten wir herrlichen Sonnenschein, aber oben auf dem Felsplateau pfiff ein so heftiger Wind, dass uns die Ranger empfahlen, die Kappen abzusetzen, damit sie nicht in den Abgrund geweht werden. Das steigerte den Stressfaktor in der prallen Sonne direkt ein wenig.

Wir starteten also alle drei in die Ketten-Sektion. Man kommt nur sehr langsam voran, da ständig Gegenverkehr herrscht und man sich permanent abstimmen muss, wer wen wo vorbeilässt. Würde man diesen Parcours in einer sicheren Turnhalle aufbauen, würde jeder sagen: „Gar kein Problem.“ Wenn es aber links und rechts hunderte Meter senkrecht in die Tiefe geht, setzt nach den ersten Metern unweigerlich das Kopfkino ein.

Wanderer, die uns entgegenkamen, berichteten, dass man für den Hin- und Rückweg auf dem Grat gut 1,5 bis 2 Stunden vollste Konzentration benötigt. Ein falscher Tritt bedeutet hier den sicheren Tod. Auf diesem Trail sind mittlerweile fast 40 Menschen tödlich verunglückt – der letzte tödliche Absturz lag gerade einmal vier Wochen zurück. (Das hatte ich meiner Familie vorab übrigens verschwiegen, weil ich befürchtete, sie würden sonst gar nicht erst losgehen).

Nach etwa 10 Minuten auf dem Grat traf ich eine Entscheidung: Abbruch.

Mir wurde schlagartig klar, dass ich hier als Vater letztendlich mit dem Leben meines Sohnes spiele. Wenn ihm hier etwas passiert wäre, wäre ich meines Lebens nicht mehr froh geworden. Und das alles wofür? Nicht um ein Million zu gewinnen, sondern um einen – zweifellos tollen – Aussichtspunkt zu sehen. Dieses Risiko stand für mich in keinem Verhältnis.

Meine Frau reagierte im ersten Moment mit Unverständnis, mein Sohn war enttäuscht. Wir haben die Entscheidung am Abend noch einmal ausführlich und in Ruhe besprochen, und letztendlich stimmte mir auch meine Frau zu: Es war die einzig vernünftige Entscheidung, auch wenn sie uns in dem Moment schwerfiel. Uns kamen auf dem Weg Familien mit Kindern entgegen, die wir auf maximal 7 oder 8 Jahre geschätzt hätten und die dort entlangliefen, als wäre es nichts. Entweder sind diese Leute extrem sportlich, oder sie schalten den Kopf und das Risikobewusstsein komplett aus.

Eine gewisse Enttäuschung blieb zwar zurück, aber ich bin nach wie vor fest davon überzeugt, dass es für uns als Familie die absolut richtige Entscheidung war.

Nach diesem Adrenalinkick verließen wir den Zion National Park und machten uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel: dem Bryce Canyon National Park…


Im nächsten Teil: Die bizarren Felsnadeln des Bryce Canyon…

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