Ausführlicher Reisebericht: Roadtrip USA (Las Vegas & einige Nationalparks im Südwesten bis Denver)

Reisezeitraum: 23. Mai 2026 bis 7. Juni 2026

Teil I:

Vorbemerkungen & Buchung

Ich habe mich entschieden, dieses Mal einen ausführlichen Reisebericht hier in das Forum zu stellen, der nicht nur Photos beinhaltet, sondern auch viel Text. Dabei geht es nicht nur um die Sehenswürdigkeiten auf der Reise, sondern auch um alltägliche Erfahrungen in den USA und viel persönliche Erlebnisse. Dem einen oder anderen mag dies zuviel des Guten sein. Daher an dieser Stelle eine kleine Vorwarnung. Niemand muss das alles hier lesen. Vielleicht langt es vielen auch, die schönen Bilder als Inspiration sich anzuschauen.

Ich bin seit vielen Jahren großer USA-Fan und bin in der Regel mindestens einmal im Jahr für den Urlaub in die Staaten geflogen – auch, weil ich dort Verwandtschaft habe. Aufgrund von unserem Nachwuchs, den ich nicht den Stress eines Langstreckenfluges als Kleinkind antun wollte und der anschließenden Corona-Pandemie legte ich jedoch zwischen 2015 und 2022 eine mehrjährige USA-Pause ein.

Bereits 2013 hatte ich mit meiner Frau einen ähnlichen Roadtrip von Denver nach Las Vegas (ohne Kalifornien) und zurück unternommen. Die einzigartigen Landschaften des Südwestens hatten mich schon damals so fasziniert, dass ich unbedingt noch einmal dorthin wollte. Ein weiterer wichtiger Grund war, dass ich diese beeindruckende Natur mit ihren vielfältigen Formen und Farben und dem roten Sandstein nun auch meinem mittlerweile 10-jährigen Sohn zeigen wollte.

Die Flugbuchung gestaltete sich aufgrund der Schulpflicht unseres Sohnes und den damit verbundenen starren Ferienzeiten als kleine Herausforderung. Den Hinflug habe ich bereits im Mai 2025 gebucht – noch vor der großen Miles & More Systemumstellung. Aufgrund der maximalen Vorbuchungsfrist bei Lufthansa konnte ich zu diesem Zeitpunkt allerdings nur den Hinflug sichern. Der Rückflug lag im Zeitfenster nach der Systemumstellung und ließ sich vorab nicht kombinieren.

Gebucht wurde der Hinflug als Miles & More Prämienticket im alten, heute leider nicht mehr existierenden „Flex Plus“-Tarif, bei dem man gegen den Einsatz von mehr Meilen die Zuzahlungen drastisch senken konnte. Pro Erwachsenen-Ticket wurden ca. 78.000 Meilen und lediglich rund 30 Schweizer Franken an Zuzahlungen fällig; für das Kinderticket fielen entsprechend weniger Meilen an. Von so geringen Zuzahlungen für einen USA-Flug in der Business Class kann man heute bei Miles & More nur noch träumen.

Der Hinflug: Zürich (ZRH) – Las Vegas (LAS) mit Edelweiss Air

Der Hinflug erfolgte als Direktflug in der Business Class mit Edelweiss Air von Zürich nach Las Vegas. Am Abflugtag herrschte in Zürich bestes Reisewetter mit strahlend blauem Himmel. Zum Einsatz kam ein Airbus A350. Hierbei handelt es sich um eine Maschine, die früher für LATAM flog, danach fünf Jahre auf dem Flugzeugfriedhof in Teruel (Spanien) geparkt war und schließlich von Edelweiss übernommen wurde. Die Kabine ist in der für die Lufthansa-Group typischen 2-2-2 Bestuhlung konfiguriert. Der Service an Bord sowie das Essen und die Auswahl waren absolut gut, da gab es nichts zu beanstanden.

Leider startete der Flug mit einer Stunde Verspätung. Nach dem planmäßigen Boarding und dem Schließen der Flugzeugtüren mussten zwei Passagiere die Maschine wieder verlassen. Bei einer genaueren Überprüfung hatte es offenbar Probleme mit deren ESTA-Einreisegenehmigung für die USA gegeben. Die Passagiere mussten von Bord gehen und ihr Gepäck wieder ausgeladen werden, was zu der einstündigen Verzögerung führte.

Als kleine Besonderheit am Rande: Im Business-Class-Bereich flog ein echter Promi mit – der frühere österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz. Hierbei war deutlich zu merken, dass es einen gewissen „Promi-Bonus“ gibt. Niemand sonst wurde so oft nach weiteren Wünschen gefragt, und er bekam sein Essen mit erheblichem zeitlichen Vorsprung vor allen anderen Passagieren serviert. Das sind dann wohl die Vorzüge des Prominentenstatus. Der Flug selbst verlief ansonsten unspektakulär und ruhig bei gutem Wetter. Kurz vor der Landung konnten wir noch schöne Ausblicke auf den Lake Mead und schließlich auf Las Vegas genießen.


Lake Mead

Einreise in Las Vegas (LAS) & Global Entry Experience

Die Einreise in Las Vegas verlief im Turbogang, da in den Abfertigungshallen extrem wenig Betrieb war. Da wir alle drei Mitglieder bei Global Entry sind, konnten wir direkt den entsprechenden Zugang wählen. Dort gab es keinerlei Warteschlange und wir kamen sofort an die Reihe.

Direkt am Eingang lief ein Mitarbeiter auf uns zu, um zu überprüfen, ob wir auch wirklich Global Entry hätten, da nur dann dieser Durchgang genutzt werden darf. Nach unserem „Ja“ schauten wir alle drei nacheinander in den elektronischen Kiosk – und dachten glücklicherweise daran, vorher die Brillen abzunehmen. Trotz des grünen Bestätigungsvierecks im Bildschirm mussten wir alle beim Grenzbeamten noch einmal unsere Reisepässe vorzeigen.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren wurden wir bei einer Einreise mit Global Entry wieder mit den klassischen Fragen konfrontiert:

  • Was ist der Zweck Ihrer Reise? (Urlaub)
  • Wie lange bleiben Sie?
  • Haben Sie schon ein Hotel für die erste Nacht und wo befindet sich dieses?
  • Wie viel Bargeld führen Sie mit sich?

Bei der Bargeldfrage musste ich kurz überlegen. Wir hatten lediglich etwa 200 Dollar dabei. In den USA läuft das meiste mittlerweile über Kreditkarte, und der Bedarf an Bargeld wird von Urlaub zu Urlaub geringer. Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass ich auf der gesamten Reise gerade einmal 7 Dollar in bar ausgegeben habe – und das ausschließlich für Trinkgelder. Alles andere wurde mit Kreditkarte bezahlt. Es ist wirklich kaum noch notwendig, größere Mengen Bargeld mitzunehmen; jene Orte oder Automaten, die keine Kreditkarte oder nur Münzen akzeptieren, werden definitiv immer seltener.

Trotz der Befragung durch den Officer ging die Einreise sehr schnell. Es wurden Fotos gemacht, auf die Fingerabdrücke wurde diesmal verzichtet, und so waren wir nach insgesamt knapp fünf Minuten offiziell in die USA eingereist.

Mietwagenabholung & Servicequalität

Nach der Einreise steuerten wir den zentralen Shuttlebus zum Mietwagenzentrum an. In Las Vegas gibt es einen einheitlichen Shuttle-Service, der alle Passagiere zum externen Rental Car Terminal bringt. Vor Ort angekommen hatten wir erneut Glück: Keine Schlange bei unserem Anbieter Hertz, wir kamen sofort an die Reihe.

Allerdings erwischten wir eine Mitarbeiterin, die offensichtlich extrem schlecht gelaunt war. Obwohl am Schalter absolut nichts los war, war ihr Gesichtsausdruck alles andere als einladend. Als ich mir nach der Vorlage von Reisepass, Führerschein und Kreditkarte erlaubte anzumerken, dass meine Frau als Zweitfahrer eingetragen werden sollte (da dies im gebuchten ADAC-Tarif inkludiert war), entgegnete sie mir in einem ziemlich harschen Ton, dass sie erst einmal das Fahrzeug erfassen müsse. Einen zweiten Fahrer könne sie jetzt aktuell nicht eintragen, das käme erst später. Der Tonfall war wirklich unterirdisch und man merkte deutlich, dass sie genervt war, weil ich sie in ihrem Ablauf unterbrochen hatte – obwohl mein Hinweis absolut ruhig und sachlich vorgetragen wurde.

Es ist schade, wenn man auf Angestellte trifft, die offensichtlich keinen Spaß an ihrem Job haben. Leider ist das eine Erfahrung, die sich bei uns in den letzten Jahren in den USA häuft und die wir von früher so nicht kannten. Damals waren wir im Vergleich zu Deutschland immer von der ausgeprägten Freundlichkeit im Service begeistert. Diese Serviceorientierung hat in den letzten Jahren in den USA spürbar nachgelassen. Wirklich freundlich wird man oft nur noch dort bedient, wo es direkt um das Trinkgeld geht – wie im Restaurant. An Hotelrezeptionen oder eben bei der Autovermietung trifft man leider immer öfter auf wenig motivierte Mitarbeiter, von denen man kaum noch begrüßt wird. Das war hier leider ein weiteres treffendes Beispiel.

Mietwagenübernahme & Fahrt zum Strip

Ansonsten gestaltete sich die Übernahme des Mietwagens unkompliziert. Leider gab es vor Ort keine Choice Line, sodass wir keine freie Auswahl hatten, sondern uns fest ein Fahrzeug zugeteilt wurde. Gebucht hatten wir einen Midsize SUV und erhielten einen Jeep. Der Zustand war absolut in Ordnung, auch wenn der Wagen zum Zeitpunkt der Übergabe schon rund 32.000 Meilen auf dem Tacho hatte.

Das Wichtigste: Diesmal hatten wir keinen platten Reifen! In den letzten Jahren hatten wir fast bei jedem Mietwagen – egal ob in den USA, im Oman oder in Portugal – das Pech, dass irgendwann die Reifendruck-Warnleuchte anging. Das führte in der Vergangenheit entweder dazu, dass wir das Fahrzeug komplett tauschen mussten, oder dass wir im Urlaub regelmäßig die Tankstelle zum Nachfüllen ansteuern mussten. Da der Druckverlust zum Glück immer minimal war, konnte man zwar problemlos weiterfahren, aber nervig ist es allemal. Diesmal blieb uns das erspart.

Auf dem Weg vom Flughafen in die Innenstadt kommt man zwangsläufig am berühmten „Welcome to Fabulous Las Vegas“-Schild vorbei. Trotz der leisen Bedenken meiner Frau entschied ich mich für einen kurzen Zwischenstopp, obwohl wir dort schon beim letzten Urlaub Fotos gemacht hatten. Die Warteschlange sah auf den ersten Blick gar nicht so lang aus – unter normalen Umständen wären die etwa 25 Personen vor uns in 10 Minuten durch gewesen.

Allerdings hatten wir die Rechnung ohne die „Generation Instagram“ vor uns gemacht. Es wurde nicht einfach nur kurz ein Foto geknipst; stattdessen wurden unendlich viele Bilder aus sämtlichen Perspektiven geschossen, die zwischendurch akribisch auf dem Handy überprüft wurden. Es wurden Outfits gewechselt, jede Person einzeln abgelichtet, dann wieder Gruppenfotos in allen erdenklichen Kombinationen gemacht. Das Ende vom Lied: Wir standen fast eine Stunde vor diesem Schild. Meine Frau war verständlicherweise irgendwann ziemlich stinkig und die Stimmung erst einmal im Keller. Es ist wirklich erstaunlich, dass in der gesamten Schlange niemand auch nur einen Ton sagt oder diese ausschweifenden Fotosessions kommentiert. Die Geduld der Leute ist bemerkenswert. Als Deutscher fällt es einem an dieser Stelle extrem schwer, sich zurückzuhalten und nicht mal ein dezentes „Muss das jetzt wirklich sein?“ einzubringen. Mit etwas mehr Rücksicht wäre man in Nullkommanichts durch gewesen.

Hotel in Las Vegas: Luxus-Gegenwert dank Kreditkarten-Bonus


New New York am Las Vegas Strip

Die Unterkunft für die erste Nacht hatte ich über eine Hilton Honors Punkte gebucht, die ich als Willkommensbonus über meine kostenlose US Hilton-Kreditkarte erhalten hatte.
In Las Vegas hatten wir dieses Mal doppeltes „Pech“ mit den Rahmenbedingungen: Zum einen mussten wir ferienbedingt an einem Samstag anreisen – ohnehin der teuerste Wochentag in Las Vegas. Bei früheren Besuchen haben wir immer darauf geachtet, unter der Woche in der Stadt zu sein, da die Hotelpreise dann deutlich günstiger sind. Zum anderen war der darauffolgende Montag ein Feiertag (Memorial Day Weekend), weshalb Las Vegas wegen des verlängerten Wochenendes extrem gut besucht war. Ich hatte die Preise bis einen Tag vor Anreise beobachtet, um eventuell noch kostenlos zu stornieren, aber es gab kurzfristig keinerlei bessere Raten mehr. Die Auslastung der Hotels war enorm hoch, was sich abends auch auf dem Strip deutlich bemerkte.

Die erste Nacht verbrachten wir im Waldorf Astoria Las Vegas. Hätten wir diese Nacht bar bezahlt, wären rund 800 US-Dollar für uns drei fällig gewesen (natürlich ohne Frühstück). Durch den Einsatz der Hilton-Punkte (über 2 Cent pro Punkt) war der Gegenwert für uns natürlich hervorragend.

Wer jetzt meint, wir hätten es nur krachen lassen im Urlaub: Wir waren auch im Best Western für 99 USD. Nur auf Super 8 und Motel 6 haben wir trotz nostalgischer Erinnerungen an früher, dieses Mal ausgelassen… :joy:

Beim Parken haben wir gespart und das Auto in einem Parkhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite abgestellt. Den Stellplatz hatte ich vorab über die App Spot Hero reserviert, die ich schon im Vorjahr in Miami Beach erfolgreich genutzt hatte. Das funktioniert super: Man kann die Preise vergleichen und den Platz im Vorfeld fest buchen. Was man in Las Vegas allerdings beachten muss: Selbst wenn das Parkhaus direkt gegenüber liegt, hat man immer noch den Strip dazwischen. Mal eben schnell die Straßenseite wechseln ist nicht, da es auf Höhe des Hotels keine Ampel gibt. Wir mussten also erst zur nächsten Fußgängerbrücke laufen, dort den Strip überqueren und auf der anderen Seite wieder zurück zum Hotel laufen. Mit etwa 7 bis 8 Minuten Fußweg war das aber völlig im Rahmen – und mit gerade einmal 20 Dollar für die Nacht deutlich günstiger als das Valet Parking im Hotel, das mit mindestens 50 Dollar zu Buche geschlagen hätte.

Abendprogramm auf dem Strip & Jetlag

Abends stürzten wir uns dann auf den Strip. Es war wirklich brechend voll und es herrschte viel Gedränge. Was mir im Vergleich zu früheren Las-Vegas-Besuchen leider sehr negativ aufgefallen ist: Es stinkt an allen Ecken und Enden. Als Nichtraucher muss ich das so deutlich sagen – überall wird „Gras“ geraucht und man läuft gefühlt von einer dichten Geruchswolke in die nächste. Das war mir letztes Jahr schon in Key West unangenehm aufgefallen, aber auf dem Strip in Vegas ist es mittlerweile wirklich extrem und absolut gang und gäbe.

Ein großer Vorteil war, dass wir auf dem Hinweg im Flugzeug etwas schlafen konnten. Trotz der Zeitverschiebung hielten wir gut durch und sind noch gut vier Stunden über den Strip gelaufen. Unser Weg führte uns vom Hotel aus nach Norden bis zum The Venetian. Das Hotel ist mit seinen Indoor-Gondeln und dem künstlichen Himmel, der einem auch mitten in der Nacht strahlenden Tag vorgaukelt, immer wieder ein Erlebnis.


Gegen 22:00 Uhr war dann aber endgültig „Schicht im Schacht“. Wir sind todmüde zurück ins Hotel und sofort eingeschlafen. Der Jetlag lässt sich eben doch nicht ganz austricksen: Gegen 3:00 oder 4:00 Uhr morgens waren wir alle einmal kurz wach, konnten uns dann aber noch einmal bis halb sieben herumdrehen. Länger hielt es uns dann aber nicht mehr in den Betten – der Morgen war da und ein neuer Tag des Roadtrips konnte beginnen.

Abschied von Vegas, Kreditkarten-Kuriositäten und das Abenteuer Zion National Park

Letzte Runden in Las Vegas & Abschied von der Stadt

Der nächste Tag begann entspannt mit einer Runde im hoteleigenen Pool auf dem Dachgeschoss des Waldorf Astoria. Nach dem Checkout holten wir unser Auto aus dem Parkhaus und steuerten eine echte US-Urlaubstradition in unserer Familie an: Ein Frühstück bei IHOP (=International Haus of Pancakes). Die kalorienreduzierte Kost (siehe Foto) haben wir uns schmecken lassen.

Bevor es endgültig in die Natur ging, machten wir noch zwei kurze Stopps. Zuerst ging es zum neuen Wahrzeichen, der Sphere. Kleiner Tipp: Man sollte sie unbedingt im Dunkeln fotografieren. Tagsüber im Hellen wirkt das Ganze gar nicht so beeindruckend – und je näher man herankommt, desto mehr verliert sich der Effekt. Sie wirkt eigentlich nur aus der Entfernung richtig gut. Danach ging es noch kurz in die Fremont Street, um das alte Las Vegas aufzusaugen. Dank der Überdachung ließ es sich dort trotz der morgendlichen Hitze von bereits rund 30 Grad sehr gut laufen.

Schließlich hatten wir es geschafft: Raus aus der Stadt! Ich kenne viele Roadtripper, die sagen: „Bloß schnell weg aus den Städten und direkt in die Natur.“ Ich bin da etwas zweigeteilt und finde, die Städte gehören irgendwie dazu. Allerdings bin ich als Kleinstadt-Bewohner jedes Mal heilfroh, wenn man die vollen Autobahnen und den dichten Verkehr hinter sich lässt – das verursacht bei mir doch immer leichte Stresswallungen. Vor der endgültigen Abfahrt versuchten wir noch unser Glück im Las Vegas Outlet, aber das war aufgrund des Feiertagswochenendes völlig überlaufen. Nach 10 Minuten Stop-and-go-Schlange im Parkhaus traten wir unverrichteter Dinge die Fahrt zu unserem ersten großen Natur-Highlight an: dem Zion National Park.

Reisephilosophie im Wandel & Hotelbuchung

Alle Hotels für diesen Trip hatte ich komplett im Vorfeld gebucht. Früher – als wir noch kinderlos und außerhalb der Schulferien unterwegs waren – haben wir das nie gemacht. Da wurden traditionell nur Flug und Mietwagen sowie das Hotel für die erste Nacht gebucht, der Rest wurde spontan vor Ort entschieden. Diese Freiheit, einfach dort zu bleiben, wo es einem gefällt, haben wir immer sehr genossen. Wenn man aber in den sozialen Medien die Bilder von den Menschenmassen und kilometerlangen Schlangen an den Nationalpark-Eingängen sieht, wird schnell klar: Spontanität ist heute in der Hauptsaison kaum noch möglich.

Auch unsere Reisephilosophie hat sich verändert. Früher haben wir versucht, in der Kürze der Zeit so viele Sehenswürdigkeiten wie möglich abzuklappern. Das führte dazu, dass man überall nur kurz war und viel Zeit im Auto verbrachte. Heute reduzieren wir das Programm bewusst, bleiben zwei oder drei Nächte an einem Ort, um mehr Zeit für ausgiebige Wanderungen zu haben. Den Grand Canyon haben wir diesmal beispielsweise komplett weggelassen – den hatte ich schon mal gesehen, das reichte. Kleiner Spoiler vorweg: Die Zeit war trotzdem wieder viel zu kurz, um alles zu schaffen, was ich mir vorgenommen hatte.

Kreditkarten-Frust bei Walmart und Hyatt

Bevor es in die Wüste ging, brauchten wir Flüssigkeit. Also steuerten wir den nächsten Walmart an, um uns mit 40 Flaschen à 0,5 Liter Wasser einzudecken.

Wir lieben es, in den USA im Supermarkt auf Entdeckungsreise zu gehen, ob es dort neue Produkte gibt, die es noch nicht nach Europa geschafft haben. Dieses Mal haben wir Nutella Peanut entdeckt (4,89 USD). Wer wissen will, wie es schmeckt: Ganz einfach selber nachmachen. Ein Brot mit Peanut Butter streichen, dann normales Nutella oben drauf. Schon hat man Nutella Peanut selbstgemacht! :drooling_face:

An der Kasse folgte dann die erste handfeste Überraschung für mich als Tech- und Kreditkarten-Fan: Kein „Tap to Pay“ bei Walmart!

Ich hatte mein Portemonnaie im Auto gelassen und wollte bequem mit dem Smartphone via Google Pay bezahlen. Fehlanzeige. Man musste die physische Karte in das Gerät einführen oder durch den Schlitz ziehen. Ausgerechnet die größte Supermarktkette der USA unterstützt anscheinend flächendeckend kein kontaktloses Bezahlen mit dem Handy – wie ich später feststellte, war das kein Einzelfall in dieser Filiale, sondern Standard bei Walmart.

Das sollte aber nicht die einzige Kreditkarten-Überraschung des Tages bleiben. Abends beim Check-in im Hotel in Springdale (dem Vorort zum Zion National Park) das exakt gleiche Phänomen: Kontaktlos ging nicht, ich musste die originale Kreditkarte vorlegen. Aber statt sie in das Chip-Lesegerät zu stecken, bat mich der Mitarbeiter, die Karte zu swipen – also den Magnetstreifen durchzuziehen. Ein Relikt, das man in Europa seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr gemacht hat. Auf meinen amüsierten Kommentar „Old fashion style hier“ lachte der Rezeptionist und meinte, das sei bei Hyatt-Häusern gar nicht so unüblich.

Unterkunft-Tipp: Hyatt Place Springdale / Zion National Park

Untergebracht waren wir im Hyatt Place Springdale. Es war für mich die erste Erfahrung mit dieser Hotelkette, und ich muss sagen: Es war eines der schönsten Hotels des gesamten Urlaubs. Besonders das Frühstück hat uns für amerikanische Verhältnisse komplett überrascht. Statt der üblichen Pappteller und Plastikbecher gab es echtes Mehrweggeschirr. Dazu frischen Obstsalat und eine gute Auswahl. Einziges Manko: Der Kaffee aus der Warmhaltekanne war so dünn, dass man problemlos den Boden der Tasse sehen konnte – klassischer „Bodenseekaffee“, der ging gar nicht.

Ein riesiger Vorteil der Hotels in Springdale ist die Logistik: Man kann das Auto kostenlos am Hotel stehen lassen. Auf der Hauptstraße durch den Ort verkehrt alle 15 bis 20 Minuten ein kostenloser Shuttle-Bus, der einen direkt zum Haupteingang des Zion National Parks bringt. Dort passiert man den Eingang und steigt in die parkinternen Busse um. Das lief absolut reibungslos und entspannt.

Tag 1 im Zion: Wanderungen & Feiertags-Überraschung

Da am Montag der Feiertag (Memorial Day) war, hatten wir uns mental auf das absolute Chaos eingestellt – schließlich haben da alle Amerikaner frei und die Parks sind eigentlich überlaufen. Zu unserer großen Überraschung passierte das Gegenteil: Wir waren innerhalb von fünf Minuten durch den Eingang und mussten an keiner Shuttle-Station warten. Die Massen, vor denen in Instagram-Videos oft gewarnt wird, waren wohl alle am Samstag und Sonntag im Park und traten am Montag bereits wieder die Heimreise an.

An diesem ersten Tag absolvierten wir folgendes Programm:

  • Shuttle bis zum Temple of Sinawava
  • Wanderung vom Temple of Sinawava bis zum Beginn der berühmten Narrows (den River-Walk im Wasser haben wir allerdings ausgelassen, da ich kein Fan von nassen Füßen bin).


The Narrows

  • Anschließend sind wir den Emerald Pool Trail bis hinauf zum Upper Pool gewandert (ca. 1,5 Stunden).

  • Zum Abschluss ging es noch für etwa 2 Stunden auf die Wanderwege unten am Fluss.

Gegen 16:00 Uhr verlangte unser Sohn dann verständlicherweise sein Anrecht auf den Hotel-Swimmingpool, sodass wir den erfolgreichen ersten Wandertag dort gemütlich ausklingen ließen.

Tag 2 im Zion: Die Mutprobe „Angels Landing“ – Eine Grenzerfahrung

Dort oben auf den Felsen geht es vom Tal hinauf.

Für den zweiten Tag stand die berühmt-berüchtigte Wanderung zu Angels Landing auf dem Plan. Um die Massen auf dem extrem schmalen Grat zu regulieren, benötigt man hierfür mittlerweile eine Genehmigung (Permit), die über eine Online-Lotterie (6 Dollar Teilnahmegebühr) verlost wird. Jeder Gewinner darf bis zu sechs Personen mitnehmen. Bei uns hatte unser 10-jähriger Sohn das Losglück – er hat uns also dankenswerterweise mitgenommen, denn der Permit-Inhaber muss beim Ranger-Check am Beginn des Grat-Abschnitts persönlich anwesend sein und sich ausweisen. Die Permits sind strikt nicht übertragbar.

Auf YouTube wird der Weg gerne als „America’s deadliest trail“ bezeichnet. Der erste Teil des Weges führt vom Tal aus in vielen steilen Serpentinen am Fels entlang nach oben zu einem Aussichtspunkt.

Bis dorthin ist der Weg mit normaler Kondition absolut machbar. Das dicke Ende kommt danach: Die sogenannte Chain Section (Ketten-Sektion). Ab hier ist der Weg teilweise nur noch fußbreit, während es links und rechts 500 Meter steil in den Abgrund geht. Man hangelt sich an installierten Eisenketten vorwärts.

Ich habe zwar keine direkte Höhenangst, aber ab einer gewissen Höhe doch enormen Respekt. Ich kannte die Videos im Netz, bei denen einem schon vom Zuschauen schwindelig wird, und sah das Ganze für mich als persönliche Mutprobe. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass meine Frau und mein Sohn sofort abwinken würden – aber Überraschung: Beide wollten den Weg unbedingt gehen.

Am Tag selbst hatten wir herrlichen Sonnenschein, aber oben auf dem Felsplateau pfiff ein so heftiger Wind, dass uns die Ranger empfahlen, die Kappen abzusetzen, damit sie nicht in den Abgrund geweht werden. Das steigerte den Stressfaktor in der prallen Sonne direkt ein wenig.

Wir starteten also alle drei in die Ketten-Sektion. Man kommt nur sehr langsam voran, da ständig Gegenverkehr herrscht und man sich permanent abstimmen muss, wer wen wo vorbeilässt. Würde man diesen Parcours in einer sicheren Turnhalle aufbauen, würde jeder sagen: „Gar kein Problem.“ Wenn es aber links und rechts hunderte Meter senkrecht in die Tiefe geht, setzt nach den ersten Metern unweigerlich das Kopfkino ein.

Wanderer, die uns entgegenkamen, berichteten, dass man für den Hin- und Rückweg auf dem Grat gut 1,5 bis 2 Stunden vollste Konzentration benötigt. Ein falscher Tritt bedeutet hier den sicheren Tod. Auf diesem Trail sind mittlerweile fast 40 Menschen tödlich verunglückt – der letzte tödliche Absturz lag gerade einmal vier Wochen zurück. (Das hatte ich meiner Familie vorab übrigens verschwiegen, weil ich befürchtete, sie würden sonst gar nicht erst losgehen).

Nach etwa 10 Minuten auf dem Grat traf ich eine Entscheidung: Abbruch.

Mir wurde schlagartig klar, dass ich hier als Vater letztendlich mit dem Leben meines Sohnes spiele. Wenn ihm hier etwas passiert wäre, wäre ich meines Lebens nicht mehr froh geworden. Und das alles wofür? Nicht um ein Million zu gewinnen, sondern um einen – zweifellos tollen – Aussichtspunkt zu sehen. Dieses Risiko stand für mich in keinem Verhältnis.

Meine Frau reagierte im ersten Moment mit Unverständnis, mein Sohn war enttäuscht. Wir haben die Entscheidung am Abend noch einmal ausführlich und in Ruhe besprochen, und letztendlich stimmte mir auch meine Frau zu: Es war die einzig vernünftige Entscheidung, auch wenn sie uns in dem Moment schwerfiel. Uns kamen auf dem Weg Familien mit Kindern entgegen, die wir auf maximal 7 oder 8 Jahre geschätzt hätten und die dort entlangliefen, als wäre es nichts. Entweder sind diese Leute extrem sportlich, oder sie schalten den Kopf und das Risikobewusstsein komplett aus.

Eine gewisse Enttäuschung blieb zwar zurück, aber ich bin nach wie vor fest davon überzeugt, dass es für uns als Familie die absolut richtige Entscheidung war.

Nach diesem Adrenalinkick verließen wir den Zion National Park und machten uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel: dem Bryce Canyon National Park…


Im nächsten Teil: Die bizarren Felsnadeln des Bryce Canyon…

Vom Red Canyon über den Bryce Canyon nach Page: State Parks, Einsamkeit & Hotel-Kuriositäten

Verpflegung unterwegs & Trinkgeld-Kultur

Nach dem Zion National Park stand als nächstes der weltberühmte Bryce Canyon National Park auf dem Programm. Da es bei der Abfahrt schon spät am Abend war und sich der Hunger meldete, legten wir unterwegs einen Stopp ein. Die Gegend dort ist extrem dünn besiedelt: Kaum Ortschaften und kaum die typischen Fast-Food-Ketten. Sehr zum Leidwesen meiner Frau und meines Sohnes – beides glühende „Blizzard“-Fans – fehlte auch weit und breit ein Dairy Queen.

Auf diesem Roadtrip haben wir neben klassischen Restaurants und Fast Food eine dritte Alternative für uns entdeckt: Foodtrucks. Die stehen in den USA häufig an Highways oder am Straßenrand kleinerer Ortschaften. Wir haben damit mehrfach hervorragende Erfahrungen gemacht: Geschmacklich top und preislich eine echte Alternative zum klassischen Restaurantbesuch, bei dem man ja immer noch das üppige Trinkgeld einkalkulieren muss.

Natürlich suggerieren die Zahlungs-Terminals auch an Foodtrucks per Touchscreen gerne mal sportliche Trinkgeld-Vorschläge. Ich habe dazu aber eine relativ feste Haltung, bei der ich mich an meiner Verwandtschaft in den USA orientiere: Im Restaurant mit Service am Tisch gibt man selbstverständlich Trinkgeld. Wenn ich mir mein Essen oder ein simples Getränk jedoch selbst am Tresen hole, gebe ich standardmäßig kein Trinkgeld – nur weil das Terminal 20 % vorschlägt. Da müssen schon besondere Umstände hinzukommen, wie außergewöhnlich freundlicher Service. Einfach nur für die Ausgabe einer Dose ein fettes Trinkgeld draufzuschlagen, macht auch von den Einheimischen in meinem Bekanntenkreis niemand, und damit fahren wir sehr gut.

Über den Red Canyon zum Bryce Canyon

Auf der Fahrt zum Bryce Canyon fiel uns auf, dass am Straßenrand in regelmäßigen Abständen von wenigen Kilometern mindestens zwölf tote Rehe bzw. Hirsche lagen. Sie waren trotz der Hitze noch nicht verwest, aber es wundert einen schon, warum dort so viele Kadaver liegen bleiben, ohne weggeräumt zu werden – das kennt man aus Deutschland so definitiv nicht.

Kurz vor dem Bryce Canyon passiert man den Red Canyon mit seinen ikonischen Felsentunneln, durch die der Highway führt (Foto hänge ich an).

Eigentlich ist es fast schon schade, wie wenig Zeit man dort verbringt. Würde dieser Canyon in Europa liegen, wäre er die absolute Hauptattraktion und alle würden dorthin stürmen. Im Schatten des übermächtigen Bryce Canyon dient er meist nur als schöner Vorgeschmack. Solche kleineren Spots haben allerdings einen riesigen Vorteil: Sie sind deutlich weniger überlaufen.

Hotel am Bryce Canyon & Zimmerwünsche

Direkt am Bryce Canyon gibt es nur sehr begrenzte Übernachtungsmöglichkeiten – im Wesentlichen zwei Hotels. Wir sind zufällig im selben Hotel untergekommen wie bei unserem Roadtrip vor 13 Jahren: dem Best Western Plus Ruby’s Inn. Bei der Buchung war mir das gar nicht so bewusst; erst als wir morgens in dem riesigen Frühstückssaal mit den hohen Holzdecken saßen, kam die Erinnerung schlagartig zurück.

Ein kleiner Dämpfer zum Thema Sonderwünsche bei Hotelbuchungen: Ich hatte vorab den gängigen Tipp befolgt, einen Tag vor Anreise per E-Mail bzw. Anruf mein Zimmerfenster abzustimmen. Meine Präferenz: Immer gerne Upstairs (obere Etagen sind meist in besserem Zustand, da viele Amerikaner wegen des Gepäcks und kurzer Wege zum Auto das Erdgeschoss bevorzugen) und bloß nicht neben der Eismaschine. Wenn man das Zimmer direkt neben so einer Höllenmaschine hat, die Tag und Nacht lärmt, hat man sprichwörtlich die A-Karte gezogen.

Am Telefon und per E-Mail wurde mir vorher freundlich bestätigt: „Kein Problem, machen wir gerne.“ Vor Ort beim Check-in wusste natürlich wieder kein Mensch etwas von Mails oder Telefonaten und nichts war hinterlegt. Es ist immer wieder schade, wenn Zusagen im Vorfeld am Check-In einfach verpuffen.

Wanderungen im Bryce Canyon

Die Temperaturen im Bryce Canyon waren wie gewohnt deutlich kühler als im Zion – der Park liegt schließlich auf über 2.400 Metern Höhe. Uns empfing ein unangenehm zugiger, kalter Wind. Bei unserem letzten Besuch Ende Mai hatten wir hier regelrecht gefroren; ganz so schlimm war es diesmal nicht, aber der Wind pfiff ordentlich.

Trotzdem zogen wir das klassische Pflichtprogramm durch: Die Kombination aus dem Queens Garden Trail und der Navajo Loop. Das ist die beliebteste Runde (ca. 2 bis 3 Stunden reine Gehzeit). Die bizarren Felsformationen (Hoodoos) und die leuchtenden Farben sind und bleiben einfach absolut faszinierend.




State Parks & Geheimtipps auf dem Weg nach Page

Vom Bryce Canyon ging es weiter in Richtung Kanab und Page. Unterwegs machten wir einen kurzen Stopp am Belly of the Dragon – streng genommen kein Naturwunder, sondern ein von Menschenhand geschaffener Abwassertunnel unter dem Highway, aber ein witziger Fotostopp.

Danach bogen wir in den Coral Pink Sand Dunes State Park ab. Ich kann jedem nur empfehlen, auch die State Parks anzusteuern: Sie bieten oft spektakuläre Natur und sind bei weitem nicht so überrannt wie die Nationalparks.
Hinweis: Der normale Nationalpark-Pass (America the Beautiful) gilt hier nicht; der Eintritt kostete 10 bzw. 12 Dollar, die aber hervorragend angelegt waren. Der Park diente übrigens auch als Drehort für die HBO-Serie Westworld. Das Hochkraxeln auf den riesigen Sanddünen ist extrem schweißtreibend, macht aber Laune.


Exkurs zum Nationalpark-Pass: Meinen America the Beautiful Pass hatte ich noch im Dezember 2025 regulär für 80 Dollar gekauft – also noch vor der Trump Preiserhöhung für Ausländer . Als Jurist habe ich darauf vertraut, dass das Kaufdatum gilt. Der Pass wurde während der gesamten Reise an allen Nationalpark-Stationen völlig anstandslos akzeptiert.

Kanab diente uns nur als Durchgangsstation, denn das eigentliche Basislager für die nächsten Tage sollte Page in Arizona sein. Auf dem Weg dorthin hielten wir an der Nautilus Wave. Diese Felsformation wurde erst vor einigen Jahren bekannter. Das Geniale: Wir waren mutterseelenallein vor Ort! Nach dem Trubel in den Nationalparks war es herrlich, einen solchen Ort komplett für sich zu haben. Da wir niemanden störten, konnte ich dort auch ganz legal die Drohne steigen lassen (in Nationalparks ist das ja glücklicherweise streng verboten, da man sonst nur noch ein Surren über dem Kopf hätte).

Obwohl das Thermometer mittlerweile stramm über die 30-Grad-Marke kletterte und das Laufen ohne Schatten anstrengend wurde, schoben wir im Anschluss noch eine kurze Wanderung zu den Toadstool Hoodoos ein.


Punkte-Einlösung in Page & skurriler Zimmerservice

In Page hatten wir ein Hotel für drei Nächte gebucht. Hier konnte ich einen hervorragenden Punkte-Deal nutzen: Vor ein paar Monaten gab es einen Punkte-Sale bei Wyndham Rewards (danke an Travel-Dealz für den Hinweis!). Ich kaufte die benötigten Punkte mit Rabatt und buchte damit das relativ neue La Quinta by Wyndham Page at Lake Powell.

  • Kosten mit gekauften Punkten: ca. 300 USD für 3 Nächte
  • Regulärer Cash-Preis: ca. 625 USD
  • Ersparnis: Satte 325 USD!

Allerdings gab es im Hotel zwei echte Kuriositäten:

  1. Der verweigerte Zimmerservice: Tägliche Zimmerreinigung ist in den USA ja ohnehin kein Selbstläufer mehr. Am ersten Tag klopfte das Housekeeping bereits um 8:15 Uhr an – da wir noch im Zimmer waren, hängten wir das „Do Not Disturb“-Schild raus. Damit war die Chance auf Reinigung für den Tag natürlich vertan.
    Am zweiten Tag waren wir frühmorgens aus dem Haus. Als wir abends zurückkamen, war das Bett jedoch komplett ungemacht! An der Rezeption fragte man mich direkt: „Haben Sie ein Kleidungsstück – zum Beispiel ein Schlafanzugteil – auf dem Bett liegen lassen?“ Als ich das bejahte, erklärte mir die Dame allen Ernstes, dass dies die strikte Arbeitsanweisung sei: Sobald persönliche Gegenstände auf dem Bett liegen, darf das Bett aus Hygienegründen nicht angerührt und somit nicht gemacht werden. Dass man Kleidung im Urlaub mal aufs Bett legt, ist ja das Normalste der Welt. Das Bad wurde übrigens anstandslos geputzt – obwohl dort mein Deo / Zahnbürste herumstanden und auch zum Putzen bei Seite geräumt wurden . Absurd!
  2. Die Kreditkarten-Abrechnung: Kurz vor dem Checkout warf ich einen Blick in meine Banking-App. Obwohl der Aufenthalt vollständig mit Punkten vorausbezahlt war, wurde mir die erste Nacht tatsächlich schon fest auf der Kreditkarte belastet und weitere Beträge geblockt. An der Rezeption konnte man sich das zunächst nicht erklären, meinte nach einem Telefonat aber, das werde bei Punktebuchungen im Nachgang automatisch korrigiert. Ich ließ mir zur Sicherheit den Namen notieren. Tatsächlich waren 2–3 Tage später die Beträge wieder gutgeschrieben – ob das ohne meine Nachfrage auch so reibungslos geklappt hätte, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Im nächsten Teil: Unser Versuch bei der Wave-Lotterie und die Highlights rund um Page…

Der Jackpot in der Wüste: Wie wir ein Permit für „The Wave“ ergatterten

Das Vergabesystem für „The Wave“ (Coyote Buttes North)

Die weltbekannte Felsformation The Wave (offiziell: Coyote Buttes North in der Paria Canyon-Vermilion Cliffs Wilderness) kennt wohl fast jeder von Bildschirmschonern oder Werbeprospekten für moderne Displays – die wellenförmigen Sandsteinschichten und intensiven Farben sind legendär. Kurzer Spoiler vorweg: Die Farben sind in natura wirklich absolut atemberaubend!

Um die empfindliche Natur zu schützen, vergibt das Bureau of Land Management (BLM) die Genehmigungen (Permits) extrem restriktiv:

  • Kapazität: Nur 16 Permits bzw. maximal 64 Personen pro Tag dürfen hinein.
  • Online-Lotterie (3 Monate im Voraus): Hierüber werden 12 der 16 Permits verlost (über recreation.gov). Bei rund 200.000 jährlichen Bewerbern stehen die statistischen Chancen allerdings verschwindend gering. Ich hatte es vor Jahren schon erfolglos probiert.
  • Daily Lottery (2 Tage im Voraus): Die restlichen 4 Permits werden kurzfristig verlost. Um überhaupt an dieser Verlosung teilnehmen zu können, muss man sich physisch im sogenannten Geofence-Bereich (ca. 50 Meilen Umkreis um The Wave) befinden. Dies wird per Smartphone via GPS-Standortabfrage überprüft.

Genau aus diesem Grund hatten wir drei Nächte in Page eingeplant. Die tägliche Lotterie endet strikt um 18:00 Uhr.

Vorsicht Falle bei der Zeitzone: Die beiden Hauptorte im Zulassungsbereich sind Kanab (Utah) und Page (Arizona). Utah nutzt Mountain Daylight Time (MDT), während Arizona die Sommerzeit nicht mitmacht und auf Mountain Standard Time (MST) bleibt. Man muss höllisch aufpassen, sich nicht um eine Stunde zu vertun!

Lotterie-Stress und das E-Mail-Wunder

Am Tag unserer Ankunft in Page fiel meiner Frau das Thema glücklicherweise wieder ein – ein Blick auf die Uhr: 17:45 Uhr! Für den Hotel-Check-in war keine Zeit mehr. Wir hielten hastig vor dem Hotel an und gaben über Smartphone und Laptop parallel im Auto die Anträge ab. Bei der Lotterie zahlt man pro Person 6 USD Teilnahmegebühr. Da jeder Gewinner seine Gruppe auf dem Permit mitnehmen kann, reichten wir alle drei eine Einzelbewerbung ein, um die Chancen zu verdreifachen (wichtig: der Gewinner muss zwingend persönlich mitwandern; Weitergabe oder Verkauf sind ausgeschlossen). Rund eine Stunde später folgten dann pünktlich drei Absagen per Mail.

Am nächsten Morgen machten wir nach dem Frühstück entspannt den nächsten Versuch für den Folgetag. Statistisch gesehen rechnete ich mir eigentlich kaum Hoffnungen aus. Am Abend trudelten dann die E-Mails ein:

  • E-Mail 1: Absage.
  • E-Mail 2: Absage.
  • E-Mail 3: „Congratulations!“

Meine Frau hatte tatsächlich das Permit gewonnen! Die Freude war grenzenlos, ich bin regelrecht durchs Hotelzimmer gehüpft – ich konnte es kaum fassen, dass wir diesen Sehnsuchtsort nun wirklich betreten durften.

Die bürokratischen Hürden & das Sicherheitsbriefing

Nach dem Gewinn muss man innerhalb von 12 Stunden (bis zum nächsten Morgen um 8:00 Uhr) die Annahme online bestätigen und die eigentliche Permit-Gebühr (ca. 6 USD p. P.) bezahlen. Anschließend ist die persönliche Teilnahme am Sicherheitsbriefing Pflicht – entweder in Kanab oder in Page.

Wir waren um 8:30 Uhr bei der Ranger-Station in Page. Außer uns war an diesem Vormittag nur ein weiteres Paar anwesend. Wir kamen auf Englisch ins Gespräch; der Mann erzählte, er habe vor Jahren schon einmal gewonnen. Als er unseren Akzent bemerkte, meinte er grinsend: „Wir können auch Deutsch sprechen!“ Er stammte ursprünglich aus Frankfurt, lebte seit Jahren in den USA und war mit seiner amerikanischen Partnerin unterwegs.

Beim Sicherheitsbriefing wird der Trail sehr dramatisch dargestellt: Hohe Lebensgefahr, Verdursten, Orientierungslosigkeit. Es wird dringend verlangt, mindestens 4 Liter Wasser pro Person mitzuführen. Bei Temperaturen jenseits der 30 Grad und einer Strecke mit 99 % praller Sonne ohne jeglichen Schatten ist das absolut berechtigt – zumal manche Touristen ohne solche Warnungen vermutlich in Flip-Flops losziehen würden.

Man erhält:

  1. Das physische Permit, das mittels integrierter Öse gut sichtbar außen am Rucksack befestigt werden muss, damit die Ranger schon aus der Ferne die Gültigkeit prüfen können.
  2. Ein detailliertes Foto-Handout zur Orientierung. Im Gelände gibt es bewusst so gut wie keine Wegweiser oder markierten Pfade; man navigiert optisch anhand markanter Felsformationen und Geländepunkte.

Das Erlebnis: Ein absolutes Privileg

Da die Höchstwerte für unseren Wandertag mit angenehmen 27–28 Grad gemeldet waren, verwarfen wir den Rat, schon um 4:00 Uhr morgens zu starten. Wir fuhren um 6:00 Uhr am Hotel ab, waren nach rund einer Stunde am Trailhead und starteten gegen 7:00 Uhr die Wanderung.

Im Nachhinein war das die perfekte Entscheidung: Zur Mittagszeit ist die Wave nahezu schattenfrei! Wer frühmorgens oder am späten Nachmittag dort ist, hat riesige Schlagschatten im Felskessel, was für Fotos eher suboptimal ist.

Die gesamte Wanderung (ca. 10–12 km hin und zurück) verlief problemlos. Als wir im Hauptkessel ankamen, waren außer uns gerade einmal 7 bis 8 Personen dort. Man konnte sich bei den Fotospots ganz entspannt abstimmen, ohne dass jemand durchs Bild lief. Vor Ort wird einem sofort klar, warum der Zugang so streng reglementiert ist: Die feinen Sandsteinkanten und empfindlichen Lamellen würden dem Ansturm von tausenden täglichen Besuchern in kürzester Zeit zum Opfer fallen.


Wir unterhielten uns vor Ort noch ausführlich mit dem Ranger, der dort einmal im Monat ehrenamtlich die Kontrollen durchführt. Er erzählte uns, wie streng die Regeln gehandhabt werden – er dürfe nicht einmal seine eigene Frau auf diese Dienstgänge mitnehmen. Auf meine Frage, wie viele Leute ohne Genehmigung erwischt würden, meinte er, das käme extrem selten vor. Er brachte es auf den Punkt: „It’s an absolute privilege to see.“ Und genau so hat es sich angefühlt: Ein echtes Privileg.




Gescheiterter Abstecher: Die Suche nach den Wahweap Hoodoos

Gegen 14:00 Uhr waren wir zurück am Ausgangspunkt. Da wir noch fit waren, wollten wir einen Abstecher zu den Wahweap Hoodoos machen – faszinierende weiße Felsnadeln, die ich schon von einer früheren Reise kannte.

Damals gab es den Trail noch nicht online, man musste sich die Routenbeschreibung auf Papier in der Ranger Station holen (die Karte besitze ich heute noch). Leider hatte meine Frau damals während des Urlaubs auf der Digitalkamera versehentlich die Sicherheitsabfrage „Alle Fotos löschen?“ mit „Ja“ bestätigt, weshalb wir von damals keine Bilder mehr hatten.

Ich hatte im Netz von einer alternativen Route über eine Schotterpiste von Norden gelesen, die den sonst 3- bis 4-stündigen Fußmarsch durch ein trockenes Flussbett erheblich abkürzt. Da wir einen SUV hatten, wagten wir den Versuch auf der Piste. Allerdings mussten wir nach etwa 8 der 12 Kilometer kapitulieren: Durch vorangegangene Regenfälle waren die ausgetrockneten Bachläufe (Washes) tief ausgewaschen. Unser Miet-Jeep hatte dafür schlicht zu wenig Bodenfreiheit – wir wären mit der Frontschürze unweigerlich hart aufgesetzt. Selbst der Versuch, die tiefste Rinne mit Steinen aufzuschütten, half nichts. Vernunft ging vor: Wir mussten umdrehen.


Im nächsten Teil: Die Highlights rund um den Lake Powell und die Weiterreise in Richtung Colorado…

Von Page nach Moab: Fotospots, State Parks & die Parkgebühren-Falle bei Hilton

Horseshoe Bend & Instagram-Enttäuschung in Page

Wenn man in Page ist, gehört der kurze Abstecher zum weltbekannten Horseshoe Bend natürlich zum Pflichtprogramm für das klassische Weitwinkel-Foto.

Auch hier zeigten sich drastische Veränderungen im Vergleich zu unserem ersten Besuch im Jahr 2013: Damals parkte man noch auf einem simplen, unbefestigten Schotterplatz und lief über eine staubige Piste vor zu den Klippen. Heute ist das Ganze komplett durchkommerzialisiert mit asphaltierten Großparkplätzen, Kassenhäuschen und einer saftigen Parkgebühr von mittlerweile 10 US-Dollar.

Eine absolute Enttäuschung war dagegen ein Spot, der mir auf Instagram permanent als „Must-See“ vorgeschlagen wurde: die sogenannte „Shell Station Cave“ nahe der Shell-Tankstelle in Page. Warum man dorthin fahren sollte, hat sich mir vor Ort beim besten Willen nicht erschlossen. Es war derart unspektakulär und ernüchternd, dass ich nicht einmal die Kamera gezückt habe. Die Bilder und Videos auf Social Media sind offenbar extrem mit Filtern und KI aufpoliert – die Realität kann da keinesfalls mithalten.

Über das Valley of the Gods und Natural Bridges nach Moab

Weiter ging die Fahrt in Richtung Monument Valley,

vorbei am markanten Mexican Hat.

Unterwegs bogen wir kurz in den Goosenecks State Park ab. Der kleine Schlenker von wenigen Kilometern hat sich absolut gelohnt – der Blick auf die engen Flussschleifen des San Juan River ist spektakulär.

Da wir die klassische Runde durch das Monument Valley bereits vom letzten Roadtrip kannten, entschieden wir uns dieses Mal für die etwa einstündige Fahrt über die Schotterpiste durch das Valley of the Gods. Dank der absolut trockenen Witterung war die Piste für unseren SUV gar kein Problem; das Auto sah hinterher allerdings entsprechend eingestaubt aus.

Noch beeindruckender als das Tal selbst war der anschließende Aufstieg über den Moki Dugway:

Eine spektakuläre, in die Felswand geschlagene Serpentinenstraße, die einen aus der Wüstenebene hinauf auf das Hochplateau führt – mit grandiosen Weitblicken! Oben angekommen, wechselte schlagartig die Vegetationszone: Plötzlich fuhren wir wieder durch grüne Nadelbaumbestände.

Auf dem Plateau legten wir einen Stopp am Natural Bridges National Monument ein. Hier bestätigte sich wieder einmal: Die kleineren National Monuments sind oft die wahren Perlen abseits der überlaufenen Hauptrouten. An einem Sonntagnachmittag waren im gesamten Park vielleicht 30 bis 40 Besucher unterwegs – ein wohltuender Kontrast zu den Massen im Zion, wo man sich an den Trailheads teilweise auf den Füßen steht.

Die gewaltigen natürlichen Steinbrücken sieht man vom Rundweg aus dem Auto heraus übrigens kaum; man muss zu Fuß hinabsteigen. Im Visitor Center erklärte man uns auch, warum: Die gigantischen Dimensionen erfass man erst, wenn man von unten direkt vor oder unter den Brücken steht. Aus Zeitgründen wählten wir die Wanderung zur Sipapu Bridge – der steilste Abstieg über Felsstufen und Holzleitern hinunter in den Canyon. Bei angenehmen 27 Grad und weitgehend im Schatten war das eine fantastische Tour. Schade, dass wir erst am späten Nachmittag dort waren; ich hätte mir die anderen Brücken gerne ebenfalls noch erwandert.


Marathon-Fahrt & Curio-Punktekracher in Moab

Die Etappe von Page bis nach Moab war mit rund fünf Stunden reiner Fahrzeit der längste Fahrtag unserer Reise.

In Moab hatten wir für drei Nächte das Hoodo Moab, Curio Collection by Hilton gebucht. Hier konnte ich wieder einen hervorragenden Deal mitnehmen (Danke an Travel-Dealz für den Tipp!): Über eine Buchungsaktion via Aer Lingus AerClub gab es für den Aufenthalt knapp 30.000 Avios obendrauf, was den effektiven Preis extrem attraktiv machte.

Das Hotel selbst ist klasse – im Stil eher eine weitläufige europäische Resort-Anlage mit sehr schönem Poolbereich. Eine willkommene Abwechslung zu den typischen US-Kettenmotels, bei denen der rechteckige Pool lieblos mit einem Maschendrahtzaun direkt am Parkplatz eingefasst ist.

Das Ärgernis mit den Parkgebühren

Einen faden Beigeschmack hinterließ allerdings das Thema Parken. Beim Check-in wurden wir gefragt, ob wir mit dem Pkw da seien – Antwort: Ja. Daraufhin hieß es, das Parken koste 15 USD pro Nacht.

In Metropolen mit akutem Platzmangel habe ich dafür Verständnis, aber in Moab herrscht nun wirklich keine Flächenknappheit. Das scheint mittlerweile eine Masche bei Hilton zu sein, selbst bei Häusern in Randlage oder Gewerbegebieten noch extra Parkgebühren abzuschöpfen. Das Absurde: Direkt vor dem Hotel an der öffentlichen Straße gab es kostenlose Parkbuchten. Diese waren stets frei und lagen sogar näher am Haupteingang als die kostenpflichtigen Hotel-Stellplätze!

Ich lehnte das Hotel-Parken dankend ab und stellte den Wagen an die Straße. 45 Dollar für drei Nächte gespart – das reicht immerhin für ein solides Abendessen am Foodtruck.

Vorsicht beim Checkout: Trotz meiner Abwahl und der Bestätigung am Check-in waren die 45 Dollar Parkgebühren am Ende prompt auf der Hotelrechnung! Erst nach energischer Diskussion an der Rezeption strich die Dame den Betrag manuell heraus. Side-Note: Ein exakt gleicher Vorfall passierte mir später noch einmal in Colorado. Auch dort parkte ich gratis an der Straße, wies beim Check-out ausdrücklich darauf hin und fand die Gebühr später trotzdem auf der Kreditkartenabrechnung. Erst nach einem Telefonat aus Deutschland buchte man mir die 10 Dollar nach einigem Hin und Her wieder zurück. Man muss die Abrechnungen in den USA inzwischen wirklich penibel kontrollieren!

Canyonlands National Park & die Potash Road

Von Moab aus ging es in den Canyonlands National Park (Sektor Island in the Sky). Unser Ziel war unter anderem der berühmte Mesa Arch. Ikonisch ist der Bogen vor allem bei Sonnenaufgang, wenn das Morgenlicht die Felsunterseite rot glühen lässt; dafür waren wir allerdings etwas zu spät dran.


Auch hier zeigte sich der enorme Besucherzuwachs: Bei unserem letzten Besuch im Jahr 2013 waren wir den kurzen Trail (ca. 800 Meter) fast allein gelaufen und hatten 5 Leute getroffen – diesmal tummelten sich locker 100 Besucher am Bogen.

Auf dem Rückweg nach Moab stoppten wir an einigen Felszeichnungen (Petroglyphs) der Ureinwohner und bogen anschließend auf die Potash Road ab. Eine landschaftlich grandiose Strecke, die direkt am Colorado River entlang unter gewaltigen, senkrecht aufragenden roten Felswänden verläuft.

Ich wollte mir unbedingt die riesigen, intensiv blau leuchtenden Verdunstungsbecken zur Pottasche-/Salzgewinnung (Potash Evaporation Ponds) ansehen, die man von Google Maps und Social Media kennt. Die Straße wird ab dem Werk zur rauen Schotterpiste und mündet schließlich in den spektakulären Shafer Trail.


„Elvis Rock“

Vom Boden aus sind die leuchtend blauen Becken wegen hoher Zäune und Böschungen kaum einzusehen. Da weit und breit keine Menschenseele unterwegs war und wir niemanden störten, habe ich dort kurz die Drohne aufsteigen lassen, um diesen surrealen Farbkontrast aus azurblauem Wasser und rotem Wüstensand von oben festzuhalten.

Im nächsten Teil: Der Arches National Park und die Weiterfahrt in die Rocky Mountains nach Colorado…

Arches National Park, Wildwasser in Colorado & das Meilen-Routing zurück nach Europa

Arches National Park: Hitze, Delicate Arch & Logistik

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Am nächsten Tag stand der Arches National Park auf dem Plan. Die Temperaturen kletterten mittlerweile von noch erträglichen 27 Grad auf knackige 32 Grad im Schatten – was Wanderungen in baumloser Felslandschaft enorm anstrengend macht. Während ich mit der Hitze relativ gut klarkomme, hielt sich die Begeisterung bei meiner Frau und unserem Sohn verständlicherweise in Grenzen.

Das absolute Pflichtprogramm zogen wir dennoch durch: Die Wanderung zum imposantesten Wahrzeichen des Parks, dem Delicate Arch. Wir kannten die Tour bereits vom letzten Roadtrip, aber dieser Bogen ist einfach jedes Mal wieder faszinierend.

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Achtung bei der Wanderung: Es geht stetig bergauf über nackten Fels ohne jeglichen Schatten. Eine ausreichende Wasserration ist Pflicht – worauf auch große Warnschilder am Trailhead unmissverständlich hinweisen. Trotzdem begegneten uns auf dem Felsen wieder etliche Touristen in Flip-Flops. Ob die alle unbeschadet am Ziel ankamen, wage ich stark zu bezweifeln.

Die große, mehrstündige Rundwanderung im Devils Garden am Ende der Parkstraße (die wir beim letzten Besuch gemacht hatten) ließen wir hitzebedingt aus.

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Logistik-Tipp zum Arches: In diesem Jahr war unter der Woche keine vorherige Timed-Entry-Reservierung erforderlich. Wir hatten zudem das Glück, den Park nicht am Wochenende zu besuchen. Über die Webcam auf der Park-Website kann man die Schlangen an der Entrance Station vorab live prüfen. Wir standen rund 10 Minuten an der Einfahrt, und im Park selbst verteilten sich die Besucherströme überraschend gut.

Rafting in Colorado & Zivilisations-Rückkehr

Bis zu diesem Punkt waren alle Hotels fest durchgebucht. Die restlichen Tage ließ ich bewusst offen und überließ das Programm meiner Frau und unserem Sohn, um für etwas Kontrastprogramm zu sorgen.

Nach Tagen in der absoluten Pampa tat ein wenig Zivilisation gut: Wir steuerten in Colorado eine Mall zum Shoppen an und holten endlich den heiß ersehnten Blizzard bei Dairy Queen nach.

Als Familien-Highlight buchten wir eine Wildwasser-Rafting-Tour:

  • Dauer: ca. 2 Stunden

  • Ausrüstung: Helm und Schwimmwesten wurden komplett gestellt.

  • Erlebnis: Die ersten zehn Minuten boten ordentliche Stromschnellen und jede Menge Action, danach ging die Tour in ein sehr entspanntes, landschaftlich schönes Dahintreiben auf dem Fluss über.

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Denver: MLB-Baseball im Coors Field & KI-Shopping

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Die letzten beiden Nächte verbrachten wir in Denver. Das Highlight vor Ort: Unser allererster Besuch eines Major League Baseball (MLB)-Spiels im Coors Field (Colorado Rockies).

Da wir von den Feinheiten des Baseballs wenig Ahnung hatten (außer den rudimentären Parallelen zum Brennball), ließen wir uns während der Autofahrt von der KI einen Crashkurs über die Grundregeln vorlesen.

  • Park-Tipp via SpotHero: Das Coors Field liegt mitten in der Innenstadt. Die offiziellen Parkplätze direkt am Stadion kosten bis zu 50 USD für 3–4 Stunden. Über die App SpotHero fand ich einen Parkplatz in rund 700 Metern Entfernung für gerade einmal 6,95 USD. Der riesige Bonus: Nach Spielende versanken die stadionnahen Straßen im kompletten Verkehrschaos. Wir spazierten entspannt zehn Minuten an den stehenden Autoschlangen vorbei, stiegen ins Auto und fuhren völlig staufrei davon.

  • Stadionatmosphäre & Verpflegung: Baseball ist der ultimative Familien- und Entspannungssport. Auf dem Rasen passiert phasenweise extrem wenig, und nur ein kleiner Bruchteil der Schläge führt zu echter Action. Das Ganze dient den Amerikanern als perfekte Kulisse für Sponsorenspielchen, Werbung und ausgiebige Verpflegungspausen. Rund ein Drittel der Zuschauer ist gefühlt permanent unterwegs, um Snacks zu holen.

  • Autonomer Supermarkt im Stadion: Um ein stilechtes Coors-Bier zu holen, nutzte ich einen vollautomatisierten Store. Man scannt seine Kreditkarte am Drehkreuz, betritt den Raum, nimmt die Getränke aus dem Regal und geht einfach wieder hinaus. Keine Kassen, kein Barcode-Scannen. Das System erfasst die Entnahmen rein optisch über Kameras und KI (die Abbuchung lief im Hintergrund über Amazon). Auf der Karte wurden zunächst 25 USD geblockt, fünf Minuten später war die Dose Bier für stolze 15 USD exakt abgerechnet.

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*Phantastische Kulisse - im Hintergrund die Rocky Mountains *

  • Begegnungen vor Ort: Die Stimmung im Stadion war extrem entspannt. Als die Sitznachbarn merkten, dass wir Deutsch sprachen, kamen wir sofort ins Gespräch. Sie waren extrem herzlich, freuten sich aufrichtig über unseren Denver-Besuch und halfen geduldig beim Erklären kniffliger Spielregeln. Das bestätigt einmal mehr: Das Alltagsleben und die Herzlichkeit der Menschen vor Ort haben absolut nichts mit dem medialen Dauerfeuer aus den Nachrichten zu tun.

Der Rückflug: Meilen-Prämie mit LOT Polish Airlines & Wetlease-Erfahrung

Den Rückflug nach Europa buchte ich kurzfristig über Miles & More. Da die Zuzahlungen bei LOT Polish Airlines im Vergleich zu anderen Star-Alliance-Partnern erfreulich niedrig sind, buchte ich die Langstrecke in der Business Class:

  • Routing: Toronto (YYZ) – Warschau (WAW) – Zürich (ZRH)

  • Zubringer: Der Flug von Denver (DEN) nach Toronto musste separat als Cash-Ticket gebucht werden.

  • Fluggerät: Auf dem Transatlantikflug nach Warschau flog eine im Wetlease für LOT betriebene Maschine (EuroAtlantic Airways).

Lounge & Boarding in Toronto (YYZ):

Die Air Canada Maple Leaf Lounge in Toronto war leider eine Enttäuschung: Völlig überfüllt und mit einem sehr überschaubaren Essensangebot.

Das anschließende Boarding war reines Chaos. Als die Business Class und Statusgäste aufgerufen wurden, stürmten sofort alle Passagiere gleichzeitig nach vorne. Das Gate-Personal griff überhaupt nicht ein, zurückgewiesen wurde (fast) niemand.

Familien mit kleinen Kindern, Business und Premium Eco wurden zusammen aufgerufen. Ausgerechnet bei unserem Sohn, der als erstes von uns drei am Gate stand, fragte die Mitarbeiterin, ohne sich die Boardkarte anzusehen, wie alt unser Sohn sei. Offensichtlich wollte sie uns wieder zurück schicken, da wir in Ihren Augen mit einem fast 1,50 m großen Kind nicht mehr zur Gruppe „Familie mit kleinen Kindern“ zählten, was ja auch in der Sache stimmt. Wir gehen seit einigen Jahren nicht mehr nach vorne ans Gate, wenn dieser Aufruf kommt. Für viele Reisende sind Familien mit kleinen Kindern offensichtlich auch noch die 15 jährigen Teenager, wie ich gerade gestern bei Austrian Airlines in Wien gesehen habe - peinlich.
Die Mitarbeiterin von LOT war bei unserem Sohn der Meinung, dass ein Kind ja wohl kaum in C fliegen würde. Erst auf meinen Einwand hin, dass sie sich doch kurz die Boardkarte anschauen solle, wurde auf eine weitere Befragung verzichtet und wir durften einsteigen.

Kabine & Nachtflug-Strategie:

Die Kabine war in Ordnung, das Inflight-Entertainment (IFE) allerdings extrem rudimentär: Lediglich rund vier Filme (nur auf Englisch und Polnisch) und statt einer interaktiven Moving Map gab es nur einen simplen Zeitstrahl von Start bis Ziel.

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  • Man beachte die Bezeichnung von Abflug- und Zielort :face_with_peeking_eye: *

Da der Abflug erst um 22:20 Uhr erfolgte, stand für uns ohnehin Schlafen an erster Stelle. Wir hatten uns bereits in der Lounge etwas zu essen geholt und baten die Crew direkt nach Erreichen der Reiseflughöhe, uns für den Service nicht zu wecken. Die Flugbegleiterin fragte zwar zweimal ungläubig nach, ob wir wirklich komplett auf Dinner und Frühstück verzichten wollten, aber wir stellten lieber die Sitze sofort flach.

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Dank des durchgehenden Schlafs (Schlaftabletten sei dank!) wachten wir erst kurz vor dem Landeanflug auf Warschau auf bzw. wurden von der Stewardess geweckt. Der Effekt war gigantisch: Der Jetlag war nach drei Tagen komplett verflogen (beim letzten Mal brauchte ich fünf Tage).

Umstieg in Warschau (WAW):

Eine sehr positive Überraschung war die LOT Elite Lounge / Business Lounge in Warschau: Die Auswahl und Qualität der Speisen und Getränke waren exzellent. Zwar nicht ganz auf dem Niveau der Swiss Lounges in Zürich, aber um Klassen besser als die Maple Leaf Lounge in Toronto. Für einen Umstieg absolut zu empfehlen!

Persönliches Fazit

  • Landschaft: Die Natur im Südwesten (insbesondere die Regionen rund um Page und Moab) ist landschaftlich der absolute Wahnsinn. Selbst nach mehreren Reisen gibt es dort noch so viele ungesehene Spots, dass es locker für etliche weitere Urlaube reicht.

  • Reisestil mit Familie: Reine Natur- und Wandertrips in Utah/Arizona sind fantastisch, für einen Familienurlaub auf Dauer aber fordernd, da es abseits der Natur wenig Abwechslung gibt. Hier bietet Kalifornien mit dem Mix aus Metropolen, Küste und Parks eine etwas leichtere Balance.

  • Bundesstaat Colorado: Für mich persönlich bleibt Colorado touristisch etwas überschätzt. Es ist landschaftlich zweifellos nett, kann aber mit den surrealen Farben und Felsmonumenten des Südwestens schlichtweg nicht mithalten.

Wer die raue, spektakuläre Natur der Wüsten und Canyons liebt, für den bleibt der Südwesten der USA die absolute Benchmark.

Ich würde mich über ein kurzes Feedback freuen, ob so ausführliche Reiseberichte mit persönlichen Bewertungen hier im Forum gerne gelesen werden oder ob eine Kurzfassung mit Fakten genügt.

Du willst Feedback - du kriegst Feedback!

Ich finde deinen Bericht und die Art gut, bekomme einen lebendigen Eindruck der nicht einer sterilen KI entspricht, sondern Persönlichkeit und Charakter hat.

Kleiner Einwand zu den Personen mit Flip-Flops, halb Asien ist mit denen unterwegs, erstaunlich wie die Einheimischen in Nepal teilweise schwer beladen den Himalya raufgekraxelt sind.
Ok, Einwand zieht nur halb, der Einheimische in Nepal unterscheidet sich wohl signifikant zum Einheimischen (oder Touristen) in Colorado…

Finde deine Posts ebenfalls absolut lesenswert, die die Bezeichnung „ausführlicher Reisebericht“ auch wirklich verdienen. Besonders gefällt mir, dass du Tipps gibst und auch Neben- und Buchungsaspekte erwähnst und auf unverhoffte Details (z.B. in den Hotels) eingehst. Den Bericht hier kannst du jedenfalls super als Tagebuch nutzen, um später mal in Erinnerungen zu schwelgen. Freue mich schon auf euren demnächst kommenden erneuten USA-Trip :wink:

Schon krass, was da teilweise für Vorbereitung nötig war für die verschiedenen Spots. Irgendwie war früher doch alles einfacher… :zany_face:

Bei deiner Anmerkung zur Parkplatz App „SpotHero“ ist mir direkt die App „parkwhiz“ eingefallen, die ich vor ca. 10 Jahren mal beim Gillette Stadium in Foxborough, MA (dort, wo jetzt auch WM-Spiele stattfanden) genutzt hatte. Aus gleichen Gründen, und ebenfalls mit den geschilderten Vor-/Nachteilen (etwas entfernt, deutlich günstiger, kein Stau). Aber wie gesagt, ist lange her, und wenn SpotHero erfolgreich war, bleib dabei…

Vielen Dank für die tollen Berichte. Das spornt auch ein bisschen an mal selbst was zu verfassen :slight_smile:

Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht. Ich kam erst jetzt dazu, den zu lesen.
Das ist sehr inspirierend und gibt mir schon wieder viele neue Ideen. :+1:

Richtig Cooler Trip, jetzt erst gesehen :+1:… Das mit dem Bargeld war bei mir zuletzt weniger lustig. Der wohl schlecht gelaunte Office war über meine Aussage das ich nur $150 dabei habe für Trinkgelder „Not amused“ da dies viel zu wenig sei, da 15-20% hier Standard sind.

Das ich 99% mit KK zahle wie auch sonst überall auf der Welt interessierte ihn nicht, Pässe hingeknallt und schnell weg :slight_smile: Komischer Vogel war das….

Dafür war Virginia und Washington DC Top, zweiteres ist mittlerweile sogar vor New York.

Der ist gut. Die Amis und ihre Trinkgelder!

Aber mal Spass beiseite, das US System mit dem Trinkgeld ist für mich total nervig, ich habe immer das Gefühl, ich habe entweder viel zuviel gegeben oder habe zuwenig gegeben. Immer so die Zweifel, ob das jetzt gepasst hat.
Mann muss es ja überall ready haben, Concierge, Kofferträger, Restaurants, Hotelbar, Coiffeur, Tour guide, das ist wirklich in Europa viel angenehmer wo man grosszügig aufrundet, wenn der Service gut war.

Wie macht ihr das, einfach mathematisch 20% draufrechnen und gut ist?

So mache ich es tatsächlich. Kofferträger fällt bei mir aus, ich lasse meinen Rollkoffer beim Betreten der allermeisten Hotels nicht aus der Hand.
Ansonsten gebe ich bei umsatzunabhängigem Trinkgeld (also Housekeeping oder Valet) etwa 2-5 Dollar pro Einsatz, je nachdem, ob der Service irgendwie hervorstach oder nicht.