Kleine Scams / clevere Geschäftsmodelle

Da ich offenbar Scammer förmlich anlocke (es ist mir gerade erst wieder passiert), hier eine kleine Auflistung der klassischen Scams bzw. cleveren Geschäftsmodelle, die mir in der letzten Zeit so begegnet sind:

Bird poop auf Schuh (ist mir passiert in Rio de Janeiro an der Copacabana)
Ablauf: der Scammer läuft neben einem, spritzt unbemerkt irgend etwas (möglicherweise Zahnpasta) auf den Schuh des Opfers, und entdeckt den vermeintlichen Vogeldreck, weißt einen freundlich darauf hin und hat rein zufällig Putzzeug dabei und bietet seine Dienste gegen Gebühr an.

Schuhputzer verliert Bürste (ist mir 2x passiert in Istanbul auf dem Weg zum Galataturm)
Ablauf: der Scammer, ein Schuhputzer, setzt sich in derselben Bewegungsrichtung des Opfers unmittelbar vor diesem in Bewegung und verliert dabei „ungeschickterweise“ seine Bürste, in der Hoffnung, dass das Opfer ihn darauf aufmerksam macht. Aus „Dankbarkeit“ bietet der Putzer seine Dienste an zu einem Freundschaftspreis.

Person gibt vor, einen vom Hotel zu kennen, und zeigt einem die Umgebung inkl. Geschäfte, bei denen er Provision bekommt (ist mir passiert in Tunis)
Vermutlich wird man beobachtet beim Verlassen des Hotels und später an einem Touristenhotspot (bei mir Medina) „wiedererkannt“ und angesprochen. Dann wird man ein bisschen unverfänglich herumgeführt und landet in Geschäften, zu denen offensichtlich Beziehungen bestehen.

Tuktuk Fahrer bietet eine extrem günstige Rundfahrt mit Stopps an diversen Sights an (ist mir passiert in Bengaluru, Kochin und in Bangkok)
Einige Stopps sind dann Touristengeschäfte, zu denen Beziehungen bestehen, und es entweder Kickback oder eine Provision (oft in Form von Benzin Gutscheinen) gibt. Manche kommunizieren das offen, andere nicht.

Ich sehe das jetzt zumeist eher als clevere Geschäftsmodelle, und bin den Leuten dafür auch nicht unbedingt böse (außer dem, der meinen Schuh dreckig gemacht hat). Mitunter auch ganz nette Typen, die nur die Chance nutzen, ins Gespräch und dadurch ins Business zu kommen…

Habt ihr ähnliche Geschichten? Würde mich interessieren…

Kuba: Mein Vater will unbedingt essen und ich soll doch das Pärchen da fragen, was es hier so tolles gibt. Ich wusste zwar was kommt aber was solls. Das Pärchen redet mit uns, läuft die Straße mit uns ab und es geht in eine Bar. Sie fragen uns, ob wir ihnen denn auch was bestellen könnten zum Dank. Dort bestellen wir 2 Café und ein Softdrink, die beiden jeweils einen Cocktail. Aber eigentlich wollten wir ja jetzt unsere Ruhe, auch wenn die beiden (zu) nett scheinten. Er spricht sich dann kurz mit dem Kellner ab und da folgt die Rechnung, 60$. Mein Vater sagt der Spaß ist vorbei, hier zahlt keiner. Naja, der liebe Kubaner „Sergej“ hat aber ein Wort für uns eingelegt und es wurden 50$. Wir drohten mit Polizei und das war denen nicht so egal, weil die Regierung solche Methoden garnicht gern sieht. Den Kellnern war das alles sichtlich unangenehm, sie wollten halt mitspielen (bis dahin waren sie halt wirklich ahnungslos) aber merkten, das war ne dumme Idee. Man einigte sich im Streit auf 30$ und ging.

1 „Gefällt mir“

Auf You Tube hat Karl Rock diverse scams in Indien per Video beschrieben:
Karl Rock @ You Tube
allerdings auf englisch, but I love it

Die „bird poop“ Masche scheint in Südamerika verbreitet zu sein. Solange es dabei nur um ein kleines Zusatzgeschäft geht, ist das ja noch harmlos.
Ich wurde damit Opfer eines Taschendiebstahls in Valparaiso (Chile). Der Scam involviert „fake bird poop“, der einem von hinten gegen den Nacken/auf T-Shirt oder Jacke gespritzt wird und zwei scheinbar unabhängig voneinander auftretende barmherzige Samariter (bei mir ein relativ elegant gekleideter Herr und eine ärmliche alte Frau), die einem helfen wollen, das Ganze abzuwischen. Die eine dient der Ablenkung, der andere ist der Taschendieb.

War clever eingefädelt, Respekt! Ich hatte mich für relativ immun gehalten. Weg war dann ein Etui mit Bargeld im Gegenwert von ca. 40€, einer Kreditkarte und meinem völlig unnötig mitgeführten deutschen Personalausweis (beides konnte ich zum Glück umgehend sperren), also keine große Katastrophe. Trotzdem sehr ärgerlich, das hat mir den Tag vermiest und Valparaiso madig gemacht.

2 „Gefällt mir“

Ähnliches ist mir in Colombo passiert. Ein Tuktuk Fahrer hat mich „umsonst“ mitgenommen und wir waren bei vielen Sehenswürdigkeiten in der Stadt, aber natürlich auch bei einem Schmuckladen, wo man versucht hat mir was zu verkaufen. Ich habe nichts gekauft und die Tour mit dem Tuktuk Mann fortgesetzt, der mich auch noch beim Hotel abgesetzt hat. Er wollte dann doch „Bakschisch“ haben. Ich habe ihm aber an sein Versprechen erinnert, dass es nichts kosten würde und habe ihm auch nichts gegeben.

3 „Gefällt mir“

Heut ist mein Tag! Ich führe seit Jahren eine Liste in meinem Urlaubstagebuch.

Italien
• Tabak-Laden: Versuch uns statt der 2 gekauften und bezahlten Wochenkarten nur 2 Einzelfahrscheine herauszugeben - dabei verdächtig schnell den Geldschein weggesteckt und verdächtig geschaut, um richtige Fahrscheine gebeten und erhalten
• 2x das gleiche Obst im Laden mit 2 verschiedenen Preisen (Partner sagt, „Ich will Mispeln“ und die Bedienung nimmt die teuren Mispeln ohne Preisschild und nicht die Mispeln von vorne mit Preisschild, die genau gleich aussehen) - wieder auspacken lassen und billige Mispeln genommen
• Der Ladenbesitzer versucht, das Obst nicht abzuwiegen, sondern hat es an seine Ladenbesitzer-Frau weitergegeben mit Preisangabe (2,50 Euro), erst nach unserem Protest wurde das Obst dann gewogen (Preis war dann nur 1,50 Euro)
• Short-Changing (ein Euro zu wenig beim Kauf einer Fahrkarte an einem offiziellen Bahnschalter, 10 Euro statt 20 Euro zurück im Restaurant) - in vielen Monaten Urlaub in Spanien passierte dies kein einziges Mal, in Italien allerdings super oft
• Falsche hohe Rechnung im Restaurant (angeblich eine Tisch-Verwechslung - aber kein Tisch sonst will gerade zahlen)
• Hohe Coperto - kein echter Scam sondern einfach eine typische Unsitte in Touristenlokalen

Paris
• Ring-Trick

Rumänien
• Taxi-Fahrer fängt uns ab am Bahnhof - das ist schon fast 30 Jahre her und hat damals geklappt. Wir waren jung, naiv und es gab keine Liste mit Warnungen.
• Wahrsagerin einer lokalen Minderheit versucht erst freundlich und dann durch Drohung uns dazu zu bewegen, uns die Zukunft vorher zu sagen - bin seitdem auf immer verflucht und wir sind dann weggerannt am Strand, weil es sich vom Scam immer mehr Prügelandrohung gewandelt hat

Sri Lanka
• Fahrer sagt, die Straße sei gesperrt und er müsse daher einen anderen Weg fahren und fährt mit absicht in einen Stau rein. Die lokale App, die in Sri Lanka fast alle Fahrer benutzen, berechnet wegen dem Stau dann eine Extra-Gebühr.
• Fahrer sagen oft zu und versuchen dann auf dem Weg zum Treffpunkt noch eine Fahrt in die Treffpunkt-Richtung mit zu erledigen. Daher wartet man oft ewig auf das Taxi.

Thailand
• Früher: Taxi-Fahrer und Tuk-Tuk Fahrer wollen nur ohne Taxameter fahren - nervige Diskussionen vor jeder Fahrt
• Jetzt: Taxi-Fahrer weint, weil angeblich das Geld das Grab zahlt nicht reicht, Taxi-Fahrer versucht sowohl in Cash wie auch per Kreditkarte gleichzeitig bezahlt zu werden, Taxifahrer scheint zu kommen, sobald er unterwegs eine bessere Fahrt bekommt, bricht er die Anfahrt ab und sagt der Gast sei nicht da gewesen und und und

Istanbul
• runtergefallene Schuhbürste
• freundlicher Helfer am Flughafen neben dem U-Bahn-Fahrscheinautomat
→ kannte ich beides schon

Oman - Muscat
• Austausch der Speisekarte während der Mahlzeit durch den Besitzer mit einer neueren „weil die neu gedruckt mit größerer Schrift ist“, die aber auch ganz zufällig andere Preise hat.
→ wir hatten zufällig Fotos der ersten Karte mit den niedrigeren Preisen und haben daher das Dessert umsonst bekommen
Dieser Scam hat mich am meisten erstaunt, denn der Besitzer hat viel Zeit in den Betrug gesteckt. Hätte er stattdessen den Hirnschmalz in die verbesserte Organisation seines Lokals gesteckt, wäre das vermutlich monetär besser. Wir haben z.B. lange auf teure Säfte gewartet. Wären die gleich gekommen, hätten wir die nochmal bestellt und anhand der Preise nehme ich an, mit den Säften machte das Restaurant guten Gewinn. Die gefakten Preise hingegen brachten nur mäßigen Gewinn.

5 „Gefällt mir“

Sehr clever, was ich bisher in Asien immer voll unterstützet habe:

Der Uber/Bolt/etc. Fahrer gibt das Hotel in der Empfangshalle am Flughafen ein und zeigt was die App berechnet. Dann fragt er, ob er einen für den Preis ohne App zum Hotel fahren darf.

Unterstütze ich voll und ganz, da es immer noch halb so teuer wie ein Taxi ist und die App nicht die Provision abschöpft. So bleibt das Geld beim Fahrer.

Mache ich aber auch nur in sicheren Reiseländern.

1 „Gefällt mir“

Ich würde so etwas nicht machen.
Gerade die App/digitale Bestellung und deren tracking hat ja den Vorteil von deutlich mehr Sicherheit, nicht nur wegen dem Fahrpreis.
Und sei es nur, dass man im Auto etwas verloren oder vergessen hat.
Ohne offizielle Fahrt dürfte es schwer sein den Fahrer ausfindig zu machen.

2 „Gefällt mir“

Wie gesagt mache ich das auch nur in sicheren Reiseländern. Und die Wahrscheinlichkeit, dass ich einen verlorenen Gegenstand von Uber&co zurück erhalte, halte ich für sehr gering.

Aber muss jeder für sich entscheiden.

Scams sind meistens hinterhältiger als man denkt, wie auch viele Beispiele hier beweisen. Der typ kann auch eine manipulierte app haben, die immer den gewünschten (höheren) Preis anzeigt.

Ein Land wo Fahrer zu solchen Mitteln greifen müssen für ein paar euro mehr, kann nicht „sicher“ sein (für westliche Touristen). Der kann dich ganz klassisch irgendwo hinfahren und ausrauben oder am Ende nötigen doch mehr zu bezahlen.

Du weißt ja nicht mal ob das legale Fahrer sind oder einfach nur private die sich etwas Geld verdienen wollen. Bei einem Unfall ganz heikel.

Komme grad aus Florenz. Es gab dort kein normales Uber, nur dieses gehobene „Premium“ oder wie das heißt. Für 8km möchte man dort 64€, für einen größeren Van 80€. In der App wurden auch normale Taxis angezeigt, da lag der Preis bei 30€. War etwas schockiert der Preise wegen.

Das Uber & Co günstiger sind, wird wohl auch nicht immer sein. Praktisch finde ich das man das Ziel schon vorher definiert hat, Preis fix ist und man einen Nachweis über Auto und Fahrer hat. Wir hatten auch noch nirgendwo ein Problem.

In Florenz hatten wir im Mai auch auf Uber verzichtet, aber bei dem guten und günstigen Nahverkehr kein Problem. Für 1,70€ mit der Straßenbahn zum Flughafen :ok_hand:

Auch bei Uber muss man vorsichtig sein. Die rechnen auch manchmal was anderes ab, als ursprünglich zugesagt, wenn der Fahrer komische Dinge macht, wie Stau, Umwege oder Wartezeiten einträgt.
Ich hatte in Berlin deswegen schon 2x eine (erfolgreiche) Reklamation.
Immer Screenshot vom ursprünglichen Preis machen!

Ich hatte bisher bei E-Hailing eine ähnliche Anzahl an Scams wie bei Taxis. Du musst also genauso aufpassen. Der Vorteil ist halt, dass du fast immer dein Geld wiederkriegst.

Als ich mit Uber in der Türkei unterwegs war waren ca. 6/10 Fahrten scam. Meist wurde einfach ohne Meter gefahren und es wurde der Höchstbetrag den Uber akzeptiert eingegeben. Jedes Mal hat Uber den Betrag erstattet. Richtig mies war das eine Mal wo ich ohne Uber gefahren bin. In Antalya gibt es eine Taxi Mafia die die Uber Fahrer angreift und von ihren Hotspots fernhält. In einem solchen Taxi wollte man 60€ statt 15€ von mir. Ich konnte mich auf 30€ einigen und der Fahrer ist zur Zahlung an eine Tankstelle gefahren wo ich eine Fake Tankrechnung bezahlen musste. Top Geldwäschesystem. Danach hab ich mir vorgenommen erstmal keinen Urlaub in der Türkei zu machen.

In Mexico waren auch fast alle Uber und Didi Fahrten scam bei mir. Von Fahrern die, die Fahrt am Zielort nicht abschließen, sinnlose längere Stecken fahren etc. Dazu kommt, dass die Mafia dort auch Uberfahrer von vielen Hotspots fernhält. Genauso waren 4/10 Fahrten in China Scam bei mir in Didi. Meist mit Fake Mauteingaben. Einer war so dreist und wollte auf 16€ Fahrt nochmal 16€ Maut draufhauen. Ein anderer meinte ich hätte zu dem erhöhten Preis zugestimmt. In Kazachstan mit Yandex Taxi hatte ich auch einige schwarze Schafe, dort wurde dann die Fahrt abgeschlossen und nochmal frei als Umweg abgerechnet.

Deswegen fahre ich oft auch einfach lieber ÖNPV, auch wenn es ähnlich viel kostet.

Verstehe nicht wie das funktioniert. In uber sieht man doch wenn man bestellt bereits den Preis und der ist dann fix?

Ganz genau. Hatte auch schon, dass der Fahrer mich abgesetzt hatte und einfach schön weitergefahren ist und „Änderung des Fahrtziels auf Wunsch des Passagieres“ eingegeben hatte und durch die halbe Stadt gedüst ist.

In der Türkei waren es alle Taxis, die den Preis dann nach Meter in Uber eingeben müssen.

Ich denke die Fahrer fliegen nicht raus, weil es dem Normalo nicht auffällt und er auch wegen dem wenigen Geld keinen Fall aufmacht.

Thema Uber: Bei Instagram geistern auch Videos rum, wo Fahrer einfach Fahrten annehmen und so lange warten, bis man Sie storniert und Sie somit Gehalt erhalten ohne sich bewegt zu haben. Ein Typ ist dann immer ZU den Fahrern gefahren, die im geparkten Uber ganz überrascht aber negierend waren.