Tipps für Uganda?

Wegen Corona plane ich einen nicht ganz dreiwöchigen Trip nach Uganda als Individualreisender mit Rucksack. Bin sonst meist in Südostasien und Südamerika unterwegs, daher ist das für mich Neuland und ich wäre für jeden Tipp hierzu dankbar.

Hi,
ich nehme an, Du möchtest eher per „Öffis“ reisen – oder planst Du (teilweise) einen Mietwagen?
Ich habe in Uganda nur Erfahrung mit letzterem (da zu viert mit 2 kleinen Kindern unterwegs), aber habe die Nachbarländer Kenia und Tansania als Backpacker mit den landestypischen Fortbewegungsmitteln sowie Bus, Bahn, Fahrrad, zu Fuß und per Maultier bereist und kenne die Modalitäten einigermaßen. Es könnte aber sein, dass einige der von mir genannten Ziele mit „Öffis“ schwierig zu erreichen sind.
Im Vergleich zu SO-Asien und S-Amerika würde ich sagen, dass Uganda nochmal eine Spur herausfordernder ist. Das soll aber keinesfalls abschrecken – im Gegenteil: die afrikanischen Länder waren vermutlich die interessantesten auf meinen Reisen. Gut ist, dass man mit Englisch sehr gut durchkommt.

Ich war damals (Anfang 2019) auch ca. 3 Wochen in Uganda. Das ist genug Zeit, um einigermaßen herumzukommen, außer evtl. in den deutlich ärmeren und unerschlosseneren Nordosten des Landes (wo ich nicht war).

Wenn Dich Nationalparks interessieren, kann ich neben dem „großen“ Queen Elizabeth NP (Elefanten, Löwen, Hippos, Krokodile, Büffel, …) auch den kleineren Lake Mburo NP (Giraffen, Zebras) empfehlen. Das Leopard’s Rest Camp neben dem Park ist eine angenehme und relaxte Unterkunft.
Während es in Kenia und Tansania üblich und z.T. vorgeschrieben ist, die Nationalparks mit einer geführten Safari zu besuchen, scheint es in Uganda üblicher zu sein, mit dem eigenen Fahrzeug und ohne Guide im Park unterwegs zu sein. Das macht es für Backpacker ohne Auto evtl. etwas schwieriger, die NPs zu besuchen. Aber ich bin sicher, dass es auch dafür Guided Tours gibt oder man sich anderen Reisenden anschließen kann.

Baden ist in Uganda mangels Meer und wegen Bilharziose nicht zu empfehlen – außer im Lake Bunyonyi. Es gibt da eine nette Unterkunft (Amasiko Homestay) mit einfachen Bungalows am Hang über dem See, deren Besitzer auch gleichzeitig ein lokales Entwicklungshilfeprojekt betreibt.
Von hier aus ist es auch nicht allzu weit zu mehreren Gorilla-Tracking-Sites, falls man das machen will. Das ist teuer (Kosten für ein Permit: ca. 500 USD) und ökologisch nicht unumstritten, aber es schützt die Gorillas vor Wilderern und ist tatsächlich ein beeindruckendes Erlebnis. Das Permit sollte man rechtzeitig beantragen, entweder vor der Reise oder bald nach der Ankunft im Land (Unterkünfte in Entebbe sind da behilflich).

Fortbewegung ohne eigenes Fahrzeug geht landestypisch meist mit „Taxis“: das sind Kleinbusse, die mit ca. 15 Fahrgästen (plus Kinder, Hühner, Gepäck …) bestückt werden, bevor sie ihre festgelegte Strecke fahren. Ganz individuell bzw. an die abgelegenen Orte geht’s dann mit dem Boda Boda (Motorrad oder evtl. Fahrrad, das einen mit Gepäck huckepack nimmt). Für größere Strecken zwischen Städten gibt es Überlandbusse.
Wenn das alles zu basic und Geld weniger ein Thema ist, kann man sich ein Auto mit Fahrer mieten.
Ein eigener Mietwagen (am besten 4x4) zum Selbstfahren ist zwar sehr bequem, aber als Einzelreisender auch öde, weil man beim Reisen nicht gut in Kontakt mit den Einheimischen kommt (außer man verfährt sich, was mit Google Maps leicht passiert! Besser ist die App „maps.me“). Außerdem stoppen korrupte Polizisten auch gern mal Touristenautos wegen erfundener Verkehrsübertretungen, um Schmiergeld zu kassieren.

Die einzige große Stadt, in der ich war, ist Entebbe. Zum Ankommen gar nicht so schlecht, es gibt nette Ecken. Kampala habe ich mir geschenkt, da Großstädte mit kleinen Kindern nicht so prickelnd sind.

So viel mal für den Moment. Melde Dich gern mit weiteren Fragen, wenn Du was konkretes wissen möchtest.

Viele Grüße
Tobias

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Ganz herzlichen Dank für die ausführliche Antwort, das hilft mir sehr weiter.

Korrektur: Lake Mutanda ist der See, wo man baden kann - nicht Lake Byuoni.
Momentan (Mitte Juni 21) ist Uganda zeitlich und organisatorisch ein unkalkulierbares Risiko, da die Regierung von sehr lässig auf Lockdown umgesprungen ist. PCR-Tests sind nur bedingt verläßlich - insbesondere nicht bei TEST & FLY in Entebbe. Es existiert dort eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit für falsch positive Tests - und schwups ist man 1 Woche länger zahlender Gast in Uganda. Natürlich mit all dem Umbuchungsspass bei der Airline.
Selbst fahren in Uganda muss man wirklich wollen. Google kennt zwar viele Wege, hat sich aber auch mal gerne in der Routenwahl ganz anders als der lokale Fahrer gehabt. Und in Entebbe an der Fähre zu versuchen, über den Markt zum Anleger zu fahren - ich hätte mit meinen mehr als 50 Ländern Erfahrung da wohl eher aufgegeben.
Gorilla-Trekking: momentan sind eher weniger Leute unterwegs, da klappt es sicher auch vor Ort mit dem Permit. Es ist auch momentan deutlich günstiger als 500 USD.
Kampala muss wirklich nicht sein. In Entebbe heisst der Geheimtipp: Botanischer Garten mit Unmassen an Vögeln, Affen, Spinnen, … . Die 10 Dollar für den Führer sind gut angelegt.
Viele Grüße
Frank

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Danke für die Info. Das mit den falsch positiven Tests gibt mir sehr zu denken und wäre wirklich ärgerlich, da ich zweimal geimpft bin. Könnte man denn in einem Positivfall sich ein anderes Labor aussuchen oder wird man da gleich „festgehalten“?

Grüße

Das Dumme ist, Uganda hat ein online-System - ist ja nicht Deutschland. Da wird sofort gesehen: „Gestern war ein positiver Test“ und es wird keine Diskussion über falsch positiv oder den ausgedruckten aktuelleren negativen Test aus einem anderen Labor zugelassen. O-Ton: „Wollen Sie etwa behaupten, Uganda würde falsche Tests durchführen?“. Herzlich willkommen zu Ihrer Urlaubsverlängerung!

Nachtrag: Ich war im März leicht infiziert und dies erhöht wohl das Risiko für Falsch positiv. Vielleicht gilt dies auch für Impfungen - keine Ahnung?
Auch in D soll die Quote „falsch positiv“ durchaus bis zu 10% betragen.
Ist aber anscheinend abhängig vom Fabrikat des Testes und vom Labor. Wie gesagt, auf keinen Fall TEST & FLY in Entebbe.