Hallo alle zusammen. Aufgrund eines inspirierenden Beitrags (https://forum.travel-dealz.de/t/wie-ich-meine-erste-us-kreditkarte-erhielt-ein-kleiner-leitfaden-zur-beantragung) haben so manche von uns mittlerweile eine US Amex. Da der Thread langsam unübersichtlich wird, sollten wir das je nach Thema auf mehrere Threads aufteilen. Ich mache mal den Anfang und erstelle diesen hier, wo wir die Amex US Kreditkarten (außer die Beantragung der ersten 1-2 Karten) diskutieren und Erfahrungsberichte austauschen. Ich selbst stehe erst am Anfang (habe nur die Hilton Honors und Green) und ich glaube, dass viele von euch ähnlich weit auf ihrer Reise sind. Darum glaube ich, dass diese Infos hier ziemlich nützlich sein werden, insbesondere, wenn man sich noch nicht so eingearbeitet hat und alles lieber spontan macht, denn die “Spielregeln” für die US Karten sind deutlich komplizierter als jene im DACH Raum.
- Willkommensboni (WB)
- “Once in a lifetime”-Regel: Anders als in Deutschland (AU+CH wahrscheinlich ähnlich), wo man für 18 Monate nicht Hauptkarteninhaber einer entsprechenden Karte gewesen sein darf, ist der Willkommensbonus für die US Karten nur einmalig zu erhalten. Manche Quellen behaupten, dass eine Lebenszeit auf sieben Jahre definiert ist. Manchmal gibt es (personalisierte) Angebote, welche keine solche Beschränkung haben, sogenannte “No lifetime language” (NLL) Offers.
- “Family”-Regeln: Das Beantragen einer high tier (teuren) Karte kann euch für den WB einer niedrigeren Karte der gleichen Familie (lebenslang) ausschließen. Zum Beispiel: Beantragung der Platinum schließt euch für den WB von Green und Gold aus, die Beantragung der Gold schließt euch für den WB der Green (aber nicht der Platinum) aus.
- “As high as”-Formulierungen: Die geworbenen Willkommensboni sind bei ähnlich hohen Mindestumsätzen höher als in Deutschland (Gold und Platin wurden zuletzt auf $8k und $12k respektive in 6M erhöht). Erneut muss man hier auf die Formulierung achten: der tatsächliche Willkommensbonus für euch kann durchaus niedriger oder gar nicht verfügbar sein. Das Vorhandensein und die Höhe des WB hängt unter anderem von euren Umsätzen mit den Amex Karten, aber auch sehr stark von Willkür ab. Für manche reicht es, die Amex für einige Monate einzusetzen und sie erhalten einen sehr hohen WB angeboten, andere erhalten ihn seit Jahren nicht (nennt man “Pop up jail”).
- Transferpartner
- Mehr Optionen: Es gibt eine Reihe von Transferpartnern, die im DACH-Raum nicht verfügbar sind. Nennenswert sind die Airline-Partner Air Canada Aeroplan, ANA Mileage Club (Amex Exklusiv), Avianca Lifemiles, Jet Blue TrueBlue, Qantas Frequent Flyer und Virgin Atlantic Flying Club. Aeromexico gibt es auch noch, aber ist mMn nicht lukrativ, und Etihad Guest wird es bald nicht mehr als Partner geben.
- Bessere Umtauschverhältnisse: Das Standard-Umtauschverhältnis ist 1:1 (wohingegen bei uns eher 5:4 oder gar 3:2 der Standard ist). Die Ausnahmen sind (leider) Cathay Pacific (1000:800 ergo 5:4), Emirates (1000:800 ebenfalls 5:4) und JetBlue (250:200 damit ebenso 5:4).
- Transferboni: Immer mal wieder gibt es zeitlich begrenzte Aktionen, bei welchen ein Umtausch der MR Punkte zu einem bestimmten Transferpartner mit einem Bonus vergütet wird. Typische Boni bei Amex sind Virgin Atlantic mit 40%, Avios mit 30%, Flying Blue mit 20% oder Avianca Lifemiles mit 15%. Solche Boni sind in den USA bei allen Banken, die transferierbare Punktewährungen haben, üblich und man kann sie hier einsehen: Transfer Bonus History (nicht meine Webseite).
- Anzahl Karten
- Maximal fünf private Kreditkarten pro Person. Charge-Karten (Green, Gold, Platinum) sind von der Regelung ausgenommen.
- Man kann nicht mehr als zwei Karten innerhalb von 90 Tagen genehmigt bekommen.
Diese Regeln stellen meiner Meinung nach kein großes Problem dar. Andere Banken sind deutlich restriktiver und bieten leider mehr und lukrativere Karten an. Ich kann mir aber vorstellen, dass es sich für die Hilton-Fanatiker unter euch lohnt, alle Hilton-Karten gleichzeitig zu besitzen (ggf. sogar manche mehrmals) und so kommt man eher ans Limit. Ähnliches gilt für die Mariott-Karten, wobei man hier erwähnen muss, dass Chase ebenfalls Mariott-Karten herausgibt (für die Nicht-Mariott-Hardcores sind die Chase Karten lukrativer).
- Rakuten
- Es handelt sich hierbei um eine Cashback-Plattform, bei welcher man sein Cashback in MR Punkten auszahlen lassen kann. Dabei entspricht $0.01 = 1 MR Punkt. Man kann sich diese auch als Bilt-Punkte auszahlen lassen, jedoch erhält man nur einen Punkt pro 2 USD-Cent (mit Bilt Status erhält man wiederum einen Punkt pro einem USD-Cent).
- Payback Alternative für Hotel- und Flugbuchungen: Viele Shopping-Webseiten sind ungeeignet, um sich Rakuten Cashback zu verdienen, da sie nur mit der US Seite funktionieren und der Versand folglich in die USA gehen muss. Dienstleistungen wie eine Flug- oder Hotelbuchung sind nicht gebunden an den Ort von welcher die Buchung stattfindet, sodass man hier Rakuten als Alternative zu Payback in Betracht ziehen kann. Sofern die Cashback-Ratio dort mit vorhandenen Payback-Coupons (hier solltet ihr noch Geschenkkarten, andere deutsche Cashback-Portale und den M&M Transferbonus in Erwägung ziehen) vergleichbar ist, würde ich den Kauf über die US Seiten mit entsprechendem Rakuten-Cashback abschließen. Beachtet dabei zwei Sachen: (1) US MR Punkte sind mir mehr Wert als M&M Meilen und (2) der Euro ist mehr Wert als der US-Dollar, sodass man auch hier etwas mehr bekommt.
- MR Punkte vergleichsweise günstig kaufen: Die üblichen Verdächtigen wie NordVPN und SurfsharkVPN locken mit Cashback von 90%-100%. Im besten Fall erwirbt man sich MR Punkte für einen USD-Cent pro Punkt. Beachtet das Kleingedruckte: Das Angebot gilt nur für Neukunden des jeweiligen Produktes und manche Pakete sind ausgeschlossen. Ich persönlich würde mir das größte für volles Cashback berechtigte Paket holen.
- Hohe Kosten und beschränkter Nutzen für non-residents
- Die MR-fähigen Charge-Karten sind eher teuer (die Green für $150, die Gold für $325 und die Platinum für $895) und bieten mMn verhältnismäßig wenig um die effektive Jahresgebühr zu senken, insbesondere wenn man gar nicht in den USA lebt und eher selten dorthin fliegt. Die Green bietet lediglich ein CLEAR+ Credit (mit TSA Pre) an, die Credits auf der Gold (12 x $10 Dining, 12 x $10 Uber, 2 x $50 Resy, 12 x $7 Dunkin) sind nur innerhalb der USA verfügbar und das 4x MR Punkte auf Supermärkte gilt auch nur in den USA. Die Platin hingegen bietet schon ein paar mehr Credits an, welche man als non-resident nutzen kann.
- Amex fehlt es an guten Einsteigerkarten um die $100 (wie Chase Sapphire Preferred oder Citi Strata Premier).
- Die Multiplikatoren auf den Karten sind eher spezifisch und decken wenig Alltagskategorien ab. Es gibt keine private Catch-All-Karte mit mindestens 2x auf alles (die einzige ist die Blue Business Plus).
Meine Konklusion: Als Besitzer einer deutschen Karte ist American Express der beste Einstieg in die US Kreditkartenwelt, da man sich sehr einfach eine Karte beantragen kann und sogar seine in Deutschland gesammelten Punkte in die USA transferieren kann und von den dortigen Vorteilen profitiert. Die ganzen hier gelisteten Vorteile hören sich für den hiesigen Amex-Kunden fantastisch an, jedoch ist es verhältnismäßig teuer und im Vergleich zur Konkurrenz hängt Amex stark hinterher, sodass ich auf lange Zeit auch Karten von anderen Herausgebern nutzen möchte. Trotzdem werde ich von den US Amex Karten so lange wie möglich Gebrauch machen. Beantragt euch unbedingt die Karten von günstig nach teuer (z.B. Hilton Honors → Surpass → Aspire, Green → Gold → Platinum) und versucht einen möglichst hohen Willkommensbonus mitzunehmen.
Es gibt noch viel mehr zu diskutieren, also schreibt eure Tipps, Erfahrungsberichte und Fragen gerne hier rein. Zu anderen Themen rund um US-Kreditkarten sollte man einen entsprechenden Beitrag erstellen.