Dieses Wochenende ging es für mich nach Sizilien.
Der Hinflug am Freitag mit WK394 ZRH–CTA in C war völlig unspektakulär und ist daher eigentlich nicht weiter berichtenswert. Essen, Service, Flug – alles okay, nichts, worüber man im Forum fünf Seiten diskutieren müsste.
Interessanter wurde dafür die Rückreise.
Geplant war der Rückflug am Sonntag, 27.09.2026, CTA–ZRH.
Dummerweise war CTA bereits seit Samstag, 26.09., wegen des Ätna geschlossen. Wann der Flughafen wieder öffnen würde, war zunächst nicht bekannt. Man konnte also den Samstagabend wunderbar damit verbringen, gelegentlich aufs Handy zu schauen und sich einzureden, dass bis Sonntag schon alles wieder laufen wird.
Spoiler: tat es nicht.
Als am Sonntag gegen 09:00 Uhr die Information kam, dass CTA auch den ganzen Sonntag geschlossen bleiben würde, war endgültig klar, dass aus meinem gemütlichen Direktflug zurück nach ZRH nichts wird.
Also ungefähr zehn Minuten nachdem die Information öffentlich war: Anruf bei Swiss.
Die Dame im Callcenter bot mir als Alternative einen Flug PMO–ZRH am Donnerstag, 01.10.2026, an.
Donnerstag.
Vier Tage später.
Ich habe sie freundlich daran erinnert, dass der durchschnittliche Otto Normalverbraucher die exotische Angewohnheit hat, Montag bis Freitag einer Arbeit nachzugehen, und eine Rückkehr am Donnerstag deshalb für mich eher nicht unter „Alternative Beförderung“ fällt.
Viel produktiver wurde das Gespräch danach allerdings nicht.
Also hiess es: Wenn die Airline keine brauchbare Lösung findet, darf der Passagier eben selbst Reisebüro spielen.
Nach etwas Recherche stellte ich fest, dass ich von Sizilien mit der Fähre nach Malta kommen könnte und dort am selben Abend noch einen MLA–ZRH hätte.
Das klang zwar nicht unbedingt nach meinem ursprünglichen Reiseplan, aber immerhin nach einer realistischen Chance, am Montag wieder am Arbeitsplatz aufzutauchen.
Also wieder die Swiss-Hotline angerufen.
Mittlerweile kannte ich immerhin bereits die Zahlen, die man während der automatischen Ansage drücken muss, um sich gewisse minutenlange Erklärungen zu ersparen. Man lernt auf Reisen ja bekanntlich immer etwas fürs Leben.
Der Mitarbeiter beim zweiten Anruf war glücklicherweise deutlich kooperativer. Ich erklärte ihm meine selbst zusammengestellte Sizilien-Malta-Expedition, und tatsächlich konnte er mich auf MLA–ZRH am Sonntagabend umbuchen.
Damit begann Phase zwei.
Eine Verwandte konnte mich zum Glück kurzfristig noch rund 80 km zum Porto di Pozzallo fahren. Dort für 84 € ein Fährenticket gekauft und anschliessend ungefähr 1,5 Stunden von Pozzallo nach Malta geschippert.
Das Ganze hatte mittlerweile weniger von einer normalen Flugreise und etwas mehr von „The Amazing Race – Employee Edition“.
Gegen 15:00 Uhr war ich bereits bei MLA.
Geplanter Abflug nach ZRH: 20:25 Uhr.
Damit hatte ich noch mehr als fünf Stunden Zeit. Also zunächst den eher überschaubaren Flughafen erkundet und mich danach in die Lounge verzogen.
Die Lounge war für die Grösse von MLA tatsächlich ziemlich angenehm und verfügt sogar über eine grosse Terrasse. Nach dem einen oder anderen Spassgetränk war die Welt auch wieder halbwegs in Ordnung.
Dann kam die erste SMS.
30 Minuten Verspätung.
Okay, passiert.
Später die zweite SMS.
Noch mehr Verspätung.
Mittlerweile lagen wir bei ungefähr einer Stunde Delay, und ich begann langsam auf die Uhr zu schauen. Das Zürcher Nachtflugregime rückte nämlich immer näher.
An diesem Punkt begann dann die Phase, in der man Dinge tut, die man unter normalen Umständen niemals tun würde: Flugzeiten vergleichen, Rotationen verfolgen und mit ChatGPT darüber philosophieren, ob die Maschine unter realistischen Bedingungen noch rechtzeitig in ZRH landen könnte.
Irgendwann öffnete ich Flightradar und sah, dass unsere Maschine noch nicht einmal auf dem Weg nach MLA war.
Ab diesem Moment war mein Optimismus ungefähr auf dem Niveau des ersten Callcenter-Angebots „Donnerstag ab PMO“.
Es dämmerte mir langsam:
Das wird heute nichts mehr.
Wenig später kam dann auch die offizielle Bestätigung:
MLA–ZRH annulliert.
Damit war mein sorgfältig selbst gebauter Rettungsplan nach Fähre, 80 km Autofahrt und einem halben Tag auf Malta ebenfalls Geschichte.
Also wieder raus aus der Lounge und zurück Richtung Check-in.
Währenddessen erreichte mich immerhin bereits die Nachricht, dass ich automatisch umgebucht worden war:
MLA–FCO–ZRH
Abflug am nächsten Morgen um 07:00 Uhr.
Da LX/LH in MLA meines Wissens kein eigenes Bodenpersonal haben, hatte ich mich innerlich schon auf die nächste Runde „Wer ist eigentlich zuständig?“ eingestellt.
Überraschenderweise funktionierte genau dieser Teil dann aber ausgesprochen gut.
Der lokale Handling-Agent war bestens vorbereitet. Die Mitarbeiter hielten QR-Codes in die Luft, man scannte einen davon, gab Flugnummer und Personendaten ein und konnte innerhalb weniger Minuten zwischen zwei Hotels auswählen.
Kein stundenlanges Anstehen, kein Papierkrieg, kein „bitte rufen Sie Ihre Airline an“.
Das war tatsächlich ziemlich gut organisiert.
Also wieder ins Hotel.
Noch etwas Kleines gegessen, kurz überlegt, wie oft man an einem einzigen Tag eigentlich seine komplette Reiseplanung ändern kann, und dann ab ins Bett.
Am nächsten Morgen ging es schliesslich mit MLA–FCO–ZRH nach Hause.
Diese beiden Flüge verliefen völlig unspektakulär.
Was nach diesem Wochenende fast schon enttäuschend war.
Am Ende wurde aus:
CTA–ZRH
folgendes Routing:
Siracusa → Porto di Pozzallo → Malta → MLA → Hotel → FCO → ZRH
Also im Prinzip alles genau wie gebucht, nur mit einem zusätzlichen Land, einer Fähre, zwei Hotels, drei Flughäfen und etwas mehr emotionaler Bindung an die Swiss-Hotline.
Finanziell bin ich gespannt, was noch daraus wird.
Einen Anspruch auf die pauschale EU261-Ausgleichszahlung habe ich meines Wissens nicht, da ich zu einem nicht öffentlich zugänglichen Tarif unterwegs war und Swiss dies entsprechend ausweist.
Ich hoffe aber zumindest, dass ich die zusätzlichen notwendigen Auslagen wie Bolt/Taxi und das 84-€-Fährenticket Pozzallo–Malta geltend machen kann.
Wir werden sehen.
Unterm Strich:
Das erste Angebot der Hotline – PMO–ZRH vier Tage später – war eher aus der Kategorie „technisch gesehen eine Beförderung“.
Der zweite Mitarbeiter dagegen war wirklich hilfreich und hat meine selbst gefundene MLA-Variante unkompliziert eingebucht.
Und auch die Betreuung nach der Annullierung in MLA war deutlich besser organisiert, als ich erwartet hatte.
Irgendwann am Montag war ich dann tatsächlich wieder in ZRH.
Nur eben mit wesentlich besseren Kenntnissen über sizilianische Fährverbindungen als noch 48 Stunden zuvor.
