Festgesessen in Doha: Verschiedene Kompensationen (Refund & Downgrade)

Hallo zusammen! Ich lese schon lange mit, habe mich nun aufgrund folgender Sachlage endlich angemeldet.

Leider war ich betroffen vom Iran Konflikt und steckte zwischen dem 28.02. bis gestern, den 07.03. in Doha fest. Eine Erfahrung, die ich in meinem Leben nicht gebraucht hätte und niemandem wünschen würde. Nun möchte ich im Anschluss für diverse Fälle einmal prüfen, ob ich irgendwelche Kompensationen erhalten kann.

Ausgangslage: Award Flight gebucht mit Avios über Qatar Airways: BKK - DOH in F, DOH - MUC in C für 2 Personen für insgesamt 225.000 Avios plus Steuern & Gebühren. Den Flug von BKK nach DOH konnten wir normal antreten und durchführen, landeten am 27.2. am späten Abend in Doha und bekamen eines der Schlafzimmer in der Al Safwa Lounge. Am nächsten Morgen um 9:15 ging der Flug nach MUC…

Wir starteten pünktlich, mussten nach einer Stunde kreiseln über dem Golf jedoch umdrehen und zurück nach Doha. Die erste Nacht verbrachten wir teilweise in der Lounge, mussten aufgrund der Evakuierung des Airports dann in ein Hotel wechseln, in welchem wir bis Samstag untergebracht wurden. Am Samstag den 07.03. haben wir dann Plätze auf dem Flug QR67 nach Frankfurt bekommen, einer der ersten Flüge der losging, jedoch in Economy. Natürlich waren wir in der Situation einfach nur froh, überhaupt weg zu kommen. Nichtsdestotrotz würde ich gerne folgendes Wissen und hoffe auf den Schwarm:

  • Kann ich für das Downgrade eine Kompensation einfordern, auch wenn es außerordentliche Umstände waren und wir dem Downgrade beim Check-In zugestimmt haben?
  • Ursprünglich hatten wir als Anschluss für den 28.02. einen LH Flug von MUC nach HAM gebucht, der logischerweise verfallen ist. Als wir nun am 07.03. nach Frankfurt gekommen sind, mussten wir (für entsprechend viel Geld) einen neuen Flug buchen - kann man hier irgendetwas einfordern bei QR oder einer Versicherung? (Amex Platin vorhanden, falls relevant)
  • Für den nicht angetretenen Flug von MUC nach HAM (Cash Ticket) kann ich ja auf jeden Fall die Steuern & Gebühren zurück verlangen. Leider macht einem das die LH nicht besonders leicht und es gibt keine offensichtliche Funktion dafür (oder ich habe sie noch nicht gefunden). Mache ich das über ein Kontaktformular oder hat jemand einen anderen Tipp?
  • Gleiches gilt für eine andere Flugbuchung von HAM nach BRU letzten Freitag, die wir ebenfalls nicht antreten konnten. Hätte außerdem heute Flüge von BRU nach HAM via AMS mit KLM gehabt, hier ließen sich die S&G leicht über das Verwalten der Buchung zurückfordern.
  • Gibt es irgendwelche weiteren Ansprüche die wir haben könnten?

Ich weiß, dass viele der Fluggastrechte nicht gelten… EU261 greift nicht, es ist eh ein Sonderfall wegen Kriegslage etc. … Die S&G der nicht angetretenen Flüge weiß ich, dass ich die auf jeden Fall zurück bekommen kann und ich erhoffe mir noch eine Kompensation für das Downgrade. Alles andere wäre zumindest ein Wermutstropfen für die furchtbare Woche, die wir in Doha hatten.

Danke euch vorab für eure Hilfe & Ratschläge!

Beste Grüße, Marius

Lieber Marius,
Erstmal schön, dass du sicher und heil wieder zurück gekommen bist.

Wirklich helfen kann ich dir leider nicht, das meiste hast du meiner Meinung nach schon sehr richtig zusammengefasst.

An anderer Stelle wirst du hier die von meiner abweichenden Meinungen finden, die die Kriegslage nicht unbedingt als Grund ansehen, bestimmte Flüge nicht durchzuführen, das wird dann sicher in Zukunft eine Frage für die Rechtsprechung sein.
Meiner Meinung nach greift EU261 allerdings schon grundsätzlich alleine deshalb nicht, weil der Flug außerhalb der EU angetreten wurde und QR keine EU Airline ist.

Alles was deine QR Flüge angeht sehe ich neben einer mangelnden Rechtsgrundlage das Problem, dass du die dann in Katar geltend machen müsstest, da weiß ich nicht, ob und wie das überhaupt möglich ist.

Dein LH Flug ist ein klassischer No-Show Flug, da er auf einem separaten Ticket war, auch da ist es völlig richtig, dass dir S&G zu erstatten sind.

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Die realistischste Variante erscheint mir, eine Teilerstattung der eingesetzten Avios zu verhandeln. Das würde ich zumindest mal versuchen.
Ob ein weitergehender Anspruch wegen des Downgrades besteht, ist für mich schwer zu sagen. Wahrscheinlich eher nicht, erst recht nicht, wenn man Euch dafür bei der Umbuchung eine entsprechende Einwilligung abgerungen hat.
Alle anderen Buchungen drum herum haben mit der QR Buchung so erstmal nichts zu tun, aber klar S&G gibt’s zurück.
Normalerweise gibt es auch für nicht-flexible Flüge in der LH App einen Button für „cancel flight“, der dann zu einer solchen Erstattung führt. Wenn das so nicht angezeigt wird, hilft wohl nur ein Anruf.
Ob man da noch was über die Versicherung machen kann, weiß ich nicht. Theoretisch dürfte da wahrscheinlich „Krieg“ aus den versicherten Umständen ausgeschlossen sein, da es sich aber bei einem innerdeutschen Flug um eine überschaubare Summe handelt, kann das sein, das Amex das einfach so durchwinkt. Also auch hier: einfach versuchen.

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Für den Flug von DOH nach MUC kannst du nur auf Einsicht von QR hoffen. EU261 greift hier nicht, weil es keine EU-Airline ist und der Abflug nicht in der EU war.
Ich hatte das mal vor 2,5 Jahren, dass sie mir zumindest die Differenz in Punkten (zwischen C und Y) erstattet haben und zusätzlich noch 300$. Grund war damals ein Equipment Change und wir hatten wohl geringere Prio als andere :wink:

Hi Marius,

erstmal gut, dass ihr heil rausgekommen seid. Die Situation klingt wirklich unerquicklich.

Ein paar nüchterne Punkte zur Einordnung:

EU261 wird hier ziemlich sicher nicht greifen. Der Flug startete außerhalb der EU und Qatar Airways ist keine EU-Airline. Zusätzlich kommt noch der militärische Konflikt bzw. gesperrter Luftraum dazu, was ohnehin als außergewöhnlicher Umstand gilt. Eine klassische Ausgleichszahlung ist daher sehr unwahrscheinlich.

Was realistischer ist:

Beim Downgrade würde ich versuchen, zumindest eine teilweise Erstattung der eingesetzten Avios zu verhandeln. Das passiert zwar selten automatisch, aber bei Award-Tickets kommt es vor, dass Airlines die Punkte-Differenz zwischen C/F und Y erstatten oder einen Voucher geben.

Die Steuern und Gebühren für die nicht genutzten Flüge (LH, KLM etc.) kannst du in jedem Fall zurückfordern. Das ist kein Kulanzthema, sondern Standard. Wenn es im System keinen Button gibt, geht es meist über das Kontaktformular oder telefonisch.

Die zusätzlich gekauften Tickets (FRA–HAM etc.) könntest du testweise über die Amex-Reiseversicherung einreichen. Krieg ist oft ausgeschlossen, aber bei kleineren Beträgen wird manchmal trotzdem reguliert. Versuch macht klug.

Falls Qatar auf die Anfrage zum Downgrade gar nicht reagiert, könntest du den Fall auch bei der Schlichtungsstelle SÖP einreichen. Die akzeptiert teilweise auch Fälle mit Nicht-EU-Airlines, wenn ein deutscher Zielort betroffen ist.

Unterm Strich würde ich mir keine riesigen Summen erwarten, aber eine teilweise Avios-Erstattung plus Rückzahlung der Steuern/Gebühren ist durchaus realistisch.

Viel Erfolg – und vor allem Respekt fürs Durchhalten dieser Woche in Doha.

Eine ganz andere Frage aus Interesse: Wie war eigentlich die Stimmung in Doha während der Woche? Also Hotel, Flughafen und generell die Atmosphäre in der Stadt.

Mich würde interessieren, ob das eher chaotisch war oder ob alles relativ ruhig und organisiert ablief.

Ich frage auch deshalb, weil ich persönlich wahrscheinlich irgendwann pragmatisch ein Strandhotel gebucht hätte, einfach um aus der Flughafen- bzw. Transfer-Blase rauszukommen und die Situation etwas angenehmer zu machen – erstmal auf eigene Kosten und dann später schauen, ob man etwas erstattet bekommt. Rein statistisch ist das Risiko, dort tatsächlich von irgendetwas getroffen zu werden, ja verschwindend gering. Aber das sagt sich natürlich leicht von außen.

Wie habt ihr die Tage dort erlebt?

Vielen lieben Dank für eure herzlichen und konstruktiven Antworten. Im Grunde bestätigt ihr meine Vermutung, dass ich bis auf die S&G der No-Shows nichts sicher zurück bekomme, einige Dinge nur versuchen kann.

Bei LH habe ich mittlerweile für die beiden Flüge ein Formular zur Erstattung der S&G losgeschickt, mal schauen wie lange das dauert. Um QR habe ich mich noch nicht gekümmert. Bislang habe ich nur eine Hotline gefunden, die ich momentan nicht mit meinem Fall belasten möchte, da sicherlich tausende Passagiere Flüge umbuchen möchten.

Ich werde berichten, was ich wo zurück bekomme.

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Puh, hierzu könnte ich jetzt einen Roman schreiben. Ich bin jetzt seit 5 Tagen hier und ich merke, wie mich das Thema immer noch mental belastet. Für mich kaum vorstellbar, dass Menschen in anderen Ländern teils Jahre unter diesen Bedingungen leben, täglich mehrfach Luftalarm und Detonationen… Ich hatte die ersten Tage hier immer Kopfschmerzen und ich habe vermehrt Flucht-Träume und generell eher einen unruhigen Schlaf seit wir wieder hier sind. Ich merke jedoch auch schon eine deutliche Verbesserung von heute zu Montag, einfach da man nach und nach mehr im Alltag ankommt.

Wie war die Stimmung? Als der Angriff losging waren wir eigentlich bereits in der Luft auf dem Weg nach MUC. Als wir wieder umgedreht sind, war es bei mir und vielen anderen eher eine „boah ne, nervig“ Stimmung. Alle dachten, wir tanken nun neu auf und nehmen dann eine neue Route - so wurde es nach der Landung in Doha auch durchgesagt. Nach 20min kam dann die Ansage, dass der Luftraum gesperrt sei und alle zurück in den Flughafen müssen. Weiterhin eher leicht genervte Stimmung und die Erkenntnis, dass es sich zumindest um mehrere Stunden ziehen würde. Auf dem Weg zurück zur Al Safwa Lounge kam dann der erste Notfallalarm per Handy. Gruselig, als bei jedem im Flughafen der Alarm losging und jede Stimme verstummte. Das war der Moment, als die ersten Raketen Richtung Al Udeid Airbase flogen (größte US Airbase im Mittleren Osten, ca. 30km vom Flughafen entfernt). Mit mulmigem, aber trotzdem sicheren Gefühl saßen wir beim Lunch.

Im Laufe des Nachmittags hörten und spürten wir zum ersten Mal Explosionen. Es war komisch sich bewusst zu machen, dass wir auf einmal in einem Land sitzen, was bombardiert wird. Gleichzeitig waren alle um einen herum so ruhig, dass wir uns davon haben anstecken lassen. Gegen späten Nachmittag wurden Hotel Voucher verteilt und es hieß, um 3 Uhr nachts gäbe es ein Update. Das war uns zu riskant, dann vom Flughafen weit weg zu sein und wir entschieden uns dazu, eine weitere Nacht in einem Schlafzimmer in der Lounge zu verbringen. Da wir tromped waren, fielen wir um 20:15 ins Bett. Um 22:30 wurden wir vom nächsten Luftalarm geweckt. Wieder merkwürdig und ein mulmiges Gefühl, trotzdem haben wir einfach den Alarm ausgemacht und erstmal weiter gepennt.

Um 1 Uhr nachts klingelt es an der Tür. Der Flughafen würde geräumt werden und wir müssten asap aufbrechen. Völlig verklatscht aufgrund der Uhrzeit packten wir unsere Sachen, das Adrenalin sorgte für Konzentration und Kraft. Wir wurden in einer kleinen Gruppe aus der Lounge bis zur Immigration eskortiert, ab da waren wir dann im Pool sämtlicher Passagiere und es gab keine Bevorzugung der First Class Passagiere mehr. Es hat bis 7 Uhr morgens gedauert, bis wir endlich im Hotel waren. Die 6 Stunden kamen uns vor wie das reinste Chaos, mit etwas mehr Abstand zur Situation muss man jedoch sagen, dass die Sache ganz ordentlich gelöst wurde. Trotzdem stand man natürlich über mehrere Stunden in einer Menschentraube mit mehreren tausend Passagieren. Kurz bevor wir „dran“ waren in einen der Busse zu steigen hieß es, das Hotel in das wir sollten sei voll. Wieso stellt man dann so viele Voucher aus? Es dauerte nochmal 10min dann ging es weiter und jeder Voucher wurde handschriftlich geändert. Für uns ging es dann ins Qabila Westbay, ein Hotel der Autograph Collection von Marriott. Ärgerlich, eigentlich wären wir ins Andaz gekommen… :slight_smile:

Fix und fertig waren wir eine der ersten Leute am Checkin bei der Rezeption. Danach gingen wir erstmal zum Frühstück. Während des Frühstücks gab es mehrere Detonationen, die nicht nur sehr laut, sondern auch spürbar im gesamten Hotel waren. Der Saal verstummte etwas, einigen kamen die Tränen. Dieses Gefühl sollte für die nächsten Tage das neue Normal sein.

Die Woche über war geprägt von täglichem, mehrfachen Luftalarm (auch gerne nachts) und sich steigender Langeweile und Frsutration. Die Stimmung im Hotel war in Summe gut, alle waren dankbar, dass wir uns zumindest ums Schlafen und essen (es gab morgens mittags abends Buffet) keine Sorgen machen mussten. Von Anfang an hieß es, Qatar würde für alles aufkommen. Neben der Angst, eine Rakete oder Drohne könnte doch mal nicht abgefangen werden und ihr Ziel verfehlen, war es vor allem die Aussichtslosigkeit und Frustration über das Auswärtige Amt, was am meisten gestört hat. Die deutsche Botschaft in Doha hatte geschlossen. Per Telefon oder Mail war niemand erreichbar. Die Kommunikation über die Elefand Liste war ein schlechter Scherz, es gab in den ersten 5 Tagen 4x die gleiche Mail zu Verhaltensweisen bei Luftalarm aber keinerlei Infos, was getan wird, um uns hier rauszuholen.

Sämtliche Medienberichte bezogen sich stets auf Dubai und Abu Dhabi. Auch die ersten Rettungsflieger waren alle für Gestrandete in den VAE bestimmt, obwohl zu dem Zeitpunkt bereits 48 Flüge pro Stunde aus DXB und AUH abhoben. Nie wurde in den Berichten Doha erwähnt. Man fühlte sich komplett alleine und im Stich gelassen und musste sich dann noch vom Außenminister anhören, man seie ja selbst ein bisschen Schuld wenn man hier gestrandet wäre. Nein Herr Wadephul, es gab KEINE Warnung davor, dass man nicht über Dubai, Doha etc. umsteigen solle. Wir sind ja froh, dass wir zumindest keinen Flieger der Regierung nehmen mussten, um wegzukommen. Dafür hätten wir ja nochmals 500€ p.P. zahlen müssen.

Ich bin weiß Gott keiner, der sich im Stammtisch-Stil über unsere Regierung beschwert und bin überzeugt davon, dass wir in einem der besten, lebenswertesten und privilegiertesten Ländern der Welt wohnen. Die Zeit dort und der Umgang mit den Bürgern hat meinen Eindruck und die Stimmung jedoch bröckeln lassen. Noch nie habe ich mich von meinem Land so im Stich gelassen gefühlt.

Nun ist es doch der Roman geworden - ich hoffe ihr könnt einen halbwegs guten Eindruck bekommen. Sicherlich könnte ich noch auf viele weitere Aspekte eingehen. Ich versuche jedoch, das Erlebteso gut es geht hinter mir zu lassen. Das Gefühl der Erschütterung von in der Luft abgeschossenen Raketen sowie das Geräusch, wenn es den nächsten Luftalarm gibt werde ich in meinem Leben wohl leider nicht mehr vergessen können.

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Marius, danke dir für die ausführliche Schilderung. Viele dieser Details sind hier in Deutschland überhaupt nicht angekommen. In den Medien wirkte das alles deutlich geordneter und kontrollierter – offenbar hat die PR-Maschinerie da ziemlich gut funktioniert.

Dein Bericht bestätigt leider etwas, das ich selbst in den letzten Jahren gelernt habe. Mein Vertrauen in die staatliche Organisation hat während der Corona-Zeit einen deutlichen Knacks bekommen. Bis dahin war ich eigentlich überzeugt, dass in Deutschland bestimmte Dinge schlicht nicht passieren können – wegen Grundgesetz, Verwaltungsapparat und der oft beschworenen „deutschen Organisation“. Ich hatte zuvor längere Zeit in den USA und in Mexiko verbracht und solche chaotischen Situationen eher dort erwartet, nicht hier.

Seit etwa 2020 sehe ich das nüchterner. In Krisen funktionieren Systeme oft deutlich schlechter als man glaubt, auch in gut organisierten Ländern. Am Ende bleibt einem häufig nur, sich möglichst gut selbst zu organisieren und zu hoffen, dass man Glück hat. Das ist keine besonders angenehme Erkenntnis, aber vermutlich eine realistische.

Umso mehr Respekt, dass ihr das alles so ruhig durchgestanden habt. Ich kann mir gut vorstellen, dass einem solche Geräusche und Situationen noch lange nachgehen. Wichtig ist jetzt erstmal, dass ihr wieder sicher zu Hause seid.