Tochter wegen Iran-Konflikt "einmal um die Welt" nach Hause holen :-)

Eigentlich sollte das für meine Tochter und ihren Freund einfach ein ganz normaler Urlaub :globe_showing_asia_australia: werden. Die beiden sind vor kurzem mit Etihad Airways von München über Abu Dhabi nach Taipeh (Taiwan) geflogen.

Der Zeitpunkt war allerdings etwas unglücklich (26.02.) – nur zwei Tage bevor die Kampfhandlungen im Iran begonnen haben.

Der Rückflug wäre eigentlich kommenden Samstag (07.03.) wieder über Abu Dhabi nach München gewesen. Ganz normale Verbindung, alles entspannt gebucht.

Im Normalfall hätte ich als Vater wahrscheinlich gesagt: „Bleibt doch einfach noch ein paar Tage länger dort, genießt Taiwan und wartet ab, bis sich die Lage beruhigt.“

Leider gibt es da ein Problem.

Meine Tochter muss am Montag (09.03.) eine wichtige Klausur an der Uni schreiben. Verschieben ist schwierig und ein Nachschreibtermin nicht garantiert. Sie muss also unbedingt rechtzeitig zurück nach München. :see_no_evil_monkey:

Also begann bei mir relativ schnell das typische Vater-Kopfkino.

Fliegt der Flug überhaupt?

Welche Route wird aktuell geflogen?

Wie nah kommt man am Krisengebiet vorbei?

Was passiert, wenn kurzfristig Lufträume gesperrt werden?

Stranden sie irgendwo unterwegs?

Vielleicht bin ich da übervorsichtig – aber ich wollte dieses Risiko ehrlich gesagt nicht eingehen. Also erstmal der logische Schritt: Etihad kontaktieren und versuchen umzubuchen.

Ich habe:

  • das Kontaktformular genutzt

  • mehrere Anfragen geschickt

  • versucht die Hotline zu erreichen

Das Ergebnis bisher: komplette Funkstille. Telefonisch kommt man kaum durch und wenn doch, hängt man ewig in der Warteschleife. Eine Rückmeldung auf meine Anfrage gab es bisher ebenfalls nicht.

Also habe ich mich selbst an den Rechner gesetzt und angefangen nach Alternativen zu suchen.

Erst ganz klassisch über Skyscanner, Google Flights und Co.

Nach den ersten paar Minuten wurde mir allerdings relativ schnell klar: Das könnte richtig teuer werden. Die Preise, die aktuell für kurzfristige Flüge von Taiwan nach Europa aufgerufen werden, sind teilweise einfach nur völlig absurd.

Ich habe Verbindungen gesehen mit Preisen von 3.000 €, 4.000 € und teilweise sogar noch deutlich mehr. Und das alles wohlgemerkt für Economy / Holzklasse.

Teilweise hatte ich wirklich das Gefühl, dass die Preise das Zehnfache eines normalen Tarifs sind.

Mein Ziel war aber relativ klar:

Ich musste irgendwie zwei Leute rechtzeitig nach München bekommen, ohne dass sie über den Nahen Osten oder auch nur in die Nähe des Krisengebiets rund um den Iran fliegen. Also habe ich angefangen wirklich jede erdenkliche Route zu prüfen.

Europa über: China, Japan, Korea, Mongolei ?

Viele Optionen waren entweder komplett ausgebucht oder preislich jenseits von Gut und Böse.

Ich habe auch versucht Prämientickets über Meilen zu finden. Leider ebenfalls komplett aussichtslos – praktisch null Verfügbarkeit.

Nach mehreren Stunden Suchen, Vergleichen, Kombinieren und wieder Verwerfen kam mir irgendwann eine andere Idee: Warum eigentlich nicht einfach in die andere Richtung fliegen? Also über den Pazifik in die USA und von dort weiter nach Europa.

Und tatsächlich habe ich dort plötzlich eine Kombination gefunden, die zumindest halbwegs bezahlbar war.

Der Rückweg sieht jetzt so aus:

Freitag: 06.03.mit United Airlines von Taipeh über San Francisco nach Seattle. Economy One-Way kurzfristig für ca. 312 € pro Person.

Dann eine Nacht in Seattle.

Samstag 07.03..weiter mit Air Canada von Seattle nach Toronto und anschließend mit der TAP Air Portugal über Lissabon nach Berlin. Preis für diese Strecke: 259 € pro Person in Economy.

Von Berlin nach München habe ich dann noch ein Prämienticket mit Lufthansa gebucht. Kosten:1487 Meilen + 46 € Steuern und Gebühren.(pro Kopf)

Natürlich kamen noch ein paar Nebenkosten dazu: ESTA für die USA, ETA für Kanada und Übernachtung in Seattle. Aber selbst wenn man alles zusammenrechnet, liege ich aktuell bei unter 700 € pro Person für die komplette Rückreise.

Bequem ist das Ganze natürlich nicht gerade. Die beiden machen jetzt quasi eine kleine Mini-Weltumrundung: Taiwan → USA → Kanada → Portugal → Deutschland.

Aber der Vorteil ist kein Naher Osten, kein Risiko über dem Krisengebiet und hoffentlich Sonntagabend wieder in München

Damit sollte die Klausur am Montag noch machbar sein. :grinning_face:

Ich hoffe jetzt einfach, dass alle Flüge planmäßig gehen und nichts mehr dazwischenkommt.

Mich würde wirklich interessieren, wie ihr das seht:

Findet ihr die aktuellen Flugpreise auch so extrem? Und vielleicht hat ja jemand Erfahrung: Besteht eine realistische Chance, den ursprünglichen Rückflug bei Etihad noch erstattet zu bekommen?

Oder habe ich als „übervorsichtiger Vater“, der selbst eine Alternative organisiert hat, am Ende einfach Pech gehabt? :face_with_raised_eyebrow:

Bin gespannt, wie ihr in so einer Situation gehandelt hättet.

LG aus Muc

Andy

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Hi Andy,

Ist tatsächlich, rein im Bezug auf Flüge und das politische mal außen vor gelassen, eine Katastrophe gerade.
Zwei Freunde sind am 26./27. Februar ZRH-AUH-KUL geflogen und hatten somit richtig Glück.
Zwei andere Freunde hätten eigentlich ZRH-AUH-DPS am 2. März fliegen sollen wozu es ja dann nun mal nicht kam. Die zwei fliegen nun am Samstag GVA-PVG-DPS, dafür aber mit Abflug um 8 Uhr morgens bei 3,5h Anreise zum Flughafen (-> Abfahrt zuhause somit um 2:30) und mit 13 Stunden Umstieg in Shanghai. War jedoch die einzige halbwegs bezahlbare Verbindung und nur 100€ teurer als der oneway mit Etihad.

Habe probiert ihnen so gut wie’s nunmal geht zu helfen und letztendlich auch die GVA Verbindung ausgegraben es war sehr nervig. Dazu haben sie die selben Erfahrungen wie du mit dem Support gemacht. Besonders frustrierend fand ich den Twitter Support. Bei dem kam zwar nach zwei Tagen eine Antwort, leider handelte sich aber um den fast identischen Text den Etihad selbst auch in den Twitter Updates postet ohne irgendwelche neuen Infos. Auch die Aussage mit dem kostenlosen umbuchen auf Etihad Flüge in der Zukunft schien mir sehr nach Hokuspokus weil es nirgends eine Option gab zum Umbuchen.

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Ist ja eigentlich logisch, dass die Preise für Flüge die man für Ideal empfindet gerade imens hoch sind. Man ist da leider nicht alleine betroffen, der seine Reise gerne wie geplant machen möchte. Und gerade wenn man jetzt nicht flexibel sein kann wird das zum teuren Problem.
Sei froh, dass Du noch so eine „günstige“ Lösung über USA und Kanada gefunden hast.

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Ich denke, du hast da doch eine solide Lösung gefunden, die zumindest auch Planungssicherheit verspricht. Und in Deiner Situation hätte ich - wenn ich die Variante gefunden hätte - diese vermutlich ebenfalls gebucht, und mich gefreut, da in diesem engen Korsett der Rahmenbedingungen mit einem blauen Auge davonzukommen…

Ob die Prüfung nach dem Höllentrip gut werden wird, steht auf dem anderen Blatt, aber zumindest Vorbereitungszeit ist ja reichlich vorhanden. :zany_face:

Zu meiner Zeit hatte man ja noch zuerst die Prüfung gemacht, und danach gefeiert. :scream:
Aber ich denke, das soll hier nicht das Thema sein…

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Ja, interessanter Aspekt und komische Planung von außen betrachtet.
Da es aber nun mal so ist wie es ist: Die horrenden Preise auf der regulären Route hätte ich auch nicht bezahlt, aber ich hätte versucht, vielleicht gegen ein, zwei Hunderter ein paar Zwischenstopps weniger zu haben. Wäre die TP direkt nach MUC so viel teurer gewesen, dass da wirklich erst noch nach BER geflogen werden muss?

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