Eigentlich bin ich schon „serious“, habe mich etwas unklar ausgedrückt.
Ich widerspreche dir nicht grundsätzlich. Kosten werden natürlich in die Preise einkalkuliert. Mir geht es um die Frage, ob und wie vollständig das geschieht. Das hängt davon ab, wen die Kosten treffen und wie der Wettbewerb auf der jeweiligen Strecke aussieht.
1. Kosten, die alle Anbieter gleichermaßen treffen
Flugsteuer, Flughafengebühren oder Sicherheitsabgaben treffen alle Airlines auf einer Strecke. Niemand kann sich damit einen Preisvorteil verschaffen, deshalb werden sie weitgehend weitergegeben. Hier hast du recht, und das sehe ich genauso.
2. Kosten, die nur einen Anbieter treffen
Bei einem Gerichtsurteil, das nur eine bestimmte Airline belastet, sieht es anders aus. Fliegt ein Konkurrent die gleiche Strecke günstiger, kann die betroffene Airline den Aufschlag nur teilweise oder gar nicht durchsetzen, ohne Passagiere zu verlieren. Dann trägt sie einen Teil der Kosten selbst, also über die Marge.
3. Der Wettbewerb unterscheidet sich je nach Strecke
ZB: FRA–NYC wird von vielen Anbietern bedient. Der Preisdruck ist entsprechend hoch, und die Spielräume für Aufschläge sind klein.
Auf der anderen Seite gibt Strecken mit wenig Wettbewerb und die Preissetzungsmacht ist deutlich größer, auch bei ähnlicher Distanz. Genau deshalb sind Preis und Streckenlänge nicht eng gekoppelt. Das war mein Punkt mit den Kilometern. Er sollte nur zeigen, dass die Marktstruktur den Preis stark mitbestimmt. Er war nicht als Argument gegen Aufschläge gemeint.
4. Das Netz wird als Ganzes kalkuliert
Airlines rechnen nicht jede Strecke einzeln. Eine Strecke kann unter Kosten verkauft werden, weil sie Passagiere für profitable Langstrecken zubringt. Umgekehrt sind Preise auf Strecken mit wenig Konkurrenz, etwa zwischen zwei Hubs desselben Carriers, oft deutlich höher, als es die Kosten allein erklären würden.
Das wird oft falsch verstanden, aber die TOC (Total Cost of Ownership) des Netzwerkes und nicht der einzelnen Strecke ist am Ende massgebend.
Fazit: „Kosten steigen, Preis steigt sofort um denselben Betrag" gilt bei branchenweiten Abgaben ziemlich gut. Bei anbieterspezifischen Kosten ist es dagegen kein Automatismus, sondern hängt von der Marktmacht auf der einzelnen Strecke ab. Das ist alles, was ich sagen wollte.
Genau da liegt das Problem, dass die EC-Verordnung oder individuelle Gerichtsurteile nicht alle Anbieter gleichermaßen treffen.