E., danke für deine Antwort / Einschätzung.
Vorab: es gibt einen Unterschied zwischen Kulanz und gesetzlicher Verpflichtung. Kulanz ist etwas, das ich als Firma nicht tun MUSS, es je nach Fall aber im Sinne von Kundendienst (und Kundenbindung?) sinnvoll ist, dies zu tun.
Eine gesetzliche Verpflichtung ist nicht Kulanz, sondern Pflicht und ich als Kunde sollte davon ausgehen können, dass mein Gegenüber sich daran hält. Kulanz ist nicht einklagbar, die gesetzliche Verpflichtung hingegen schon.
Also ich persönlich finde die Aussage einer neutralen, vermittelnden Stelle, dass Airlines auch bei glasklaren Fällen ihrer gesetzlichen Verantwortung nicht nachkommen, schon sehr bemerkenswert. Diese Stelle kriegt ja weder eine Provision noch Ruhm oder so, sondern ist dazu da, eben gerade juristische Schritte zu vermeiden. Das sollte den Verantwortlichen der Airlines doch zu Denken geben, tut es aber offensichtlich nicht.
Ich persönlich bezweifle, dass die Airlines und ihre Legal-Departments in missbräuchlichen Klagen von Privatpersonen untergehen. Ich bin kein Jurist, aber die unterlegene Partei muss doch dann der anderen Partei je nach Schuldspruch einen Teil oder die gesamten Prozess- und Anwaltskosten bezahlen, oder? Wenn du als Firma / Privatperson einem Gesetz Folge leisten musst (egal, ob dieses Gesetz nun sinnvoll ist oder nicht) und du dich einfach immer weigerst, dann muss man sich auch nicht wundern, wenn sich Anwälte auf diesen Missstand stürzen. Wenn die Firmen ihre Verpflichtungen einhalten würden, hätten sie nur noch die missbräuchlichen Fälle, die die Gerichte dann ablehnen würden. Wo ist dann also das Problem im System?
Fakt ist, dass die Airlines am längeren Hebel sind und die meisten Leute weder das Wissen, noch das Geld, noch die Energie haben zu klagen. Und das wissen die Airlines und sagen einfach mal „No!“ dazu. Was nützt es mir als Pax, wenn ich zwar in jeder Mail mit der Airline auf die Passagierrechte hingewiesen werde, diese mir aber mit System verweigert werden, selbst wenn ich ganz normalen Anspruch habe?
Ich würde nicht gerade von „bösen“ Airlines (oder Grossfirmen generell) sprechen, die den Hals nicht vollkriegen. Aber die Tendenz geht m.E. schon in diese Richtung. Dass aktuelle Beispiel Boeing dient als schöner Anschauungsunterricht, wenn die Buchhaltung wichtiger wird, als das Produkt… Die Dummen sind am Schluss die Kunden (hier die Airlines) und leider die Angestellten.