Grundsatzdiskussion rund um Fluggastrechte: Pro, Contra & andere Meinungen

Solche Kommentare müssen nun wirklich nicht sein.

Wenn es hier so weitergeht, kommt gar niemand mehr aus der Ecke raus. Dann ist das Thema nämlich zu

Persönliche Fehden bitte privat austragen. Oder am besten: gar nicht.

Hier geht es um Fluggastrechte

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Wenn Du Monate vor Abflug von der Turkish einen schedule change bekommst, kannst Du die neuen Zeiten entweder akzeptieren oder stornieren. Niemals buchen die Dich auf eine andere Airline um.

Puh, steile These.

Nein. Praktische Erfahrung.
Bei kurzfristigen Störungen mag das anders sein. Langfristig angekündigte schedule changes bucht TK ausschließlich auf TK um.
Du bekommst als Agent niemals einen waiver für eine Umbuchung auf Fremdmetall. Dann schon eher eine kostenlose Stornierung.

Wie oft ist dir das denn passiert, dass du das so verallgemeinern kannst.
Meine Erfahrungen mit TK sind da nämlich andere

Und wie genau sehen die aus?

Wurde in den wenigen Fällen die ich hatte immer super betreut.
Ich hatte drei Fälle von Unregelmäßigkeit.
Einmal wurde ich problemlos nach verspäteter Ankunft und verpasstem Anschluss problemlos nach Wunsch umgebucht, sogar statt nach DUS nach CGN so dass ich am gleichen Tag noch nach Hause kam, einmal wurde im Vorfeld gecancelt und anstandslos erstattet und einmal hieß es bei einer Verspätung Wetter, da gabs halt Nix, aber gut konnte ich mit leben.
Aber das sind halt Einzelfälle.
Das ist auch das Problem, man hat eine schlechte Erfahrung- die vllt auch Umständen geschuldet sind die man gar nicht überblickt- und gleich heißt es Teufel und Engel.

Ich habe ja auch ausdrücklich von lange im Voraus angekündigten schedule changes gesprochen und nicht von kurzfristig oder gar während der Reise aufgetretenen Unregelmäßigkeiten….

Verstehe ich das richtig. Wenn eine Airline langfristig (länger als 15 Tage) die Flugzeiten ändert und der Passagier damit nicht einverstanden ist, so ist die Airline über die EU261 verpflichtet, den Passagier auch auf Fremdmetall zu buchen?

Ein Geschichte aus der „kleinen“ Schweiz… :blush:
Hier gibt es eine Reiseombudsstelle, die zwischen Kunden und Reisebüros vermittelt, wenn es zu Problemen kommt. Das funktioniert grundsätzlich gut, nur verlagert sich in letzter Zeit das Problem zu den mitgebuchten Flugreisen, weil Airlines bei Stornierung von Flügen oder massiven Änderung von Flugzeiten kaum korrekt walten wollen.
Wohlgemerkt, es geht hier um Pauschalreisen die über ein Reisebüro gebucht wurden, nicht Einzelflüge, wie es die meisten hier im Forum buchen. Also hat in den allermeisten Fällen das Reisebüro schon mit den Airlines über ihre direkten Kanäle korrespondiert und es geht dabei auch nicht um das „Abschöpfen“ von möglichst viel Kohle bei einem Billigflug.

Eckpunkte:

  • Pro Jahr gehen 5‘000 - 7‘000 Anzeigen dein (Tendenz steigend, was ich für die CH erschreckend viel finde)
  • Man ist erst am Abarbeiten von Fällen aus Ende 2022
  • Kulanz ist auch bei offensichtlichen Fällen ein Fremdwort bei den Airlines (Aussage Ombudsmann),
  • Der Vorschlag des Ombudmannes, dass die Ombudsstelle für CHF 1‘000.— pro Airline und Jahr (als CHF 40‘000 pro Jahr für alle Airlines!) als off. Vermittler in allen Fällen auftritt, wurde von dem Board of Airlines Representatives (die in der CH rund 40 Airlines vertritt) abgelehnt, mit der Begründung, dass «bewährte und wirkungsvolle Instrumente zur Durchsetzung der Passagierrechte» existieren.

Artikel:
https://www.srf.ch/sendungen/kassensturz-espresso/espresso/ombudsmann-zu-fluggastrechten-die-airlines-lassen-ihre-kunden-im-regen-stehen

Mir stehen keine Informationen zur Verfügung, ob die Airlines durch ihr Verhalten eine Mitschuld am Entstehen des Gesetzes tragen oder ob die aktuellen Passagierrechte zu einer Flut von missbräuchlichen Beschwerden führten (ich glaube, die meisten Pax kennen die gar nicht).
Fakt ist, es gibt dieses Gesetz und die Airlines tun leider fast alles, um auch berechtigte Zahlungen zu verhindern. Weshalb haben sonst die Klagen der dafür spezialisierten Firmen in den allermeisten Fällen Erfolg?

Ich als Kunde stelle leider fest, dass sich Firmen aller Branchen eigentlich grundsätzlich von Kulanz und Kundendienst verabschiedet haben, egal ob Airlines, Telekom-Firmen, Versicherungen etc… Loyalität zu einer Firma rentiert leider nicht mehr, hier läge sooo viel Potential bei den Firmen. Aber lieber Millionen in Werbung für Neu-Kunden ausgeben, anstatt die bestehenden Kunden einfach korrekt (nicht übermässig!) zu behandeln.

Ich schätze bei der Fülle der Klagen, reagierst du als Firma (und sogar als Privatmann) mit rigiden Regel. Es gibt kaum Raum für Ausnahmen (was eigentlich Kulanz bedeutet), alleine aus zeitlichen Gründen.

Das müssen nicht alle wissen. Es reicht eine Minderheit von „Missbrauchstäter“ und ein Paar findige Anwälte, um die Positionen nachhaltig zu verhärten.

Ich stimme dir 100% zu. Die Frage ist, woran liegt das? Liegt das an die bösen Airlines, die den Hals nicht voll genug kriegen oder daran, dass Regularien und Gesetzgebung (und die draus resultierenden juristischen Auseinandersetzungen) ihnen jegliche finanzielle Luft und Spielraum wegnehmen, um daraus die Kulanz zu bezahlen.

Viele Grüße
E.

Meiner Meinung nach gibt es diese Verpflichtung nicht und wenn es sie gäbe, wird sie in der Praxis definitiv nicht angewandt.

E., danke für deine Antwort / Einschätzung.

Vorab: es gibt einen Unterschied zwischen Kulanz und gesetzlicher Verpflichtung. Kulanz ist etwas, das ich als Firma nicht tun MUSS, es je nach Fall aber im Sinne von Kundendienst (und Kundenbindung?) sinnvoll ist, dies zu tun.
Eine gesetzliche Verpflichtung ist nicht Kulanz, sondern Pflicht und ich als Kunde sollte davon ausgehen können, dass mein Gegenüber sich daran hält. Kulanz ist nicht einklagbar, die gesetzliche Verpflichtung hingegen schon.

Also ich persönlich finde die Aussage einer neutralen, vermittelnden Stelle, dass Airlines auch bei glasklaren Fällen ihrer gesetzlichen Verantwortung nicht nachkommen, schon sehr bemerkenswert. Diese Stelle kriegt ja weder eine Provision noch Ruhm oder so, sondern ist dazu da, eben gerade juristische Schritte zu vermeiden. Das sollte den Verantwortlichen der Airlines doch zu Denken geben, tut es aber offensichtlich nicht.

Ich persönlich bezweifle, dass die Airlines und ihre Legal-Departments in missbräuchlichen Klagen von Privatpersonen untergehen. Ich bin kein Jurist, aber die unterlegene Partei muss doch dann der anderen Partei je nach Schuldspruch einen Teil oder die gesamten Prozess- und Anwaltskosten bezahlen, oder? Wenn du als Firma / Privatperson einem Gesetz Folge leisten musst (egal, ob dieses Gesetz nun sinnvoll ist oder nicht) und du dich einfach immer weigerst, dann muss man sich auch nicht wundern, wenn sich Anwälte auf diesen Missstand stürzen. Wenn die Firmen ihre Verpflichtungen einhalten würden, hätten sie nur noch die missbräuchlichen Fälle, die die Gerichte dann ablehnen würden. Wo ist dann also das Problem im System?

Fakt ist, dass die Airlines am längeren Hebel sind und die meisten Leute weder das Wissen, noch das Geld, noch die Energie haben zu klagen. Und das wissen die Airlines und sagen einfach mal „No!“ dazu. Was nützt es mir als Pax, wenn ich zwar in jeder Mail mit der Airline auf die Passagierrechte hingewiesen werde, diese mir aber mit System verweigert werden, selbst wenn ich ganz normalen Anspruch habe?

Ich würde nicht gerade von „bösen“ Airlines (oder Grossfirmen generell) sprechen, die den Hals nicht vollkriegen. Aber die Tendenz geht m.E. schon in diese Richtung. Dass aktuelle Beispiel Boeing dient als schöner Anschauungsunterricht, wenn die Buchhaltung wichtiger wird, als das Produkt… Die Dummen sind am Schluss die Kunden (hier die Airlines) und leider die Angestellten.

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Ich wiederhole meine Frage: Warum?

Das habe ich auch nicht behauptet, sondern darauf hingewiesen, dass eine Minderheit ausreicht, um die Airlines dazu zu bewegen, zu reagieren.
Ein großer Kritikpunkt an die EU261 ist die pauschale Ausgleichszahlung. Ein Passagier kann eine Entschädigung verlangen, ohne ein entstandener Schaden nachzuweisen. Die Nutznießer der Klageportale überschwemmen der Airlines mit Forderungen. Die Airlines haben zwei Möglichkeiten, entweder versuchen sie diese Forderungen genauso pauschal abzuwehren oder sie erhöhen die Preise und riskieren ihre Wettbewebfähigkeit. Beide Aussichten sind am Ende des Tages auch für den Konsumenten nicht gut.

Immer langsam bitte. Da bewegst du dich argumentativ hier auf sehr dünnem Eis bzw. begibst du dich in Absurdistan. Was Boeing - mit eventuell krimineller Energie - gemacht hat betrifft Produkthaftung und Produktsicherheit, und am Ende gar die Vernachlässigung der Standards, die sich der Industrie eigentlich selbst auferlegt hat. Bei der Diskussion hier handelt sich um Verbraucherechte von Förder-Dienstleistungen und eine bürokratischen Gesetzgebung. Weil hier die Luftfahrt als Gemeinsamkeit erscheint, bedeutet nicht, dass der Fall Boeing ansatzweise und irgendeiner Form vergleichbar ist. Das zu tun bedient weiterhin den Narrativ der bösen Wirtschaft, was Du eigentlich nicht wolltest.

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Natürlich gibt es die, ich hab doch den Link gepostet?!
Ich hab kein Jura studiert, aber:
Du bist ja einen Vertrag eingegangen mit der Airline, dass diese dich von A nach B an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Zeit bringt. Du kannst ja auch nicht einfach sagen, dass dir die Zeit doch nicht passt und dann den Flug 5 Std. später nehmen und die Airline muss dich dann mitnehmen. Dementsprechend muss die Airline dich, bei einer einseitigen Änderung von mehr als x Stunden (Ich glaube es sind 2), ggfs. auch auf Fremdmetall umbuchen.
Hab ich auch schon 3 mal gehabt. 2 mal auf europäischer Kurzstrecke und einmal auf Langstrecke. 2 mal hat es ohne Probleme geklappt, einmal mit E-Mail und Fristsetzung.

Nochmal: Ich rede hier ausschließlich von langfristig im Voraus (mehr als 14 Tage vor Abflug) angekündigten Flugplanänderungen.
Hast Du wirklich einen Fall, den Du darlegen kannst, bei dem Du Wochen oder Monate vor Abflug wegen einer Flugplanänderung auf eine ganz andere, womöglich allianzfremde Airline umgebucht wurdest?
Ich behaupte, dass es so etwas nicht gibt, oder dass es die absolute Ausnahme ist (man soll ja nie nie sagen) und ich habe in Deinem Link auch keine diesbezügliche Regelung gefunden. Da ging alles eher um kurzfristige Probleme, die während der Reise auftreten.

Ja, das habe ich verstanden. Und ich rede auch darüber. Ja, ich wurde dann Monate oder Wochen im Voraus (Ich meine es waren jeweils 4 und 2 Monate sowie 3 Wochen) umgebucht. Weil entweder EW nicht mehr geflogen ist, oder LH und KLM die Zeiten um mehrere Stunden verändert haben. Natürlich hatte ich noch mehr Fälle, aber da passten andere Zeiten bzw. ich war nicht in Eile.
Aber noch einmal: die Airline kann nicht einseitig den Vertrag kündigen/ großartig ändern und du stehst dann ohne Flug da bzw. muss teuer einen neuen kaufen.

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Ich sage ja auch nicht, dass man nicht umgebucht wird, sondern dass man nicht auf eine andere (allianzfremde) Airline umgebucht wird.
In Deinen Fällen wurdest Du konkret von welchen Airlines auf welche anderen Airlines umgebucht?
Dass LH auch auf LX, OS, SN (…) umbucht und KL auf AF oder auch DL, ist klar… Innerhalb der jeweiligen Airline Gruppen oder joint ventures ist das sicher kein Problem. Aber bspw. TK auf LH, langfristig im Voraus, nur weil das den ursprünglich gebuchten Flugzeiten am nächsten kommt? Undenkbar!

Ob undenkbar oder nicht, wenn keine andere Möglichkeit besteht, dann muss LH dich auch z.B. auf KLM umbuchen. Daher, falls notwendig, eben schriftlich mit Frist kontaktieren. Aber kannst du halt persönlich handhaben wie du magst. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass es im Rahmen der Fluggastrechte möglich ist. Schlimmstenfalls mit eigener Umbuchung und Kosten an die Airline weiterreichen, Anwalt etc.

Ok. Was eine „andere Möglichkeit“ ist, ist dann ein dehnbarer Begriff.

Ich halte aber fest, dass wir hier in dieser Diskussion keine Beispiele für tatsächlich erfolgte langfristig im Voraus erfolgte Umbuchungen auf Fremdmetall gesehen haben.