TAP - Flug storniert

Hallo liebes Forum,

nachfolgend ein kurzer Bericht zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit TAP wegen einer Flugstornierung. Dauer 3,5 Jahre.

Am 01.11.2022 sollte unser Rückflug von Punta Cana nach Lissabon erfolgen. 4 Personen in Business. Am Vorabend wollte ich Essen für den Rückflug vorbestellen (wobei wie sich herausstellte, dass nur für die Abflüge ab LIS möglich ist). Dabei hab ich dann erfahren, dass unser Flug storniert wurde. Ich habe hierzu nie eine Info seitens TAP erhalten. Noch nicht einmal am Tag unseres eigentlichen Abflugs kam irgendeine Info seitens TAP mit Alternativen bzgl. unserer Rückreise nach Europa. Anrufe zu TAP in Portugal sowie mehrere Mails waren vergeudete Zeit. Bis heute kam von dort hierzu keine Rückmeldung.

Wir sind dann aber trotzdem (inkl. Gepäck abreisebereit) zum Airport PUJ um dort ggfls. Infos zu bekommen. Da kein Flug von TAP, auch kein Ansprechpartner / Station Manager, etc.. vor Ort. Die arbeiten da ohnehin mit einem Dienstleister, der auch andere Airlines vertritt. Auch dieses Büro war verschlossen, ohne Telefonnr. Oder sonstigen Kontaktmöglichkeiten. Ich habe möglichst alles vor Ort mit Fotos und Screenshots dokumentiert für die spätere Reklamation.

Der günstigste Alternativflug von PUJ nach Europa in Business war mit AC für 32.000 €. Das Risiko war mir da doch etwas zu hoch und hätte mein Kreditkartenlimit auch nicht hergegeben. Also Anruf beim LH - Senatorservice. Die Dame war sehr freundlich und hilfsbereit. Also größtes Lob dorthin ! Unseren Wünschen bzgl. schnellstmöglicher Rückreise konnte mit folgendem Routing entsprochen werden :

  • Bezahlticket in ECO für 1.464 US$ PUJ - BOG mit Avianca
  • Meilenticket in Business BOG - FRA - BUD für knapp 230.000 Prämienmeilen mit LH zzgl. S / G ( 2 x Sen + 2 x Companion Award)

Einige Tage später ging dann meine Mail sowie Einschreiben / Rückschein an TAP bzgl. Schadensersatz i.H.v. 11.600,- €. U.a. Kosten für Telefon 200 €, 1.400,- für Avianca, 5.200,- für die LH - Meilen, 4 x 600 für die

Wo treibst du dich gerade rum?
Alles gut bei Dir?

Sorry, meine Verbindung wurde unterbrochen, daher fehlt des Rest meines Beitrages und ich stelle mich scheinbar zu blöd an, um meinen eigenen Beitrag bearbeiten zu können. Daher geht es im Rahmen einer Antwort weiter.

4 x 600 € für die Entschädigungsleistung, usw.

Seitens TAP keinerlei Reaktionen auf meine Schreiben.

Nach Rücksprache mit Dr. Böse hab ich denen dann nochmals per Mail eine Auforderung geschickt, wobei ich mehrere Freunde / Bekannte mit in den Verteiler dieser Mail gesetzt habe, damit TAP den Eingang nicht abstreiten könne. Erwartungsgemäß kam auch hierauf keine Antwort bis Fristablauf. Dr. Böse konnte meinen Fall aus Kapazitätsmangel leider nicht fortführen, daher wurde ich über meine Rechtsschutzversicherung an einen Kölner Anwalt verwiesen mit dem wir dann TAP im vorgerichtlichen Verfahren zur Entschädigung aufgefordert haben. Erwartungsgemäß erfolglos. TAP hätte mich natürlich informiert und alle erforderlichen Schritte vorgenommen, was natürlich eine Lüge ist. Also Klage einreichen. Nur leider stellte sich heraus, dass der Gerichtsstand für TAP in Portugal ist, die Klage in Deutschland daher nicht verhandelt werden kann. Dann waren dann gleich mal 2.500 € sowie mehrere Monate Zeit verschwendet. Aufgrund meiner Rechtsschutz dann doch nicht so tragisch für mich, aber ärgerlich. Der Kölner Anwalt hat mich dann an einen Bremer Anwalt mit portugiesischer Zulassung verwiesen mit dem wir dann die Klage in Lissabon eingereicht haben.

Nach über 2,5 Jahren wurde dann endlich der Gerichtstermin für den 22.04.2026 angesetzt. Am Vortag, abends um 18 Uhr ruft mein Bremer Anwalt an, er haben mit TAP einen Vergleich ausgehandelt, Zahlung i.H.v. 10.000 €, es müsse aber binnen Minuten entschieden werden.

Da dein Schicksal auf hoher See und vor Gericht bekanntlich in Gottes Hand ist, und ich mein eigenes Prozessrisiko nicht abschätzen konnte, sei es wegen irgendwelcher Formfehler in unserer Klage oder aber Forderungen, die dann doch nicht rechtmäßig gewesen wären, habe ich dem Vergleich dann zugestimmt. Nach einer Vielzahl an weiteren Telefonaten und WhatsApp zwischen 18 - 22 Uhr mit meinem Anwalt und der Anwältin von TAP (dann muss man sich mal vorstellen !) wurden dann die Unterlagen von den beiden Anwälten soweit vorbereitet, dass diese dem Gericht am nächsten Tag vorgelegt werden konnten, meine Zeugenvernehmung sowie die meiner Mitreisenden somit nicht mehr erforderlich waren.

TAP ist mit dem Vergleich nach meiner Einschätzung sicherlich gut gefahren. Die haben einen Teil meiner Forderung gespart, nämlich 1.600 €, sowie Zinsen und Anwalts - und Gerichtskosten.

Ob meine Entscheidung schlussendlich die richtige gewesen ist, werden wir wohl nie erfahren. Was hättet Ihr gemacht ?

Abschließend sei gesagt, dass mein Fall ein weiteres Beispiel dafür ist, dass man sehr wohl sein Recht gegenüber den Airlines geltend machen sollte, auch bei komplizierteren Fällen. Auch wenn es vor Gericht gehen muss. Eine Reiserechtsschutzversicherung ist hierbei sicherlich vorteilhaft. Und vor allem sollte man sämtliche Umstände, emails, Schreiben, usw. dokumentieren. Screenshots von Alternativflügen, dem Online-checkin (bei dem ich vom Storno des Fluges erfahren habe), usw. machen, um möglichst gut vorbereitet den Rechtsweg beschreiten zu können.

In diesem Sinne : happy landing !

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In Budapest und ja, es geht mir gut. Danke der Nachfrage.

Danke für deinen Erfahrungsbericht, ich konnte mich richtig in dich reinversetzen.
Schon krass, dass am Flughafen kein Ansprechpartner zu finden war. War da kein wütender Mob vor Ort? Und auch die mangelnde Hilfsbereitschaft an der Hotline und das nachfolgende Ghosting sind schon ein ziemlich extremes Unding.

Abgesehen vom maximalen, extremen Wegducken von dem Problem (sonst gibt es ja zumindest irgendwelche Alternativen angeboten, und die Diskussionen drehen sich darum, inwieweit diese akzeptabel sind), scheint so ein Verhalten leider nicht gänzlich unüblich zu sein: erst kalte Schulter, dann dicke Hose, und zuletzt den Schwanz einziehen.

Ich denke mit RSV hätte ich bzgl. Vergleich auch so gehandelt, ohne RSV hättest du sicherlich die eigenen Anwaltskosten noch selbst zu tragen gehabt, dann wäre es deutlich weniger reizvoll gewesen.

Mit 32.000€ wäre ich bestimmt auch nicht in Vorleistung gegangen, da wäre mir mein Herz in die Hose gerutscht, aber auch „schon“ bei deinem finanziellen Einsatz (gut, das ist zwar für 4 Personen, aber trotzdem ein stolzes Sümmchen) wäre ich ordentlich nervös geworden. Dass du die Ungewissheit (und die Auslagen) dann über 2 Jahre an der Backe hattest, war bestimmt nicht schön. Immerhin war der große Brocken kein Cash sondern „nur“ Meilen, und die hast du wenigstens gut verkauft bekommen (oder sagen wir mal „fair“, denn eigentlich hätte man da vermutlich noch mehr ansetzen müssen als 2ct pro Meile).

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Ich hätte den Vergleich auch angenommen; die Quote ist ja nicht so schlecht. Letztlich wurde dadurch weiterer mentaler Stress erspart.
Schlimme Geschichte. Ich finde es wirklich bedenklich, wenn keine Kommunikation in so einem Fall möglich ist.

Durch einen Prozess mit LH habe ich gelernt, dass ich, außer bei Bagatellen, beim kleinsten Widerstand den Rechtsweg bestreite.
Wenn man Premium-Klassen fliegt, sollte man auf alle Fälle Geld für eine Rechtschutzversicherung übrig haben.

Es ist vor allem ein Beispiel dafür, dass auch bei „eigentlich“ eindeutiger Rechtslage Überraschungen drohen und man ohne Rechtsschutz tatsächlich zurückhaltend sein sollte.

Hallo und vielen Dank für Eure Meinungen,

bzgl. dem „wütenden Mob“ am Flughafen vor dem geplanten (und dann stornierten) Abflug hast Du mich jetzt aber auf einen überaus interessanten Aspekt aufmerksam gemacht, der mir bisher gar nicht aufgefallen ist. Ich kann mich nämlich überhaupt nicht daran erinnern, dass am Airport eine wütende Menschenmenge wegen diesem Flug gewesen wäre ? Könnte es sein, dass TAP alle Passagiere informiert hatte, wir aber aus irgendeinem Grund schlichtweg vergessen wurden ? Eigentlich wurscht, denn der Keks ist ja mittlerweile gegessen. Die Sache abgehakt. Aber, nichtsdestotrotz könnte das einen Lerneffekt mit sich bringen :

  • jeder (insb. Vielflieger) sollten möglichst eine Reiserechtsschutzversicherung haben
  • bei ähnlichen Fällen sollte / könnte man durchaus einen höheren Meilen - Gegenwert als 2 €ct./Meile ansetzen

Telefonische hotline war übrigens das übliche Spiel von wegen der automatischen Ansagen mit ellenlangen Wartezeiten. Ich hatte da nie einen menschlichen Ansprechpartner erreichen können. Rückrufwunsch gibt es auch bei TAP nicht. Für die paar (lass es mal 10 Anrufe an die TAP - Hotline und den Senatorservice gewesen sein) sind alleine ca. 200,- € an Telefonkosten angefallen.

Wir hatten auch das riesige Glück, dass ich ausreichende Meilen auf dem Konto hatte und dann auch noch mit 2 Senatoren die beiden Companienawards habe nutzen können. Davon mal ganz zu schweigen, dass es überhaupt freie Plätze auf dem Flug BOG - FRA - BUD gab, und das auch noch in Business. Davon mal ganz zu schweigen, dass ich mich relativ gut in der Materie auskenne. Was hätte wohl ein vollkommen unbedarfter Passagier da durchmachen müssen ? Also, ich hatte jedenfalls ganz ordentlich Schweiß auf der Stirn am Flughafen PUJ.

Es ist natürlich ein absolutes Unding, dass TAP überhaupt erst auf anwaltliche Schreiben geantwortet hat. Unverschämt. Aber, scheinbar durchaus üblich in der Branche, auch bei anderen Airlines.

Nur Schade, dass Dr. Böse den Fall nicht hat fortführen können. Evtl. hätten wir da ein besseres Ergebnis erzielen können. Das hat mich echt gewurmt, dass ich TAP „so einfach“ aus dem Verfahren lassen musste. Aber bei den Beträgen muss man schon abwägen, ob man das jetzt durchzieht und Gefahr läuft mehrere tausend € zu verlieren, oder eben die Sache ausreizt und bis zum Ende durchzieht.

Bei LH hatte ich mal vor Jahren beim Partnersale einen Firstflug mit meiner Frau. War glaube ich während der Koronazeit. Kosten ca. 2.100 €/Pers. Flug musste umgebucht werden, da gecancelt, Aufpreis 500 €/Pers. Das hab ich da noch akzeptiert. Danach aber erneute Umbuchung (auch wieder von LH bedingt) erforderlich und passte uns zeitlich nicht, habe ich dann die Erstattung gewählt. Meine Flugkosten wurden nach ca. 2 Monaten erstattet, trotz mehrerer Anrufe und Mails. Aber die Erstattung für meine Frau hat beinahe 1 Jahr gedauert ! Obwohl das eine Buchung war mit ein und demselben Buchungscode. Wahrscheinlich bin ich es selber Schuld, da nicht schon früher einen Anwalt eingeschaltet zu haben.

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Moment mal, verstehe ich das richtig? LH hat gecancelt und dann noch einen Aufpreis verlangt? [fassungslos]

Ich hab nur eine kleine Frage, weil hier die Rede von einer Reiserechtschutz Versicherung ist. Sowas suche ich schon eine Weile, kann aber keine finden die im Paket nicht mindestens Privat oder Verkehr zusätzlich beinhaltet, welche ich aber natürlich nicht brauche. Gibt’s sowas wirklich und falls ja, kann jemand so lieb sein und eine Empfehlung aussprechen.

In der ADAC Plus Mitgliedschaft ist z.B. eine Reiserechtsschutz enthalten. Die habe ich jetzt schon häufiger in Anspruch genommen, unkompliziert und scheint auch schnell zu sein. Bisher habe ich alle Verfahren gewonnen (wenn es überhaupt zur Verhandlung kam), ob zukünftige Deckungszusagen nach einer Niederlage immer noch so unkompliziert laufen, kann ich nicht sagen.

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Und das hat der Anwalt deiner RSV nicht von Anfang an gewusst?

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Hallo,

da die Tickets in Deutschland gekauft wurden, ist der Anwalt von einem Gerichtsstand in D. ausgegangen. TAP konnte das aber „wegdiskutieren“ und den portugiesischen Gerichtsstand durchsetzen. Das war nichts anderes als Verfahrenstaktik seitens TAP um die Latte weiter rauf zu setzen und mich von einer Fortführung des Verfahrens abzuschrecken. Ich mache dem Anwalt da keinen Vorwurf, da es wegen der RSV nicht mein „Kosten“-Problem war. Eigentlich hast Du aber Recht. Der Anwalt hätte das eigentlich wissen sollen, dürfte man zumindest annehmen.

Die First - Umbuchung war koronabedingt erforderlich. Aufpreis 464 €/Pers. Das Routing änderte sich damals von AMS-ZRH-BKK in LUX-ZRH-BKK. Klar hätte man sich da auch streiten können, aber selbst mit dem Aufpreis kamen wir auf „nur“ 2.500 €/Pers. für die First. Immer noch ein guter Preis.

Ähnliche Erfahrungen hab ich mit TAP auch gemacht. Fast drei Jahre bis lächerlich wenig Geld da war. Ich hatte es leider auch nicht durch den Anwalt Böse machen lassen können, genau wegen Gerichtsstand da AbflugHafen Amsterdam war.

Aber Lufthansa ist inzwischen exakt genau so drauf. Immer erst alles ablehnen und hoffen dass nicht eskaliert wird. Für mich ist das schon gewerbsmäßiger Betrug, dafür würde ich sogar Geld für ein richtiges Verfahren spenden.

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Bei uns hat die Privatrechtschutzversicherung das abgedeckt.

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Gerade deswegen wähle ich keinen RSV-Hansel als Anwalt, nur weil der empfohlen wurde. Das ist eigentlich glasklar, dass der Rechtsstand hier nicht DE ist.

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So klar ist das nicht. Airlines haben mehrere Geschäftssitze und je nach dem wie/wo das ticket gekauft wurde gilt dann der jeweilige Gerichtsstand. Es ist normalerweise am ticket Vermerkt welches Büro es ausgestellt hat. Z.b. Im flyertalk wurde diskutiert wie schweizer mit trick ein LH Gruppe ticket vom italienischen Büro kaufen damit der italienische Gerichtsstand gilt.

Hat eine Weile gebraucht mein Konto zu aktivieren, aber tatsächlich bin ich schon seid Jahren Plus Mitglied und damit versichert gewesen bei allen vergangenen Reisen. Ich danke dir wie verrückt.

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Erst mal Glückwunsch ! Das ganze kenne ich von TAP ebenfalls aber mich wundert, dass Du in Portugal klagen musstest. Ihr habt also einen Transação mit Vollstreckbarkeiz nach (EG) Nr. 805/2004 geschlossen ?
Eigentlich ist bei einem Fluggastrechte Fall (darunter fällt dieser) ider Gerichtsstand immer der Wounsitz des klagenden. Es gibt genügend Urteile gegen TAP aus den Gerichten in FFM 308 O75/20 oder Berlin. Ich habe die TAP in München verklagt, wobei TAP vor der Urteil die Entschädigung und die Ersatzbeforderung bezahlt haben. Streitwert damals 5835 Euro.

Eigentlich ist es entweder das Gericht am Abflugsort oder der Sitz der Airline. Abflug war in diesem Fall ja außerhalb der EU, aber es gibt mit Sicherheit eine Niederlassung in Deutschland.