Erfahrungsbericht: Mein Weg zur Chase Sapphire Reserve (inkl. US-Urlaubs-Review & 150k All-Time High Bonus)
Ich bin mittlerweile seit fast zwei Jahren Kunde bei Chase in den USA – gestartet bin ich dort mit einem normalen Checking Account. Meine erste Kreditkarte folgte im Oktober letzten Jahres, ich bin also seit etwas über einem halben Jahr im Chase-Kreditkartengame dabei.
Aller Anfang ist schwer: Die Chase Freedom Unlimited & Freedom Flex
Gestartet bin ich bei Chase mit einer typischen Anfänger-Kreditkarte, der Chase Freedom Unlimited. Diese nutze ich allerdings nicht besonders häufig. Der Grund: Sie erhebt leider Fremdwährungsgebühren bei Zahlungen außerhalb der USA. Da man sie zudem nicht bei der Curve-Karte hinterlegen kann (da Visa Karte), gibt es hier leider keinen einfachen Workaround, um diese Gebühren einzusparen.
Stattdessen greife ich im Alltag häufiger zur Kreditkarte meiner Frau, die wir einen Monat später eröffnet haben: der Chase Freedom Flex. Diese lässt sich als Mastercard problemlos bei Curve hinterlegen, wodurch wir die Auslandseinsatzgebühren bei Zahlungen in Euro umgehen können. Ein riesiger Vorteil dieser Karte sind zudem die dreifachen Multiplikator-Punkte auf Drogerien und Apotheken (Drugstores). Da ich in Apotheken regelmäßig sehr hohe Umsätze habe (wie ich hier im Forum schon mal erwähnt hatte), lohnt sich das extrem.
Der Planwechsel: Capital One oder das 150k All-Time High von Chase?
Eigentlich hatte ich im Mai 2026 gar nicht vor, mein Chase-Portfolio direkt weiter auszubauen. Mein eigentlicher Plan war es, erst einmal einen Fuß bei Capital One in die Tür zu bekommen. Doch dann kam Anfang Mai beim Einloggen in die Chase-App der Hinweis, dass ich für beide Top-Reisekreditkarten vorabgenehmigt (pre-approved) sei – also sowohl für die Preferred als auch für die Reserve.
Ein paar Tage später haute Chase Anfang Mai ein absolutes All-Time High beim Willkommensbonus raus: 150.000 Punkte/Meilen für die Chase Sapphire Reserve (regulär sind es sonst 125.000 Punkte).
Da wir Ende Mai für 14 Tage über die Pfingstferien mit der Familie in die USA fliegen wollten, geriet ich ins Grübeln. Nach kurzer Überlegung habe ich die Karte noch vor dem Urlaub beantragt. Kleiner Spoiler: Im Nachhinein war das die absolut beste Entscheidung!
Der Antrag war vollkommen problemlos über die Chase App. Ich habe keinen VPN benutzt und Chase hat, wie ich im Nachgang festgestellt habe, keinen Hard Pull mehr durchgeführt bei der Beantragung der Karte.
Ich konnte die Karte sofort bei Google Pay hinterlegen und daher auch gleich in den Einsatz bringen.
Die Hard Facts & Wie sich die Jahresgebühr sofort amortisiert hat
Die Karte kommt mit einer stolzen Jahresgebühr von 795 USD im ersten Jahr daher. Klingt viel, aber allein mit dem 150k-Bonus ist das im ersten Jahr ein absoluter No-Brainer. Das Rechnen lohnt sich aber auch abseits des Bonus, denn die Karte bietet handfeste Vorteile, die ich im USA-Urlaub perfekt ausnutzen konnte und die die Jahresgebühr sofort wieder reingeholt haben:
- 300 USD Travel Credit: Ein jährliches Guthaben, das extrem flexibel für Hotel- oder Flugbuchungen angerechnet wird.
- 2x 250 USD Sonder-Gutschriften (pro Halbjahr) für „The Edits“ Hotelbuchungen: Hierbei handelt es sich meist um Luxushotels in Großstädten. Einziger Haken: Man muss mindestens zwei Nächte bleiben.
- 250 USD Sonderbonus: Ebenfalls für Mindestaufenthalte von zwei Nächten in bestimmten, von Chase ausgewählten Hotels (insbesondere der IHG-Gruppe).
Das Beste daran: In unserem letzten Urlaubshotel in Denver (einem 2-Nächte-Aufenthalt) konnte ich tatsächlich die zwei letzten Perks auf einmal aktivieren! Da die Unterkunft sowohl ein The Edits-Hotel als auch ein von Chase speziell ausgewähltes Hotel war, wurden überraschend beide 250-Dollar-Guthaben parallel getriggert.
Zusammen mit dem allgemeinen 300 USD Travel Credit hatte ich nach dem Urlaub also 800 USD an Gutschriften wieder drin. Damit war die Jahresgebühr von 795 USD bereits ausgeglichen (sogar 5 Dollar Plus) – und das komplett ohne den extrem wertvollen Willkommensbonus!
Daneben gibt es noch Apple Music und Apple TV für ein Jahr umsonst. Glücklicherweise funktionieren beide Services auch auf meinem Google Pixel Handy bzw. Apple TV auch auf meinem Windows HTPC (die älteren unter Euch wissen noch, was ein HTPC ist…
)
Das Chase Travel Portal & Die Multiplikatoren im Alltag
Die Karte bietet hervorragende Multiplikatoren, die aus meiner Sicht vor allem über das eigene Chase Travel Portal glänzen. Hier gibt es satte 8-fach Punkte auf Hotelbuchungen. Bucht man direkt beim Hotel oder der Airline, gibt es immerhin noch 4-fach Punkte.
Zum Vergleich: Wenn ich über Drittplattformen wie Expedia buche, gibt es bei Chase nur 1-fach Punkte. Da ist meine Amex Green, die ich bereits besitze, deutlich besser aufgestellt – dort bekomme ich pauschal 3-fach Punkte auf Travel und Transit im weitesten Sinne.
Ansonsten: Dining 3X, alles andere 1 X.
Das Chase-Portal lohnt sich also nur, wenn die Preise konkurrenzfähig sind. In den USA war das definitiv der Fall: Ich habe dort mehrfach Hotels über das Chase-Portal gebucht und die Preise vorab penibel mit Expedia, Hotwire, Priceline oder den Hotel-Websites direkt verglichen. Die Preise waren fast immer identisch – maximal lag das Chase-Portal mal 1 bis 5 Dollar darüber. Wenn man dafür aber 8-fach Punkte statt 3- oder 4-fach Punkte kassiert, ist das ein genialer Deal.
Gegenbeispiel Europa: Vor dem USA-Urlaub wollte ich einen Aufenthalt in Griechenland (Sommerferien 2026) im Robinson Club über das Chase-Portal buchen. Das hat sich überhaupt nicht gerechnet. Das Portal war für eine Woche mehrere hundert Dollar teurer als europäische Reiseseiten oder TUI direkt. Ich vermute, dass Hotelbuchungen außerhalb der USA bzw. in Fremdwährungen über das Chase-Portal generell weniger attraktiv eingepreist sind. Ich werde das aber weiter beobachten.
Mindestumsatz und der geniale Priority Pass für Familien
Um die 150.000 Punkte Willkommensbonus zu erhalten, muss man innerhalb von 3 Monaten einen Mindestumsatz von 6.000 USD generieren. Durch den USA-Urlaub hatte ich diesen Betrag ruckzuck erreicht, was in der App sogar mit einer netten kleinen Animation belohnt wurde.
Ein weiteres Highlight der Karte ist der inkludierte Priority Pass. Das Besondere bei der Chase Sapphire Reserve: Der Pass gilt nicht nur für den Inhaber, sondern erlaubt die kostenlose Mitnahme von zwei Begleitpersonen. Für uns als dreiköpfige Familie (zwei Erwachsene, ein Kind) ist das Gold wert! Viele andere Kreditkarten erlauben gar keine oder maximal eine Begleitperson. Da ich von meinem Heimatflughafen Basel aus oft mit EasyJet fliege – wo man standardmäßig natürlich keinen Lounge-Zugang hat –, wird uns dieser Pass in Zukunft extrem gute Dienste leisten.
Behalten oder Kündigen im zweiten Jahr?
Ob ich die Karte im zweiten Jahr behalten werde, wenn der fette Willkommensbonus wegfällt, muss ich sehen. Da muss man nach 12 Monaten einfach hart gegenrechnen. Fakt ist: In den USA lassen sich die Perks und Guthaben deutlich einfacher abgreifen als in Europa oder auf anderen Kontinenten. Wie gut sich die Gutscheine im europäischen Alltag nutzen lassen, wird sich erst noch zeigen müssen.
Neue Regeln bei Chase: Die „Lifetime-Language“
Chase hat vor einiger Zeit eine Klarstellung bezüglich der Willkommensboni für ihre Top-Karten (Sapphire Reserve und Sapphire Preferred) veröffentlicht. Man darf zwar beide Karten parallel im Portfolio halten und kann auch für beide Karten den Bonus aktivieren (wenn man z. B. die Reserve hat und die Preferred zusätzlich beantragt). Allerdings gilt dieser Bonus nun offiziell als Lifetime-Bonus – man bekommt ihn laut den Bedingungen später nicht noch einmal, wenn man die Karte kündigt und neu beantragt.
Da diese Regelung relativ neu ist, gibt es dazu noch keine echten Langzeiterfahrungen. In US-Foren wird jedoch spekuliert, dass es nach 3 bis 4 Jahren eventuell doch wieder möglich sein könnte oder dass spezielle „Targeted Links“ auftauchen, die diese Lifetime-Sperre umgehen.
Die überarbeitete kleine Schwester: Chase Sapphire Preferred (Update seit 15. Juni)
Ganz kurz noch zum Vergleich: Die kleinere Chase Sapphire Preferred (Jahresgebühr: 95 USD) wurde frisch zum 15. Juni überarbeitet – und das im Wesentlichen sehr positiv:
- Neu: 3-fach Punkte auf Tankstellen und EV-Charging (Elektroautos).
- Verbessert: Der jährliche Hotel-Credit wurde von 50 USD auf 100 USD verdoppelt. Damit holt man die Jahresgebühr von 95 USD schon mit einer einzigen Hotelübernachtung rein und macht sogar noch 5 Dollar Gewinn. Die Jahresgebühr selbst ist gleich geblieben.
- Der Haken: Die Transferrate zum extrem beliebten Partner World of Hyatt verschlechtert sich bei einer Neubeantragung leider von 1:1 auf 4:3.
Trotzdem ist die Preferred zu den Konditionen ein absoluter No-Brainer. Aktuell gibt es sie sogar mit einem erhöhten Willkommensbonus von 100.000 Punkten statt der üblichen 75.000 Punkte.
Ich bin tatsächlich am Überlegen, ob ich hier auch noch zuschlagen soll. Eigentlich brauche ich sie neben der Reserve nicht, aber die 100k Punkte sind verdammt verlockend. Alternativ überlege ich, ob meine Frau die Karte beantragen soll. Da die Aktion vermutlich noch ca. sechs Wochen läuft, habe ich zum Glück noch etwas Bedenkzeit.





