Lufthansa → Verschlechterung Kompensation EU 261/2004 und §§ 280, 249 BGB
Hallo, ich wollte gerade mal aktuelle Erfahrungen/Beobachtungen mitteilen!
Ich habe diverse Kompensations- und Schadenersatzanspüche bei Lufthansa, wie wohl jeder Vielflieger zwangsläufig gehabt. In den vergangenen 3-4 Jahren wurden die praktisch fast automatisch akzeptiert - das war wirklich fast schon vorbildlich. Jetzt in 2 Fällen aus 2026 wird alles komplett grundsätzlich abgelehnt. Obwohl die Rechtslage mehr als nur klar ist! Beide Fälle gehen gerade wieder an das Amtsgericht Köln! Sehr ungewöhnlich bei so extrem klaren Fällen! Ich habe das Gefühl das die Mitarbeiter der Senator-Hotlines usw. auch dahingehend geschult wurden keine Kompensation und ähnliches mehr zuzulassen und schon in den Gesprächen daraufhin zu wirken “Wir überweisen ihnen den Kaufpreis für den Ausgefallenen Flug und gut!” - Wo ich aber immer klares Nein äußere - bekommen die da ggf. Provision??? Auch die Qualität bzw. die Berechtigungsstufen etwas umzubuchen usw. scheinen nicht mehr die alten zu sein … auch die Rückfrage beim Supervisor bring keine besseren Ergebnisse - das war vor 1-2 Jahren noch ganz anders! Die Hotlines können plötzlich nicht mehr als einem auch Online (z.B. eine Ersatzverbindung) angeboten wird. Vielleicht ist das auch schon die Vorbereitung die Hotline komplett demnächst durch eine KI zu ersetzen, wenn diese auch nicht mehr können als die vorgefertigte Auswahl auf der LH-Seite bei einer Umbuchung usw.
Oder wurde ich gar evtl. schon speziell “Gelistet” für spezielle schlechtere Behandlung oder hat noch jemand ähnliche Erfahrungen in jüngster Zeit?
In der Presse lese ich das die Amtsgerichte in Köln , Frankfurt usw. zunehmend an die Belastungsgrenzen kommen!
Kann ich nur so bestätigen, vor einigen Jahren war alles noch in Ordnung. Hier habe ich meinen „Lieblings“ Fall von März erklärt. Kurz gesagt: 2 Tage Verspätung und 2 mal denied boarding und 2 nötige Übernachtungen in FRA/MUC wegen overbooking. Eigentlich glas klarer Fall. Lufthansa antwortete mir erst, man könne keine Unregelmäßigkeit auf der Reise feststellen, dann ignorierte man meine Antwort mehrere Monate. Auch vor der SRUV (da liegt es seid März) knickte man (anders als sonst gewohnt) nicht sofort ein und ich warte auf jegliches Lebenszeichen seitens LH/ SRUV.
Also die Schlichtungsstelle Reise & Verkehr e.V. ( SRUV ) hatte ich ein einziges Mal genutzt bzw. ausprobiert - ist schon paar Jahre her - und war von der Rechtsauffassung und dem “Vergleichsvorschlag” regelrecht schockiert. Das war einfach extrem zugunsten der Airline und entsprach auch nicht der Gesetzgebung! Naja, die SRUV wird ja auch von der Lufthansa bezahlt - was will man da erwarten - jedenfalls offensichtlich keine Unabhängigkeit! Hatte dankend abgelehnt - vor dem Amtsgericht hat Lufthansa dann wie eigentlich üblich kurz vor dem Verhandlungstermin alles ohne Schuldanerkenntnis bezahlt. Ich hätte ja immer gerne das es zu einer Verhandlung kommt - aber Lufthansa möchte nicht das wir hier Gerichtsurteile posten wo die LH ganz schlecht da steht!
Grundsätzlich verstehe ich auch das Dilemma in dem die Lufthansa und die übrigen Europäischen Airlines stecken. Die EU Verordnung 261/2004 ist ein krasser Wettbewerbsnachteil gegenüber den Airlines außerhalb der EU! Denn die müssen fast gar nichts zahlen im Vergleich! Haben viele bestimmt jetzt bei Qatar Emirates usw, in den letzten Monaten gemerkt,
Eigentlich darf das so nicht sein - Die Verordnung muss zumindest auch auf die anderen Airlines ausgeweitet werden die hier in der EU starten und landen!
Innerhalb gewisser Grenzen ist dies ja bereits der Fall, aber eben nur bei Abflug aus der EU. Das ist in meinen Augen tatsächlich etwas merkwürdig, dass Flüge derselben Reise, auf demselben Ticket auf der Rückreise nicht mehr unter die Verordnung fallen, weil der Abflug nicht in der EU ist.
Dass man Reisen nicht abdecken kann, die die EU nicht berühren ist klar, aber ich finde es trotzdem schlecht gelöst (bzw. gar nicht gelöst).
Sie gilt ja auch für nicht-EU-Airlines, wenn sie in der EU starten. Nur halt nicht in die andere Richtung, wenn sie landen.
Ich denke auch, dass die interne Message bei LH und vielen anderen Airlines ist: ablehnen und zurückweisen wo es nur geht. Die Leute geben dann schon auf. Sollen sie halt klagen, kommt uns langfristig billiger.
Ich wünschte nur, man könnte ihnen dann noch die verplemperte Zeit, die man aufwenden muss, um seine Rechte und Ansprüche durchzusetzen, rechtskräftig in Rechnung stellen. Jede Mail à 50 Euro. Jeder Anruf à 30 Euro bspw…jeder Tag, der verstreicht, an dem nicht ausgezahlt wird, werden weitere 100 EUR fällig. Einfach mal den Spieß umdrehen.
Genauso ist es. Bei einem einzigen Flug, der meinetwegen innerhalb der EU 3,5h verspätet landet sind geschätzt mindestens 120 Passagiere drin. Wie viele davon fangen wohl anschließend an, der Airline Emails wegen der Verspätung und Entschädigung zu schreiben? Die Hälfte? Oder noch weniger. Von denen werden dann nochmal etwa 50% wegsortiert, weil sie durch die Abwimmeltaktik aufgeben.
Da wird eine ganz andere Bilanz bei rauskommen, als wenn man den Passagieren proaktiv eine Nachricht schickt und darauf hinweist, dass einem eine Entschädigung zusteht, wo man im Endeffekt nur noch die Kontodaten eintragen muss (ist mir mal so geschehen auf einem AF Flug von BER nach CDG).
Natürlich ist die erste Variante wesentlich billiger für die Airline.
Oder man sehe sich die Menschentrauben an, die gefühlt jedesmal wenn man an einem Hub umsteigt an den Transitschaltern Schlange stehen, weil sie ihren Anschluss verpasst haben. Die meisten davon hätten auch Anspruch auf Entschädigung, aber wie viele von denen setzen sich nach der Reise dran, um das geltend zu machen?
Von meinem Gefühl her sind Flüge im laufenden Jahrzehnt deutlich häufiger unpünktlich als noch vor Corona, dazu gibt es Daten. Und da bekomme ich dann doch Zweifel, ob eine unkompliziertere Auszahlung wirklich in unser aller Interesse ist. Irgendwo müssen diese Entschädigungszahlungen ja in die Betriebskosten eingepreist werden und irgendjemand muss das auf lange Sicht bezahlen. Ziemlich logische Folge von „mehr Entschädingungszahlungen“=„höhere Betriebskosten“=„höhere Ticketpreise“.
Nicht falsch verstehen: Ich bin auch sehr gerne dabei, meine Ansprüche gegen Airlines durchzusetzen, aber wenn ich mir die ganzen Verspätungen angucke und mir vorstelle, solche Ansprüche würden mehr oder weniger automatisch ausgezahlt, komme ich doch ins Grübeln.
Ich glaube im Moment wird bei den Airlines gerade wieder gewaltig auf die Kostenbremse gedrückt.
Sie spüren aktuell die hohen Spritpreise, das war so nicht budgetiert.
So auch bei LHG.
Da passt auch die Geschichte rein, dass man für C Sitze erste Reihe jetzt plötzlich Geld nimmt (seit 22.7.)
Natürlich versucht das Controlling bei der Kompensation zu sparen.
Hier gilt einfach wieder einmal die alte Weisheit, „Wissen ist Macht“.
Bei Nichtwissen hast du keine Chance, die Kompensation wird dir nicht nachgeworfen.
50% der Reisenden würde ich in die Kategorie Nichtswisser setzen.
Bei den anderen 50% gibt die Hälfte bei negativem Bescheid enttäuscht auf.
Die restlichen 25% kämpfen und werden dann halt mal hingehalten damit nochmals 10% aufgeben.
Der Rest wird dann kompensiert.
Aus Airlines Controlling Sicht absolut lohnend. „The Math works! P&L protected!“
Darüber spricht natürlich keine Airline offen.
Wird mit den neuen Regeln aber nicht mehr so leicht funktionieren, zumindest in der Theorie. Dann müssen die Airlines ja von sich aus auf mögliche Entschädigung hinweisen.
Das tun sie ja bereits in einer etwas nichtssagenden blabla Aussage auch zum Thema „denied boarding compensation“. Da packt man das Verspätungsthema mit rein und dann steht da irgendwo im Kleingedruckten, dass einem „möglicherweise“ eine Entschädigung zusteht und das es dafür ein Formular gibt oder sowas.
Ich weiß nicht, ob sie nach der neuen Vorschrift im konkreten Fall auf den Anspruch hinweisen müssen. Sonst ist das halt so ein Satz, der immer irgendwo dabei steht und den die meisten sowieso überlesen.
Ich habe von Anfang an nie verstanden, warum ausländische Airlines diesen massiven Wettbewerbsvorteil erhalten. Beide berühren beim Rückflug die EU. Selbst ich buche da lieber auf EU Airlines, weil mittlerweile (Gott sei Dank) meine Flüge immer ausfallen und meine Reise damit finanziert ist. Den ausländischen Airlines kann es da ja fast schon egal sein, wann sie hier ankommen.
Ist doch gut, dann werden Airlines, welche zu viele Verspätungen haben, aus dem Markt verdrängt - natürlich nur da, wo kein Monopol herrscht. Die verdeckten Kosten bei Buchung eines Rückflugs mit einer Nicht-EU-Airline muss dann eben jeder selbst auf das Ticket aufschlagen.
ich denke, dass ist kein LH spezifisches Thema sondern das leidige Thema der EU 261 im allgemeinen.
Das die Airlines da schlicht das von @CapitalMike angesprochene Einsparungspotential nutzen mag verwerflich sein, aber es ist letztlich zulässig.
Das ist natürlich eine logische Erklärung. Aber sie ignoriert den zugrundeliegenden Grund. Man sollte doch fragen, warum sind gewissen Airlines, Flüge, Flughäfen überdurchschnittlich involviert in Verspätungen?
Da sollte man doch ansetzen anstatt darüber zu jammern, dass die Kompensationszahlung die Airlines ruiniert. Jede Verspätung kostet die Airline doch auch ohne Kompensationszahlung bares Geld. Da sollte man ansetzen.
Flugplan entschlacken. Mehr Puffer einbauen. Weniger Slots an Flughäfen anbieten/wahrnehmen, etc. Natürlich ist das auch ein regalutorischer Aspekt dabei: Fluglotsen brauchst Du mehr um Engpässe zu vermeiden, eventuell auch mehr Flexibilität für Ruhepausen in Ausnahmefällen, etc etc
Klar, das resultiert auch in höheren Ticketpreisen. Aber ehrlich gesagt ist es doch wohl besser eine höhere Gewissheit zu haben pünktlich anzukommen als damit Lotterie zu spielen und Anschlussflüge zu verpassen, usw. Dafür würde ich höhere Preise in Kauf nehmen. Aber nicht weil die Airline jammert, “wir verlieren Geld wegen EU261” … ja, schleich di, sag ich, und fix your underlying problem.
Und hinsichtlich des Kompensationsprozesses würde ich sogar noch weiter gehen. Jede Kompensation ist ja zugleich auch eine Art Strafe für die Airline weil sie was verkackt hat. Insofern sollte die Zahlung nicht der Airline überlassen, sondern sie direkt dazu zwingen bzw. durch zuständige Behörden einfordern. Alle benötigten Infos sind idR ja bekannt. Da ist nix geheim. Ist ein Flug verspätet? Ja/nein? Airline ist schuld? Ja/nein? Kompensation gegeben? Ja/nein? Wieviel Passagiere? 120. Da ist das Manifest mit allen Kotnaktdaten. Offener Betrag: 250 Euro x 120. Bumms. Airline muss überweisen innerhalb von 14 Tagen. Ob direkt zum Passagier oder via einer behördlichen Stelle ist mir wumpe. Aber das kann alles munter von einem Regulator überprüft werden. Wer nicht mitmacht, zahlt Strafe oder kriegt Flieger beschlagnahmt. Man muss halt manchmal Leute an die Hand nehmen, wenn sie nicht können oder ihnen in den Arsch treten, wenn sie nicht wollen. Das machen wir bei vielen Alltagsdingen auch so. Warum nicht hier? … Achso ja, weil Passagiere keine Lobby haben sondern nur Bezahlvieh sind.
Es fällt mir auf das immer wieder in den verschiedensten Beiträgen (nicht nur von @Puma ) auf den angeblichen Wettbewerbsvorteil von nicht-EU Airlines abgehoben wird. Es ist doch genau andersrum: Eine Airline die sich gesetzeskonform verhält und ihren Kunden auf Augenhöhe begegnet und Entschädigungen anstandslos bezahlt und notwendige Umbuchungen ohne rumgezicke vornimmt hat doch einen massiven Wettbewerbsvorteil gegenüber z.B. Qatar (siehe die einschlägigen Erfahrungen hierzu im Forum).
Wer will denn nach so einer Erfahrung noch mit denen fliegen?
Das scheint der LHG Vorstand nicht zu begreifen. Nachdem man es erfolgreich geschafft hat von einer Fünf-Sterne Airline zu einem überteuerten LCC zu mutieren will man jetzt auch noch Michael O’Leary in Aggressivität in customer relations übertrumpfen. Das ist kein Wettbewerbsvorteil.
Der Weg nach unten ist kurz. Der Weg nach oben ist schwierig und steinig und teuer.
Ich denke es gibt durchaus Nachteile die durch gesetzliche Vorgaben entstehen.
Das was du beschreibst mag in einem freien Markt etwas bewirken aber nicht in einem so streng regulierten wie der EU.
Insbesondere in einem Geschäft wo das wichtigste für den Kunden ist, von A nach B zu kommen zum günstigsten Preis, wenn wir auf der Kurz- und Mittelstrecke bleiben.
Letztes Jahr im Mai kam ich mit ANA aus HND zurück nach CDG, es sollte mit SWISS weiter über ZRH nach VNO gehen. SWISS bekam eine gewaltige Verspätung und ich kam 14 Stunden später ans Ziel.
Mein Antrag wurde von SWISS abgelehnt, unter fadenscheinigen Begründungen. Habe dann den Antrag über die BAZL eingereicht und jetzt ein Jahr später die Entschädigung erhalten.
Zwischenzeitlich hat SWISS mir einen Flug von DXB über ZRH und FRA nach VNO annuliert. Den Antrag haben sie wieder abgewiesen und schreiben nur Unsinn. Da kann man denen noch so oft mitteilen, unter Beifügung von Belegen, dass sie im Unrecht sind, die bleiben bei ihrer ablehnenden Haltung und ignorieren jegliche Logik.
Hab’s mir Mal angesehen. Eigentlich kann das nur die Airlines freuen.
Wenn man richtig beraten ist, muss die Airline sowieso hinterher alle Kosten (inklusive des eigenen Anwalts) tragen. Wenn unbedarfte Fluggäste es trotzdem auf eigene Faust versuchen, vergisst man oft Teile des Anspruchs. Diese Fehler können richtig teuer werden.
Daher: Besser direkt bei einem Profi beraten lassen.
Dr. Böse hat es hier Mal (etwas satirisch) durchgespielt:
Für die Airline ist es billiger die Anwaltskosten zu bezahlen, als jeden Fall zu akzeptieren. Die meisten geben nach dem ersten Ablehnungsschreiben auf und dieses rechnet sich. Ich hatte zwar bei 30 Verspätungen bisher noch keinen reject bekommen aber ich würde bei einer Ablehnung einfach einen Eintreiber wie flightrights und co nutzen, auch, wenn die den größten Teil des Betrages fressen.