Dein/Mein/Unser Reisejahr 2025

Ich habe einen Grossteil dieses Jahres auf Reisen verbracht und versuche hier, mich in vernünftigem Rahmen kurzzufassen. Insgesamt war es ein sehr tolles, spannendes Reisejahr. Inzwischen bin ich zurück im normalen Leben, mit neuem Job, der mich zeitlich ziemlich fordert. Habe es daher in den letzten Wochen nicht mehr geschafft, hier mitzulesen und auch dieser Bericht musste warten.

Vergangenen Herbst hatte ich meine Arbeit gekündigt und bin im Dezember mit einem Rucksack und ohne konkreten Plan losgezogen. Vom Anfang in Kolumbien hatte ich bereits berichtet. Daraus entstanden ist eine Reise in zwei Abschnitten durch Südamerika, Zentralasien, Korea, Guam und letztlich Osteuropa auf dem Heimweg. Wer zu einzelnen Ländern und Regionen Fragen hat, bitte stellen. Ich habe es aber seit der Rückkehr nicht einmal geschafft, den privaten detaillierten Reisebericht abzuschliessen, daher gehe ich hier nicht allzu ins Detail.

Stats:
90 Flüge
17 neue Länder
76 neue Flughäfen
6 neue Flugzeugtypen

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Highlights

Cañon del Chicamocha

Im Nordosten Kolumbiens gelegen, eine beeindruckende Landschaft und Ruhe. Genächtigt in einer kleinen Herberge auf der Krete zwischen den beiden Canyon-Tälern. Ich hatte Canyons in diesem Ausmass zuvor noch nie gesehen und habe meine Zeit sehr genossen.

Vier Tage auf einem Frachtschiff den Amazonas hinauf

Ausgerüstet mit einer Hängematte, Trinkwasser, zwei Bücher und je einem deutschen und einem holländischen Compañero war das Ziel, vom kolumbianischen Leticia am Dreiländereck mit Peru und Brasilien mindestens bis in die peruanische Dschungelstadt Iquitos zu kommen. Wann das Boot fährt? Ein paar Mal pro Woche, so genau weiss man das nicht. Wie lange es dauert? Unterschiedlich, nehmt genug Trinkwasser mit.

Schlussendlich wurden daraus dreieinhalb Tage auf dem Amazonas, eingepfercht mit rund hundert Peruanern mit Kindern, Haustieren und Hausrat. Diese Schiffe sind dort, was für uns hier die S-Bahn ist. Ohne Strom und Internet, an der frischen Luft mit besten Aussichten und herrlichen Sonnenauf- und Untergängen. Der befahrene Arm des Amazonas glich meist einem See mit wenig Strömung, das Ufer war mal 15 Meter, mal zwei Kilometer weg.

Natürlich sehr rudimentär, in einer Hängematte und beschränkten Sanitäranlagen. Aber ich war vermutlich mein ganzes Leben lang nie so entspannt und die Fahrt hätte gerne noch einige Tage länger dauern können.

La Paz

Die de facto Hauptstadt Boliviens hat mich mit ihrer Lage, der Ausbreitung, dem für Transport-Nerds beachtlichen Seilbahnnetz und den damit einhergehenden fantastischen Aussichten sehr beeindruckt. Ich war zu diesem Zeitpunkt bereits seit Wochen auf über 3000 Metern über Meer, und trotzdem ist die Anstrengung der Bewegung in dieser Höhe extrem. Aber diese Stadt kann ich wirklich empfehlen, und das Sicherheitsgefühl war verglichen mit anderen Grossstädten auf dem Kontinent eher besser.

Hier habe ich mich auch zu einer typischen “Touri-Tour” hinreissen lassen, was sich aber absolut gelohnt hat: Mit dem Mountainbike die Death Road hinunter. Top-Gear-Fans wissen, wovon ich rede.

Potosí

Eine eindrückliche, aber auch sehr deprimierende Bergbaustadt auf über 4’000 Metern über Meer. Von dem einstigen Reichtum ist hier nichts übrig geblieben, und so eindrucksvoll und lehrreich der Besuch war, ich bin froh, nicht dort geboren zu sein. Denn von den jungen Männern endet die Mehrheit als Minenarbeiter im Cerro Rico.

Mit zwei vor Ort getroffenen Mitreisenden wurden wir eher halb-legal von einem Minenarbeiter mehrere Stunden lang durch den Berg geführt. Und diese Tour hat Spuren hinterlassen. Viele Armutsviertel dieser Welt wirken lebenswerter als ein Leben an und in dieser Mine.

Osterinsel

Hier aus dem Forum waren ja schon einige auf Rapa Nui, und deren Eindrücke kann ich teilen. Rückblickend wäre ich besser einige Tage länger geblieben und hätte die Natur und die geografische Exponiertheit noch ausführlicher geniessen sollen. Ein wirklich tolles Ziel. Wer das Faible für abgeschiedene Inseln teilt, sollte da mal hin.

Deutsche Kolonien in Paraguay

Nach Paraguay wollte ich eigentlich, weil es da eigentlich nichts zu sehen gibt. Mir sagt das gemächliche Dasein deutlich mehr zu, als von einer zur nächsten Attraktion zu hetzen. Asuncíon habe ich als tolle Stadt kennen gelernt, und von da ging es einige Stunden hoch in den Gran Chaco. Dort gibt es mehrere Mennoniten-Kolonien, inzwischen seit rund 100 Jahren bestehend, mit deutschen und russland-deutschen Auswanderern.

Es ist surreal, nach einem halben Jahr auf Spanisch mitten in der paraguayanischen Steppe in ein Café zu laufen und auf Deutsch eine Brezn zu bestellen. Übernachtet habe ich bei einem neuen Bekannten von Couchsurfing, und aus geplanten zwei Nächten wurde eine ganze Woche. Mein Gastgeber hatte zwar einen Vollzeitjob, nebenbei aber wie jeder Bewohner noch einige Hektar Land und ein paar Rinder. So nebenbei, wie man bei uns einen Hund hat oder im Sportverein aktiv ist. Mit Schrotflinte und Hut bewaffnet ging es durch die unendliche Weite über sein Land. Seine Familie sprach untereinander noch Plattdeutsch. Eine wirklich spezielle, sehr schöne Erfahrung.

Reitausflug in Kirgisistan

Mit zwei in Bishkek kennen gelernten kirgisischen Studenten ging es ein Wochenende lang durch die Hügellandschaft im Osten des Landes. So viel freie Natur, schönes Wetter, freundliche Menschen und Entspannung.

Guam

Abgelegene Inseln reizen ja nicht nur mich. Guam stand, wie viele andere Pazifizinseln, schon lange auf der imaginären Liste. Dass ich es dahin geschafft habe, war allerdings eher ein Zufallsprodukt der Reiseplanung. Schon der Abstecher von Südkorea war eigentlich nicht eingeplant, und als ich da die günstigen Flugpreise nach Guam entdeckt habe, musste ich hier ein paar Tage einplanen.

USA im Pazifik, mit dieser Kombination bin ich ziemlich glücklich. Übernachtet habe ich wieder über Couchsurfing bei einer deutschen Auswanderin, die seit zehn Jahren als Meeresbiologin für die US-Armee arbeitet. Das waren spannende Tage und eine sehr schöne Insel.

Mestia, Georgien

Abgesehen von der aviatischen Komponente, dass die Flüge in der Let-410 durch das Kaukasusgebirge schon spektakulär waren, hat mich Mestia an sich wirklich beeindruckt. Und zum ersten Mal auf der langen Reise erinnerte mich die Umgebung wirklich an Zuhause und die heimischen Alpentäler. Ruhig, gute Wanderungen, nette Gastgeber und die fantastische georgische Küche.

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Seltene Flugzeuge und Aviatik-Erlebnisse:

Beechcraft B1900D von Satena

Einmal fest eingeplant, ein zweites Mal eher zufällig erwischt. Geflogen auf den Routen Medellín - Montelibano im Norden Kolumbiens und dann von Popayan nach Guapí, ein kleines Dorf an der Pazifikküste, wo ich während meinem Aufenthalt mal wieder der einzige Tourist zu sein schien.

Avro RJ100 von Ecojet, ehem. bei Swiss im Einsatz

In dieser konkreten Maschine bin ich als Kind nie gesessen, da sie schon 2005 weiterverkauft wurde und über Atlantic Airways auf den Färöern und Braathens in Schweden den Weg nach Bolivien fand. Aber seit jeher ist der Jumbolino mein favorisiertes Flugzeug, ein Trip nach London City auf den beiden letzten Passagierflügen vor der Ausflottung bei Swiss war meine erste wirkliche “Avgeek-Reise” und ich hätte damals nicht gedacht, dass ich nochmal an Bord einer Avro Platz nehmen darf.

Eine Route mit dem RJ85 war ebenfalls eingeplant, der Flug wurde allerdings kurzfristig gestrichen. Im weiteren Verlauf des Jahres sollte der RJ85 dann doch noch in mein Repertoire kommen, bei TezJet in Kirgistan.

Anekdote dazu: TezJet steht auf der Blacklist der EU. Beim Abflug in Osh merkte ich auch, was dazu beitragen könnte: Einem offensichtlich kranken Passagier hielt eine Flugbegleiterin zwei Reihen vor mir einen Infusionsbeutel hoch und schaffte es nicht, diesen am Gepäckfach zu befestigen. Ohne Vorwarnung an die Kabinencrew drehten die Piloten auf die Piste und setzten den Startschub, während die Flugbegleiterin ohne mit der Wimper zu zucken locker im Gang stehen blieb und den Beutel hielt. Nicht auszudenken, welche Verletzungen sie bei einem Startabbruch davon getragen hätte, wenn sie aus Reihe 2 in die vordere Galley knallt. Anyway, sie stand da den ganzen Flug über, auch bei der Landung.

DHC-6 Twin Otter von Aerovías DAP

Ein kurioser, aber sehr unterhaltsamer Ausflug. Die letzte Rotation vor der Winterpause, per E-Mail einen Tag vor Abflug gebucht, mit auf einem A4-Formular händisch eingetragenen Kreditkartendaten. Bei Temperaturen um 5°, kurz vor dem wirklichen Wintereinbruch in Patagonien, ging es mit einer Twin Otter von Punta Arenas zum Cameron Pampa Guanaco Airport, der sprichwörtlich in der Pampa liegt.

Mit zwei sehr sympathischen Piloten, einem ungestörten Rundgang um die Maschine auf dem kleinen Flugfeld, Check-In und Boarding per Klemmbrett und rund 20 Minuten Aufenthalt, bevor es wieder zurück nach Punta Arenas ging.

Let-410 von Uzbekistan Airways

Die Let-410 ist mir schon mehrfach entwischt, zuletzt 2023 in Georgien. Dass ich jene Flüge mit Vanilla Sky noch nachholen werde, war mir während dem Aufenthalt in Usbekistan noch nicht bewusst. Also die Planung so angepasst, dass ein Flug vom brandneuen Zomin Airport, der einzig für diese tägliche Verbindung mit maximal 16 Passagieren in die Hauptstadt gebaut wurde, in die Planung hinein passte.

Übernachtet habe ich in dieser kleinen, ruhigen Stadt wieder per Couchsurfing. Und als ich bei der Familie meines Gastgebers im Innenhof sass und mit vielen Verständigungsschwierigkeiten darstellte, dass ich nur für diesen Flug überhaupt nach Zomin gereist bin, stellte sich heraus, dass er morgen am Flughafen dann auch gleich mein Check-In Agent sei. Als einer von zweien aus der Stadt, die diese Funktion ausüben können.

Cessna Citation Excel von Jonair

Über diesen Abstecher habe ich hier im Forum bereits berichtet.

Let-410 von Vanilla Sky/AK-Air Georgia

Mit Vanilla Sky hatte ich noch eine Rechnung offen, und dieses Jahr konnte ich sie begleichen. Die Preise sind bei ihren Flügen wirklich nicht das Problem, sondern die Buchung und das Wetter. Die mit Abstand dämlichste Buchungsmaske, die mir bisher untergekommen ist, gepaart mit extrem spärlichen Verfügbarkeiten. Am Ende bin ich aber sehr gut weggekommen und genoss die Flüge von Tiflis nach Ambrolauri und zurück, sowie nach Mestia und später weiter nach Kutaissi.

Die Flüge in den Bergen waren von wunderschönen Aussichten geschmückt, und der Anflug in Kutaissi mit zahlreichen Warteschleifen bei starken Windböen überforderte den Magen des einen oder anderen Passagiers.

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So, und folgend nun diverse Fotos von der langen Reise. Ich hoffe, ich sprenge den Webserver nicht.

Kolumbien, Dez ‘24 - Feb ‘25

Medellín

Isla Tintipán auf dem Archipélago de San Bernardo, Sonnenaufgang…

…und Sonnenuntergang. Zu diesem Archipel gehört auch Santa Cruz del Islote dazu, was meist im Halbjahresrythmus von einem unterbeschäftigen Journalisten ausgegraben und als dichtbevölkester Ort der Welt präsentiert wird. War da, sehr interessanter Ort, hab nur keine Fotos.

Cañon del Chicamocha

Wanderung von Barichara nach Guane

Desierto de la Tatacoa

Silvia auf 2’600m.ü.M.

Cali

Guapí, ein Fischerdorf am Pazifik

Einzige Transportmöglichkeit ins Dorf San Cipriano bei Buenaventura. Alte Bahngleise werden kreativ weiter genutzt.

Peru, Feb ‘25 - Mar ‘25

Weitere Eindrücke vom Frachtschiff auf dem Amazonas

Iquitos

Lima

Huaraz auf 3’100m.ü.M.

von diversen Wanderungen im Parque Nacional Huascarán

Arequipa

Ausläufer des Cañon Cotahuasi

Eine typische Reisepause, hier am Plaza Constitución im Dorf Pisac, gelegen im Valle Sagrado

Cusco

Bolivien, Mar ‘25 - Apr ‘25

Copacabana am Lago Titicaca auf 3’800m.ü.M.

Unterwegs nach La Paz. Der Bus bekommt sein eigenes Floss, wir Passagiere mussten aussteigen und wurden in einem kleinen Holzboot übergesetzt.

Plaza Metropolitana 24 de Septiembre in Santa Cruz de la Sierra

diverse Eindrücke auf dem Weg von Uyuni über die chilenische Grenze bis nach San Pedro. Grenzübergang auf 4’549m.ü.M bei tiefen Minusgraden.

Chile, Apr ‘25

Ein konstanter Reisebegleiter, das Schachbrett. Hier wird auf chilenischer Seite der Grenze ausgeruht, zum ersten Mal seit Wochen unterhalb von 3000m.ü.M.

Ausblicke zwischen Santiago de Chile und Punta Arenas

Überquerung der Strasse von Magellan auf dem Weg nach Ushuaia. Viel höher steigt die Sonne mittags nicht mehr.

Argentinien, Apr ‘25 - Mai ‘25

Ushuaia

Buenos Aires

Salta

Iguazu-Fälle

Uruguay, Mai ‘25

Montevideo

Paraguay, Mai ‘25 - Jun ‘25

Auf dem Río Iguazu, der vorne in den Río Paraná mündet. Links Argentinien, rechts Brasilien, geradeaus Paraguay.

Alternative Überquerung des Río Parana bei der Ausreise, Foto zeigt von brasilianischer Seite aus Ciudad del Este

Asunción

Saltos del Monday, bei Ciudad del Este

Itaipu-Staudamm, auf der anderen Flussseite wieder Brasilien

Brasilien, Jun ‘25

São Paulo, links der Flughafen Congonhas

Anflug auf Santos Dumont in Rio

Copacabana in Rio

Praia da Lagoinha do Leste auf Florianópolis

Sommer in der Schweiz, Jun ‘25 - Jul ‘25

Aussicht auf die Alpen aus der LX 777

Wanderung über den Gemmi-Pass

Rasa, ein kleines Bergdorf im Centovalli

Selbst auch noch geflogen, hier nach Locarno zum Mittagessen

Slowakei und Ukraine, Jun ‘25

Ushhorod

Wanderungen im Tatra-Gebirge

Kasachstan, Jul ‘25

Kathedrale in Almaty

Astana

Burabay

Semipalatinsk/Semey

Ust-Kamenogorsk/Öskemen

Einstieg zu 20h Zugfahrt von Semipalatinsk nach Almaty

Kirgisistan, Aug ‘25

Bishkek

Osh

Ausläufer des Tien-Shan-Gebirges

Usbekistan, Aug ‘25

Samarkand

eine usbekische Tankstelle

Nationalpark Zomin, an der tadschikischen Grenze

Südkorea, Aug ‘25

Seoul

Zum Trocknen aufgehängte Tintenfische auf Jeju

Busan

Gyeongju

Aserbaidschan, Aug ‘25 - Sep ‘25

Baku

Göygöl-See. Auf der anderen Seite der Berge liegt Nagorno-Karabach. Wurde uns erst bewusst, als wir mitten in eine militärische Sperre hineingefahren und auf aserbaidschanisch freundlichst zum Teufel gejagt wurden.

Seki

Blick ins Kaukasus-Gebirge

Armenien, Sep ‘25

Yerevan

Tal von Azat

Georgien, Sep ‘25

Sighnaghi, im Hintergrund wäre wieder der Kaukasus, aber die Sichtweite war tief

Kazchi-Säule

Chiatura

Moldawien und Transnistrien, Sep ‘25

Chișinău, inklusive dem “Casa Mare”, ihrem Festival der Ethnien

Tiraspol, Transnistrien

Rumänien, Sep ‘25

Palast des Volkes, Bukarest

Peleș-Schloss in Sinaia

Brașov

Abschliessend wünsche ich euch allen ein gutes neues und hoffentlich spannendes Reisejahr.

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